Indikatoren, Regierungen

BERLIN - Obwohl eine große Mehrheit in Deutschland Antisemitismus als Problem sieht, sind antijüdische Vorurteile einer neuen Studie zufolge sehr verbreitet.

10.05.2022 - 13:43:27

Umfrage: Antijüdische Vorurteile verbreitet - bei Muslimen stärker. Das gilt für Muslime noch mehr als für andere Bevölkerungsgruppen, wie eine Allensbach-Umfrage für das American Jewish Committee (AJC) ergab. Bei der Vorstellung am Dienstag in Berlin plädierte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, für Maßnahmen gegen Judenfeindlichkeit in Moscheen. Auch Anhänger der AfD äußern besonders häufig antijüdische Ressentiments.

Für die Studie ließ das AJC im Januar und Dezember 1025 deutschsprachige Personen ab 18 Jahren sowie 561 deutschsprachige Muslime ab 18 Jahren befragen. Demnach halten insgesamt sechs von zehn Befragten Antisemitismus in Deutschland für ein weit verbreitetes Phänomen. Knapp zwei Drittel sehen eine Zunahme in den vergangenen zehn Jahren. Unter den befragten Muslimen sahen 53 Prozent eine weite Verbreitung und etwa jeder zweite eine Zunahme.

Auf die direkte Frage, ob man Juden sympathisch findet, sagten in der für die Bevölkerung insgesamt repräsentative Gruppe 43 Prozent ja; nur sechs Prozent bekannten sich dazu, Juden unsympathisch zu finden. In der Gruppe der befragten Muslime waren die Werte 36 Prozent und 22 Prozent.

Wurde gezielt nach antijüdischen Stereotypen gefragt, fiel das Bild anders aus als bei der direkten Frage. So bejahten insgesamt 65 Prozent das Vorurteil, Juden hielten eng zusammen - bei den befragten Muslimen waren es 63 Prozent. 34 Prozent aller Befragten sagten, Juden nutzten ihren Status als Opfer des Völkermords im Zweiten Weltkrieg zum eigenen Vorteil; in der Gruppe der Muslime sagten das 54 Prozent. Der Aussage, Juden hätten zu viel Macht in der Wirtschaft, stimmten insgesamt 23 Prozent zu, unter Muslimen 49 Prozent. Insgesamt 11 Prozent bejahten die Auffassung, Juden seien für viele Wirtschaftskrisen verantwortlich - unter Muslimen 33 Prozent.

Bei antijüdischen Einstellungen von Muslimen gebe es einen Zusammenhang mit der Häufigkeit des Moscheebesuchs, sagte der Berliner AJC-Direktor Remko Leemhuis. Das sei nicht überraschend, da Hunderte Moscheen von Organisationen gesteuert würden, die staatlichen Stellen in der Türkei oder des Iran nahestünden. Der Antisemitismusbeauftragte Klein sagte: "Diese Einflussnahme von außen muss verringert werden." Das gehe am besten, indem man eine "typisch deutsche Form des Islam" entwickle. Nötig sei der gesamte "Instrumentenkasten", darunter auch die Beobachtung von Gemeinden durch den Verfassungsschutz.

Berücksichtigt man bei der Frage nach gängigen Vorurteilen die Sympathie für Parteien, so kommen AfD-Anhänger auf überdurchschnittliche Werte. So sagten 48 Prozent der Unterstützer der Rechtspartei, Juden nutzten ihren Opferstatus aus; 39 Prozent sagten, Juden hätten zu viel Macht in der Wirtschaft; 22 Prozent bejahten die Behauptung, Juden seien für viele Wirtschaftskrisen verantwortlich. Während insgesamt 48 Prozent der Befragten das Gedenken an den Holocaust als "unbedingt notwendig" erachteten, waren es unter AfD-Anhängern nur halb so viele.

@ dpa.de

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