Deutschland, Konjunktur

Bis zu 60 Prozent der deutschen Haushalte könnten zukünftig ihre gesamten Einkünfte für die reine Lebenshaltung einsetzen müssen.

21.08.2022 - 08:11:13

Sparkassen-Chef: Viele können nichts mehr zurücklegen. Schon jetzt gibt es einen Anstieg beim Dispositionskredit.

Die Mehrheit der Bundesbürger kommt nach Einschätzung der Sparkassen wegen der hohen Inflation zunehmend an finanzielle Grenzen.

«Wir rechnen damit, dass wegen der deutlichen Preissteigerung perspektivisch bis zu 60 Prozent der deutschen Haushalte ihre gesamten verfügbaren Einkünfte – oder mehr – monatlich für die reine Lebenshaltung werden einsetzen müssen», sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis der «Welt am Sonntag». Vor einem Jahr waren laut Sparkassen-Vermögensbarometer lediglich 15 Prozent nicht in der Lage, Geld zurückzulegen.

Auch Volks- und Raiffeisenbanken beobachten einen geringeren Spielraum der Kunden. «Die hohe Inflation entzieht den Verbrauchern Kaufkraft, dadurch sinkt die Sparfähigkeit», sagte der Vorstand des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Andreas Martin, der Zeitung.

Noch profitierten viele von Ersparnissen, die sich während der Corona-Zeit wegen fehlender Konsummöglichkeiten angesammelt hätten. «Der Spitzenwert der Sparquote lag bei rund 16 Prozent im Jahr 2020, für 2022 erwarten wir eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau von elf Prozent», sagte Martin.

Deutliche Verschärfung der Situation

Bei den Sparkassen rechnet man insbesondere im Herbst und Winter mit einer deutlichen Verschärfung der Situation, gerade bei Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Die angespannte Lage zeigt sich laut Deutschem Sparkassen- und Giroverband (DSGV) bereits bei der Überziehung des Girokontos. Wer den sogenannten Dispositionskredit nutze, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken, der schöpfe den Rahmen im Durchschnitt inzwischen «deutlich weiter aus».

Die Grünen fordern, die Höhe der Dispozinsen zu begrenzen, die im Schnitt aktuell bei knapp zehn Prozent liegen. «Grundsätzlich halten wir Grüne es für notwendig, Dispozinsen gesetzlich zu deckeln», sagte der Grünen-Finanzpolitiker Stefan Schmidt der «Welt am Sonntag». Der Zinsdeckel solle die Menschen vor ausufernden Kosten schützen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Lettland verhängt Ausnahmezustand in Grenzregion zu Russland. Die Regelung ermöglicht den Zugriff auf zusätzliche Ressourcen zum Schutz der Grenze, falls mehr Menschen von russischer Seite versuchen sollten, nach Lettland einzureisen. Auch könnten damit Kontrollen schneller organisiert werden. RIGA - Lettland hat angesichts der russischen Teilmobilisierung im Krieg gegen die Ukraine den Ausnahmezustand in der Grenzregion zu Russland verhängt. (Wirtschaft, 27.09.2022 - 19:51) weiterlesen...

Habeck gegen 'Koppelgeschäfte' in Energiekrise. Habeck sprach am Dienstag in Berlin von einer herausfordernden Zeit, in der keine politischen "Koppelgeschäfte" gemacht werden sollten, die "dann in irgendeine Richtung parteitaktisch ausgebeutet werden". Jedes Problem müsse für sich betrachtet und dann für sich gelöst werden. Dies sei das richtige Vorgehen. BERLIN - Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat sich gegen politische "Koppelgeschäfte" in der Energiekrise ausgesprochen. (Wirtschaft, 27.09.2022 - 19:22) weiterlesen...

Lecks an Pipelines: Habeck will nicht über Ursache spekulieren. Eine Spekulation darüber verbiete sich so lange, wie die Aufklärung nicht erfolgt sei, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Berlin. Die Bundesregierung stehe wegen der "Vorkommnisse" in engstem Austausch vor allem mit den dänischen Behörden. Die Sicherheitsbehörden hätten ihre Arbeit aufgenommen. BERLIN - Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat sich nach den Lecks an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 zurückhaltend zur Ursache geäußert. (Wirtschaft, 27.09.2022 - 19:20) weiterlesen...

Bundestag debattiert in Aktueller Stunde über Proteste im Iran. Dort hatte der Tod einer jungen Frau, die wegen ihres Kleidungsstils von der sogenannten "Sittenpolizei" in Gewahrsam genommen worden war, für große Empörung in der Bevölkerung gesorgt. Die Proteste dauern seit Tagen an. Auf Verlangen der Regierungsfraktionen SPD, FDP und Grüne sollen sich nun auch die Abgeordneten des Deutschen Bundestags mit der Lage im Iran auseinandersetzen. BERLIN - In einer Aktuellen Stunde debattiert der Bundestag am Mittwoch über die landesweiten Proteste im Iran. (Wirtschaft, 27.09.2022 - 18:11) weiterlesen...

ROUNDUP/Kretschmann warnt Bund: Ohne Hilfe droht verfassungswidriger Haushalt. Der Bund müsse die Länder an anderer Stelle finanziell viel stärker unterstützen, wenn sie das Paket mittragen sollten, sagte der Grüne am Dienstag in Stuttgart. Er forderte mehr Mittel für Schienenausbau, Kliniken, Wohngeld und Versorgung von Flüchtlingen. STUTTGART - Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat den Druck auf die Ampel-Regierung im Streit um die Finanzierung des milliardenschweren Entlastungspakets massiv erhöht. (Wirtschaft, 27.09.2022 - 17:08) weiterlesen...

Woidke fordert in Energiekrise schnelle Hilfe vom Bund. Der SPD-Politiker zeigte sich am Dienstag aber zuversichtlich, dass der Bund eine Notlage erklären wird, damit die Länder Kredite für ein Hilfspaket aufnehmen können. "Ich bin (...) optimistisch, dass wir innerhalb der nächsten Woche zu guten Entscheidungen mit der Bundesebene kommen", sagte Woidke in Potsdam. Der Grund für seinen Optimismus sei, dass er den Stand der internen Diskussion kenne. Der Bund hatte wegen Corona eine epidemische Notlage von nationaler Tragweite erklärt, die bis Ende November 2021 galt. POTSDAM - Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) hat den Bund vor den Beratungen der Länder zu zügiger weiterer Hilfe wegen der steigenden Energiepreise aufgefordert. (Wirtschaft, 27.09.2022 - 17:08) weiterlesen...