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Regierungen, Medizintechnik

BERLIN - Nach mindestens zehn neuen Coronavirus-Nachweisen in Deutschland erwarten Experten weitere Fälle von Sars-CoV-2.

27.02.2020 - 09:30:23

Behörden suchen nach weiteren Infizierten. In mehreren Bundesländern wird intensiv nach möglichen Infizierten gesucht. "Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwochabend in Berlin. "Die Infektionsketten sind teilweise - und das ist die neue Qualität - nicht nachzuvollziehen." Er komme "immer mehr zu der Überzeugung, die Wahrscheinlichkeit, dass diese Epidemie an Deutschland vorbeigeht, wird sich nicht erfüllen und nicht ergeben", sagte der CDU-Politiker.

In Nordrhein-Westfalen, wo bis Donnerstagmorgen fünf Fälle bekannt waren, suchen die Behörden nun mit größeren Aktionen nach möglichen weiteren Infizierten. In Gangelt im Kreis Heinsberg sind die rund 300 Besucher einer Karnevalsveranstaltung aufgerufen, sich bei den Behörden zu melden. In Baden-Württemberg halten die Gesundheitsbehörden Familie, Freunde und Kollegen von vier Infizierten im Blick. Auch bei einem infizierten Soldaten, der im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt wird und am Militärflughafen Köln-Wahn stationiert ist, suchen die Behörden nach Kontaktpersonen. Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen. In den meisten Fällen verlaufen Infektionen aber mild oder ganz symptomfrei.

Die Fälle in Nordrhein-Westfalen hängen laut den Behörden zusammen. Zunächst waren Infektionen bei einem Ehepaar aus Gangelt bekanntgeworden - eine Kindergärtnerin und ihr Mann. Sie hätten nach der eigenen Infektion bis zu 14 Tage am gesellschaftlichen Leben teilgenommen, hieß es. Der Soldat vom Flughafen in Köln-Wahn hatte laut der Bundeswehr beim Karneval Kontakt zu dem schwer Erkrankten oder dessen Frau aus Gangelt.

In Baden-Württemberg war am Dienstagabend ein Nachweis bei einem Italien-Rückkehrer in Göppingen bekannt geworden. Nach Angaben der Behörden steht der Fall in Zusammenhang mit zwei Nachweisen in Tübingen. Bei einem Fall im Landkreis Rottweil war ein Mann mit seiner Familie aus einem Risikogebiet, dem Ort Codogno in der italienischen Provinz Lodi, eingereist, teilte das Gesundheitsministerium am Abend mit.

Wegen des Verdachts auf eine Covid-19-Erkrankung bei einem Reisenden war am Mittwoch ein Regionalzug von Frankfurt nach Saarbrücken vorübergehend gestoppt worden. Der Mann, der von einer Italien-Geschäftsreise zurückgekehrt war, habe Symptome festgestellt, teilte das rheinland-pfälzische Gesundheitsministeriums mit. Der im Saarland wohnende Fahrgast wurde zur weiteren Klärung in ein Krankenhaus der Region gebracht.

In Deutschland waren vor mehr als zwei Wochen insgesamt 16 Sars-CoV-2-Infektionen gemeldet geworden, die nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen geführt haben.

Aus weiteren europäischen Ländern wurden erste Fälle gemeldet, etwa aus Dänemark, Norwegen, Estland und Rumänien. In Italien, wo es mit mehr als 400 Infizierten und mindestens 12 Toten den größten Ausbruch Europas gibt, begab sich der Regionalpräsident der Lombardei, Attilio Fontana, in Quarantäne. Er habe mit einer Infizierten eng zusammengearbeitet, teilte er am Mittwochabend auf Facebook an.

Wegen der Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 in Südkorea verschieben die Streitkräfte des asiatischen Landes und der USA ihr Frühjahrsmanöver auf unbestimmte Zeit. In dem Land sind inzwischen mehr als 1500 Nachweise erfasst.

In China stieg die Zahl erfasster Infektionen auf rund 78 500, die Zahl der Toten lag in der offiziellen Statistik für Festlandchina bei 2744. Seit einer neuerlichen Änderung der Zählweise vergangene Woche hat sich der täglich berichtete Anstieg der neuen Infektionen mit dem Virus und der Todesfälle in der Statistik Chinas deutlich reduziert. Beides wird von amtlichen Stellen gerne zitiert, wenn dazu aufgerufen wird, an anderen Orten des Landes zur Normalität zurückzukehren und die Produktion wieder aufzunehmen. Experten gehen aber von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.

@ dpa.de

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