Regierungen, USA

BUENOS AIRES - Ein fast vergessener Staatschef am Flughafen, Begegnungen mit der Kanzlerin in einer Linienmaschine und ein Vorkoster für den sonst nicht gerade zimperlichen saudischen Kronprinzen.

02.12.2018 - 08:40:24

G20-Splitter: Macron-Panne, Ersatzkanzler, Vorkoster. Geschichten von einem ungewöhnlichen G20-Gipfel.

KEIN EMPFANGSKOMITEE FÜR MACRON: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wirkte bei seiner Ankunft in Buenos Aires etwas verloren. Als er nach der Landung mit seiner Frau Brigitte die Gangway herab schritt, war weit und breit kein Empfangskomitee der argentinischen Regierung zu sehen. Macron schüttelte an der Flugzeugtür zunächst einem Flughafenmitarbeiter die Hand. Der hatte auch noch eine gelbe Warnweste an, das Symbol der Massenproteste in Frankreich gegen Spritpreiserhöhungen. Unten begrüßte Macron weitere Arbeiter am Rande des sonst verwaisten roten Teppichs. Als er schon in die immerhin bereit stehende Limousine steigen wollte, tauchte schließlich Argentiniens Vizepräsidentin Gabriela Michetti auf - es hatte eine Kommunikationspanne gegeben. Macron nahm es sportlich.

ERSATZ-KANZLER FÜR EIN PAAR STUNDEN: Weil die Kanzlerin wegen eines Flugzeug-Defekts arg verspätet eintraf, rückte ihr Wirtschaftsberater Lars-Hendrik Röller ganz nach vorn an den Tisch der Mächtigen. So durfte - oder musste - Röller mit US-Präsident Donald Trump plaudern, denn die USA waren neben Germany platziert. Röller war quasi ein paar Stunden Kanzler. Der zweithöchste Repräsentant am ersten Gipfeltag war Finanz-Staatssekretär Wolfgang Schmidt, der auch mit im Raum sitzen durfte, in der zweiten Reihe direkt hinter Trump. Vor einem Jahr noch holte Schmidt einige der G20-Spitzenpolitiker als Hamburger Staatsrat vom Flughafen ab. Nun saß er mittendrin.

MIT MERKEL IN DER BUSINESS CLASS: Agustín Agüero hatte es sich auf seinem Sitz 1G für den Iberia-Flug nach Buenos Aires bequem gemacht, als plötzlich Bundeskanzlerin Angela Merkel neben ihm stand. "Ich hätte nie eine so normale Person erwartet", erzählt der 28-Jährige - Politik verband er bisher eher mit Intrigen und Abgehobenheit wie in der US-Serie "House of Cards". Wegen des Defekts an der Regierungsmaschine musste Merkel via Madrid per Linienflug anreisen. Und was hat sie über den Wolken gemacht? "Sie hat Joghurt gegessen, ein Buch gelesen, ein bisschen geschlafen." Eine Stunde vor der Landung sei Merkel dann ins Cockpit gegangen und habe ein Foto mit der Crew gemacht. Er habe sich leider nicht getraut, sie anzusprechen." Aber sie habe rübergelächelt. "Sie war sehr relaxt."

GASTGEBER MACRI WEINT: Mauricio Macri überwältigten nach der Tanz- und Musikshow "Argentum" im Teatro Colón die Gefühle. Als die Tänzer zum Abschluss der Aufführung immer wieder "Argentina, Argentina" riefen, kamen dem argentinischen Staatschef die Tränen. Seine Frau Juliana Awada nahm ihn tröstend in die Arme. Kanzlerin Merkel auf der anderen Seite lachte und klatschte begeistert mit. "Macri war sehr bewegt wegen des Gefühls, dass wir Argentinier es schaffen können", sagte G20-Organisationschef Hernán Lombardi. "Merkel war auch sehr berührt." Vielleicht war es bei Macri einfach auch die Erleichterung, dass alles passabel und friedlich über die Bühne ging - und Argentinien seine Vorzüge gut in Szene setzen konnte.

