Verkehr, Bahn

Buden stehen im Weg, Info-Anzeiger am Treppenende bremsen Reisende aus: Gerade zu Stoßzeiten sind Hindernisse auf Bahnsteigen ärgerlich.

11.01.2019 - 08:30:05

Verkehrsplanung - Verkehrsverbünde: Platz in Bahnhöfen bald zu knapp. Das Gedränge auf großen Bahnhöfen könnte sogar noch größer werden.

Berlin - Auf großen Umsteigebahnhöfen in Deutschland muss es nach Einschätzung der Verkehrsverbünde künftig mehr Platz geben. Sonst werde es angesichts von immer mehr Fahrgästen dort zu eng, sagte der Hauptgeschäftsführer des Dachverbands der Träger des regionalen Bahnverkehrs (BAG-SPNV), Frank Zerban, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Spätestens wenn der geplante «Deutschlandtakt» komme, bräuchten die Fahrgäste kurze und ausreichend dimensionierte Wege fürs schnelle Umsteigen. Die Deutsche Bahn räumt Umbaubedarf ein. Man habe die Kapazitäten der Bahnhöfe aber schon länger im Blick, sagte ein Konzernsprecher. An hoch belasteten Bahnhöfen sollten nach Ansicht Zerbans «als kurzfristige Maßnahmen Kioske und Automaten auf Bahnsteigen entfernt werden, die das Ein-, Aus- und Umsteigen behindern. Denn schon heute sind viele Bahnsteige eher zu schmal für die Menge an Fahrgästen.» Außerdem: «Fahrgast-Informationen sollten nicht direkt am Ende von Treppen oder Rolltreppen installiert werden, weil sie sonst die Reisenden dort stauen.»

Der Vertreter der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Schienenpersonen-Nahverkehrs erinnerte daran, dass die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag bis zum Jahr 2030 doppelt so viele Bahnfahrgäste anstrebt wie zuletzt. Bereits von 2002 bis 2016 sei die Fahrgastzahl im Schienenpersonen-Nahverkehr um 46 Prozent gestiegen. «Das ist ein Durchschnittswert. In den Ballungszentren war der Zuwachs noch größer», betonte Zerban.

Für stark genutzte Bahnhöfe sei «eine konkrete Analyse der Verkehrsströme» nötig: «Wo kommen die Fahrgäste an, wo wollen sie hin, wo kreuzen sich ihre Wege? Dabei darf es nicht bei einer Status-quo-Betrachtung bleiben, sondern es sollten künftige Änderungen wie der «Deutschlandtakt» einbezogen werden.» Darunter wird ein Fahrplanmodell verstanden, bei dem die Züge an wichtigen Umsteigestationen gleichzeitig eintreffen und kurz darauf wieder abfahren. Lange Umsteigezeiten von einer halben Stunde und mehr soll es dann nicht mehr geben. Als Zielmarke für die engere Verzahnung von Nah- und Fernverkehr hat die Bundesregierung das Jahr 2030 genannt.

«Der «Deutschlandtakt» wird schrittweise kommen, mit jedem Fahrplanwechsel wird es Verbesserungen geben», sagte Zerban. «Wenn die Knoten-Ausbaupläne realisiert sind - vor allem in Köln, Frankfurt und Hamburg -, wird es einen deutlichen Schub geben.»

Nach der Analyse sei zu prüfen, wo zusätzliche Zugänge gebraucht werden. «Die Planung muss rechtzeitig beginnen, weil solche Projekte Jahre in Anspruch nehmen.» Das zeige das Beispiel des Hamburger Hauptbahnhofs, der bis 2030 umgebaut werden soll.

Die Bahn sieht drei Wege, um die Stationen für mehr Fahrgäste zu rüsten. Bei Neubauten wie den Hauptbahnhöfen in Berlin und Stuttgart könne man größere Reisendenzahlen bereits einplanen, sagte der Sprecher. Gehe es um historische Gebäude wie den Hamburger Hauptbahnhof, versuche man erst einmal, Freiräume für mehr Laufwege zu schaffen. Anbauten seien oft schwierig zu verwirklichen, weil die Grundstücke ringsum meistens nicht der Bahn gehörten.

