Deutschland

Dax mit neuem Stabilisierungsversuch vor US-Daten

13.10.2022 - 10:44:07

Der zuletzt schwächelnde Dax hat am Donnerstag einmal mehr einen Stabilisierungsversuch unternommen. Vor neuen US-Inflationszahlen hielt sich die Kaufbereitschaft der Anleger allerdings in Grenzen. Der deutsche Leitindex konnte seine anfänglichen, moderaten Verluste zwar abschütteln. Über eine Stunde nach Handelsbeginn reichte es jedoch nur für ein Plus von 0,26 Prozent auf 12.204,05 Punkte. Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen dämmte bei 21.799,47 Punkten sein Minus auf 0,43 Prozent ein, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor zuletzt noch 0,21 Prozent.

Laut Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets haben die am Nachmittag anstehenden US-Verbraucherpreise «das Potenzial, die Widerstandskraft des Dax der vergangenen Tage zu brechen und den Index auf neue Jahrestiefs zu befördern». Ähnlich pessimistisch äußerte sich Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets, der von einem «Ritt auf der Rasierklinge» sprach.

Das am Mittwochabend veröffentlichte Protokoll von der September-Sitzung der US-Notenbank Fed hatte deutlich gemacht, dass die Währungshüter nicht dazu neigen, im Kampf gegen die hohen Inflation durch weitere Leitzinsanhebungen nachzulassen. Die davor freundlichen US-Börsen hatten daraufhin kaum verändert geschlossen.

Am deutschen Markt standen die Zahlen von Südzucker im Mittelpunkt. Ein überraschend deutlicher Gewinnsprung im ersten Geschäftshalbjahr sowie ein erneut angehobener Umsatzausblick überzeugte die Anleger allerdings nur kurz: Nach einem freundlichen Auftakt drehten die Aktien des Zuckerproduzenten ins Minus und verloren 2,6 Prozent auf 12,31 Euro. Damit zählten sie zu den schwächsten Werten im Nebenwerte-Index SDax.

Aktien aus dem Chipsektor standen nach negativen Branchennachrichten ebenfalls unter Druck: So verloren die Titel des Dax-Konzerns Infineon 1,6 Prozent, und für die Titel des Branchenausrüsters Aixtron ging es um 3,3 Prozent nach unten.

Der US-Branchenausrüster Applied Materials kürzte seinen Ausblick auf das Schlussquartal wegen zuletzt erlassener Beschränkungen der USA für die Geschäftsbeziehungen mit China. Laut Händlern ist dies kein gutes Omen für die Perspektiven in der Branche allgemein. Hinzu kam, dass der taiwanesische Chipkonzern TSMC ankündigte, seine geplanten Investitionen in Anlagen in diesem Jahr um zehn Prozent zu kürzen. Börsianer werteten dies als «dramatisches Signal für die derzeitige Verfassung der Tech-Branche».

Beim Gewerbeimmobilien-Spezialisten Aroundtown belastete eine gestrichene Kaufempfehlung der Citigroup: Die Aktien sanken um 5,8 Prozent auf ein Rekordtief und waren zudem größter Verlierer im MDax. Analystin Aakanksha Anand geht inzwischen von einer schwereren Rezession aus und spricht nur noch ein neutrales Anlagevotum aus. Immobilienwerte insgesamt litten weiter unter dem steigenden Zinsniveau.

@ dpa.de