GALA-DINNER: Nach der Show im Teatro Colón waren die Staats- und Regierungschefs der G20 plus Partner zu einem Gala-Dinner im Goldenen Salon des Opernhauses geladen. Dort gab es als Vorspeise Antarktische Königskrabbe mit Avocado und Mandelkruste, als Hauptgang Rinderfilet mit Artischocken und als Dessert Rote Früchte mit Eis. "Wir wollten argentinische Produkte in den Vordergrund stellen, saisonale Zutaten, die uns Argentinier repräsentieren", sagte Koch Tommy Perlberger. Der Vertreter des Feinschmecker-Landes Frankreich verschmähte aber das berühmte argentinische Rindfleisch: Macron bat um ein vegetarisches Menü.

VORKOSTER FÜR DEN PRINZEN: Dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman wird vorgeworfen, den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi in Auftrag gegeben oder zumindest davon gewusst zu haben. Auf die Sicherheit des Prinzen hingegen wird peinlich genau geachtet. Während seines Besuch in Buenos Aires ließ er sich bei einem Abendessen in der saudischen Botschaft das Grillfleisch von dem bekannten Koch Gastón Riviera zubereiten. Bevor das Essen dem Prinzen serviert wurde, musste es vorgekostet werden. "Ich hatte zwei oder drei Leute an meiner Seite, die beobachteten, was ich tat. Jeder Teller, der rausging, wurde vorgekostet und etikettiert", sagte der Chef des bekannten Restaurants La Cabrera dem Radiosender Mitre. "Ein Stück Fleisch musste ich probieren."

BARBUSIGER PROTEST: Mit vollem Körpereinsatz protestierten einige Frauen gegen den G20-Gipfel in Buenos Aires. Sie hatten sich die Flaggen der Mitgliedsländer auf den nackten Oberkörper gemalt. So marschierten Brasilien, die Türkei, Frankreich und China Seite an Seite in der ersten Reihe des Protestzugs. "Sie wollen Krieg und wir lassen sie nicht in Frieden" war auf ihrem Transparent zu lesen. Tatsächlich blieb die Demonstration anders als befürchtet allerdings friedlich. Nach den schweren Ausschreitungen in Hamburg hatten sich die Sicherheitsbehörden auf das Schlimmste vorbereitet. Weite Teile der Innenstadt von Buenos Aires wurden abgeriegelt. 25 000 Polizisten und Soldaten waren an den Gipfeltagen im Einsatz.

PECHVOGEL SCHOLZ: Der Vizekanzler hat irgendwie kein Glück mit dem Regierungsairbus "Konrad Adenauer". Während des Treffens des Internationalen Währungsfonds in Bali drangen im Oktober Nagetiere in die geparkte Maschine und knabberten Leitungen an. Er musste per Linie zurückfliegen. 2017 war er als Erster Bürgermeister noch schwer kritisierter Gastgeber des von Randale überschatteten G20-Gipfels in Hamburg, jetzt wollte er mit Kanzlerin Merkel in Buenos Aires als Regierender selbst dabei sein. Und musste nach der Panne im Regierungsflieger mit Merkel per Linie anreisen. Unterdessen attackierten Vermummte sein Hamburger Wohnhaus und warfen mit Farbe gefüllte Marmeladengläser gegen die Hauswand.

GEBURTSTAGSKIND: Der chilenische Präsident Sebastián Piñera feierte am zweiten Tag des G20-Gipfels seinen 69. Geburtstag. "Bevor wir die Sitzung beginnen, möchte ich sagen, dass heute der Geburtstag von Sebastián Piñera ist", sagte der argentinische Präsident Mauricio Macri. Eine Kellnerin brachte Piñera unter dem Applaus der anderen Staats- und Regierungschefs eine Geburtstagstorte mit einer brennenden Kerze. Nach dem Abschluss der Verhandlungen flog Piñera zügig nach Hause, um seinen Ehrentag mit seiner Familie zu feiern.

@ dpa.de

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