Als dritten Aspekt nannte der Sprecher eine Koordination der ein- und ausfahrenden Züge, so dass nicht gleichzeitig aus zwei Zügen Passagiere aussteigen. Der «Deutschlandtakt» könne, wenn dann insgesamt mehr Züge unterwegs seien, zu einer besseren Verteilung der Fahrgastströme und geringen Spitzenbelastung der Bahnhöfe führen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Flixtrain fährt nun auch zwischen Berlin und Köln. Berlin - Der Fernzuganbieter Flixtrain hat seine dritte Verbindung in Deutschland in Betrieb genommen, zwischen Berlin und Köln. Unterwegs hält der Zug in Wolfsburg, Hannover, Essen, Duisburg, Düsseldorf, Dortmund und Bielefeld. Ab 6. Juni soll ein zweiter Zug auf der Strecke fahren. In Deutschland ist Flixtrain - eine Marke des Flixbus-Betreibers Flixmobility - im Fernverkehr der einzige Konkurrent der Deutschen Bahn. Seit gut einem Jahr sind zwei Flixtrain-Strecken im Regelbetrieb: Berlin-Stuttgart und Köln-Hamburg. Flixtrain fährt nun auch zwischen Berlin und Köln (Politik, 23.05.2019 - 17:14) weiterlesen...

Zugangebot ausgebaut - Flixtrain fährt nun auch zwischen Berlin und Köln. Nun baut Flixtrain sein Zugangebot aus. Pläne gibt es nicht nur für Deutschland. Die Deutsche Bahn ist noch immer Monopolist im Fernverkehr, Konkurrenten haben nie lange durchgehalten. (Wirtschaft, 23.05.2019 - 08:36) weiterlesen...

Scheuer vor Affe. Street Art Künstler haben diesen Zug mit Tiermotiven gestaltet. Die Güterbahnen in Europa engagieren sich damit gegen Klimawandel. Wissenschaftler und Politiker diskutieren auf dem Weltverkehrsforum in Leipzig über die Mobilität der Zukunft. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vor einem Schimpansenmotiv auf «Noah's Train». (Media, 22.05.2019 - 22:40) weiterlesen...

Musiker kämpfen um Auftrittsgenehmigung in New Yorker U-Bahn. Rund 70 von ihnen durften nach einer Vorauswahl gestern im Hauptbahnhof Grand Central in Manhattan vor Jury und Publikum vorspielen. Für jeweils fünf Minuten präsentierten sich unter anderem ein Panflötenspieler, eine Band aus Brasilien, ein Trompeter und ein Gitarren-Trio. Die rund 30-köpfige Jury bewertet die Kandidaten. Von den 70 Finalisten werden in diesem Jahr etwa 20 in das rund 350 Bands und Musiker umfassende Programm aufgenommen. New York - Mehr als 300 Musiker und Bands haben sich in diesem Jahr um eine der begehrten Auftrittsgenehmigungen für die New Yorker U-Bahn beworben. (Politik, 22.05.2019 - 04:56) weiterlesen...

Werden Strecken reaktiviert? - Wie stillgelegte Gleise Bahnkunden helfen könnten. Häufig stehen die großen Bahn-Knotenpunkte im Fokus der Diskussion. Dabei könnte eine Lösung da liegen, wo schon Unkraut wuchert. Die Bundesregierung will deutlich mehr Menschen auf die Schiene bringen. (Wirtschaft, 20.05.2019 - 15:47) weiterlesen...

Mehr als 3000 Kilometer - Viele stillgelegte Bahnstrecken sollten reaktiviert werden. Das würde den Personenverkehr in Deutschland verbessern, teilten der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Allianz pro Schiene in Berlin mit. Berlin - Mehr als 3000 Kilometer stillgelegte Bahnstrecken lassen sich aus Sicht zweier Verkehrsverbände ohne allzu großen Aufwand reaktivieren. (Wirtschaft, 20.05.2019 - 10:22) weiterlesen...