Transport, Verkehr

BERLIN - Vor dem mit Spannung erwarteten Krisentreffen der Bahn-Spitze mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) an diesem Dienstag werden die Forderungen nach tiefgreifenden Veränderungen bei dem Logistikkonzern immer lauter.

13.01.2019 - 15:26:23

Rufe nach tiefgreifendem Konzernumbau. Die Gewerkschaft EVG sprach sich für einen radikalen Umbau aus. Auch aus der Politik kamen Rufe nach Veränderungen.

Der "Bild am Sonntag" zufolge soll Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla als konzernübergreifender Krisenmanager bis zum Sommer die Probleme bei der Bahn in den Griff bekommen. Darauf hätten sich Lutz und der ehemalige Kanzleramtschef Pofalla geeinigt. Nach "Handelsblatt"-Informationen aus Konzernkreisen plant Lutz zudem eine Reform des Vorstands und den Komplettverkauf der Auslandstochter Arriva. Über die Arriva-Pläne hatte auch die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Die Bahn lehnte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag eine Stellungnahme zu den Berichten ab.

An diesem Dienstag müssen Bahnchef Richard Lutz und seine Vorstandskollegen der Bundesregierung Pläne für Wege aus der Krise präsentieren. Unter anderem geht es darum, die verschlechterte Pünktlichkeit zu erhöhen und mehr Verkehr auf die Schiene zu holen. Probleme bereiten nicht nur viele Verspätungen, sondern auch das kriselnde Gütergeschäft. Andererseits fährt das Unternehmen seit Jahren Rekorde bei den Fahrgastzahlen ein.

Als Weg aus dem Dilemma sieht der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie stellvertretende Bahn-Aufsichtsratschef Alexander Kirchner nur einen weitreichenden Umbau des Unternehmens: "Die DB AG wird in der heutigen Form nicht überlebensfähig sein", so Kirchner. "Nach meiner Einschätzung brauchen wir eine Bahnreform 2." Dazu gehöre, dass Fehlentwicklungen im Gesamtsystem endlich angegangen werden. "Nur Vorstände auszutauschen, reicht nicht", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es sei auch mehr Geld vom Bund als Bahn-Eigentümer nötig.

Verkehrsminister Scheuer erwartet nach Aussage eines Sprechers, dass sich die Qualität bei der Bahn "schon im laufenden Halbjahr spürbar verbessert". Es gehe vor allem um Pünktlichkeit und darum, dass ICE-Züge zu häufig in Wartungshallen seien. "Es muss sich also insgesamt für die Kunden spürbar etwas verbessern, und zwar zügig", sagte der Sprecher am Freitag. Auch der Güterverkehr sei ein großes Thema: "Wir sind in einer wirtschaftlich hervorragenden Lage. Da kann es nicht sein, dass die Sparte des Güterverkehrs bei der Bahn so stark schwächelt."

Lutz zeigte sich zuversichtlich, "dass wir im ersten Halbjahr dieses Jahres Schritt für Schritt besser werden". Mit dem Aufsichtsrat sei für 2019 ein Pünktlichkeitsziel im Fernverkehr von 76,5 Prozent vereinbart worden, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Dies wäre allerdings nur eine leichte Verbesserung.

Im vergangenen Jahr war jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn verspätet gewesen. Im Jahresdurchschnitt erreichten nur 74,9 Prozent der ICE, Intercitys und Eurocitys ihre Ziele pünktlich.

Angesichts fehlender Milliarden sind auch Anteilsverkäufe im Gespräch, um den wachsenden Finanzbedarf für mehr Züge und Personal zu decken. Dazu gehört eine mögliche Veräußerung der Auslandstochter Arriva, in der das Geschäft mit Bussen und Nahverkehrszügen im Ausland gebündelt ist.

Spekuliert wird auch immer wieder über den Verkauf der international tätigen Logistiktochter DB Schenker. Rund ein Drittel der 330 000 DB-Mitarbeiter ist inzwischen im Ausland tätig. Der Konzern ist mit knapp 20 Milliarden Euro verschuldet.

Kirchner sprach sich für eine ehrliche Analyse der Gesamtsituation aus. "Es muss klar werden, was in den zurückliegenden 25 Jahren seit der Bahnreform falsch gelaufen ist". Alle müssten bereit sein, Fehler einzugestehen. Nur so sei die Trendwende zu schaffen. "Und wir brauchen mehr Geld vom Bund, damit die Schiene ihren Beitrag zu einer ökologischen Verkehrswende leisten kann", sagte der EVG-Chef weiter.

Die bisher im Bundeshaushalt bewilligten Summen reichen laut Kirchner nicht einmal, um die vorhandene Infrastruktur zu erhalten. Der Investitionsstau betrage rund 50 Milliarden Euro.

Neue Köpfe im Vorstand lösen aus Kirchners Sicht nicht zwangsläufig die aktuellen Probleme, "wenn nicht die tiefgreifenden Probleme angegangen werden." Die Strukturen im Unternehmen müssten flacher und schlanker werden. Es gebe zu viele Hierarchien mit einem viel zu großen Wasserkopf.

Auch aus der Politik kamen klare Forderungen: "Die Deutsche Bahn muss bei Service, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit besser werden. Das erwarten zurecht Millionen Pendlerinnen und Pendler, die morgens ordentlich zur Arbeit und abends wieder nach Hause kommen wollen", so der stellvertretende SPD-Fraktionschef Sören Bartol. Verkehrsminister Scheuer müsse hier klare Vorgaben machen. Der FDP-Verkehrspolitiker Christian Jung erneuerte dagegen seine Forderung nach einem personellen Neuanfang im Bahn-Vorstand.

@ dpa.de

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