Regierungen, Nordafrika

BERLIN - Die Welthungerhilfe erwartet von der neuen Bundesregierung ein verstärktes internationales Engagement für Ernährungssicherheit und eine nachhaltige Landwirtschaft.

03.01.2022 - 06:34:25

Ernährungssicherheit in der Klimapolitik mitdenken. "Das Thema Ernährungssicherung und Hunger wird immer wieder von vielen unterschätzt. Das ist der Katalysator für die nächsten Konflikte", sagte Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Von der neuen Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP werde erwartet, dass das Thema Ernährungssicherheit auf jeden Fall weitergeführt werde. Zudem müsse der Haushalt 2022 nachgebessert werden, um das Finanzierungsniveau von 2021 zu erhalten. In der humanitären Hilfe erwartet die Welthungerhilfe, dass Nichtregierungsorganisationen stärker am Aufwuchs der Mittel im Auswärtigen Amt beteiligt werden und vorausschauende humanitäre Hilfe stärker berücksichtigt werde.

"Der Hunger ist wieder auf dem Vormarsch, Ernährungsunsicherheit nimmt weltweit zu, daher müssen wir unbedingt die Landwirtschaft stärken und mehr Investitionen in die ländlichen Räume lenken", sagte Mogge. "Wir wissen genau, was das eigentlich kostet und welche Maßnahmen am meisten bewirken. Hier gilt es, die Empfehlungen der Wissenschaftler tatsächlich umzusetzen." Idealerweise müsse Klimaschutz damit verbunden werden, dass Bauern im Süden eine nachhaltige Basis für ihre Landwirtschaft erhalten. "Dieses Zusammenspiel müssen wir besser hinbekommen", mahnte er.

Mit Sorge blickt die Organisation auf Konfliktregionen in der Welt. "Wir vermuten, dass sich die Dürre am Horn von Afrika, ganz konkret Äthiopien, Sudan, Kenia, Somalia und sogar bis nach Uganda hinein deutlich verschärfen wird", sagte Mogge. Die Lage dort werde sich eher noch verschlimmern - wegen der andauernden Dürresituation und aufgrund der Kämpfe in Äthiopien, auch wenn aktuell ein leichter Rückgang dieser Kämpfe zu beobachten sei.

Besorgniserregend ist demnach auch die Situation in Westafrika, wo die Bundeswehr und andere Staaten in Mali und Niger militärisch präsent sind. Erreicht worden sei bisher "leider relativ wenig". "Die Unsicherheit, der Krieg in der Sahelregion geht weiter. Genauso sieht es aus bei der Ausbreitung von radikalen Ideologien, auch über den Sahel hinaus. Man hört schon erste Berichte, dass die radikalen Positionen in den Küstenländern angekommen sind", sagte Mogge. "Und gleichzeitig verschärft sich die humanitäre Situation immer weiter, einerseits durch den Fortbestand der Konflikte, aber auch durch Trockenheit, durch Klimawandel und durch Covid-19."

Er forderte Lehren aus dem Einsatz in Afghanistan zu ziehen, auch wenn man diese nicht eins zu eins übertragen könne. Dazu gehöre, dass man eine gemeinsame Strategie mit der Regierung haben müsse. "Man sollte immer dem zivilen Aufbau, den zivilen Friedensbemühungen Vorrang geben. Militärische Interventionen sollten immer allerletztes Mittel sein", sagte Mogge. "Leider wird das zu selten beherzigt. Eine große Militärpräsenz führt nicht notwendigerweise zu mehr Sicherheit."

In Afghanistan werde jetzt sehr viel davon abhängen, wie sich die internationale Gemeinschaft gegenüber der Taliban-Regierung verhalte und "ob sie bereit ist, zumindest Konzessionen an die Taliban-Regierung zu machen, die eine humanitäre Versorgung der Bevölkerung einigermaßen sicherstellen", sagte Mogge. Nach dem fluchtartigen Abzug der internationalen Truppen gelte hier eine moralische Verpflichtung, dem afghanischen Volk in dieser schwierigen Zeit zur Seite zu stehen. Durch den Zusammenbruch des Bankensystems und den fortschreitenden Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems in Afghanistan sei es schwer, überhaupt noch zu helfen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Steuerzahlerbund: Staat kassiert Milliarden Euro zu viel. Das sagte sein Präsident Reiner Holznagel der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Je länger die Pauschalen und Freibeträge eingefroren bleiben, desto stärker steigt die Belastung", kritisierte er mit Blick auf die hohe Inflation. Der Staat sollte immer zum Jahreswechsel alle Pauschalen und Freibeträge prüfen und an die Preis- und Einkommensentwicklung anpassen. OSNABRÜCK - Den deutschen Bürgern entgehen nach Berechnungen des Steuerzahlerbundes Milliarden Euro wegen lange nicht erhöhter Freibeträge. (Wirtschaft, 27.01.2022 - 16:00) weiterlesen...

EU-Behörde EMA gibt grünes Licht für Covid-Pille von Pfizer. Das Mittel des US-Herstellers Pfizer könne bei Patienten eine schwere Erkrankung nach einer Corona-Infektion verhindern, teilte die EMA am Donnerstag in Amsterdam mit. Nach der Zulassung ist dies das erste Medikament gegen Covid, das oral eingenommen werden kann. Die Pille gilt als sehr effektiv. Die EU-Kommission muss der Zulassung noch zustimmen, das aber gilt als Formsache. AMSTERDAM - Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat grünes Licht gegeben für die Zulassung des Medikaments Paxlovid gegen Covid-19. (Wirtschaft, 27.01.2022 - 15:57) weiterlesen...

Bahn: 80 Prozent der von Flut zerstörten Bahngleise wieder in Betrieb. "Bei den verbleibenden 20 Prozent wird es über Jahre dauern, bis diese Infrastruktur wieder in Betrieb genommen werden kann", sagte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla am Donnerstag auf einer Konferenz zum Wettbewerb auf der Schiene. BERLIN - Von den während der Flutkatastrophe im Sommer zerstörten Bahnstrecken vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind laut der Deutschen Bahn rund 80 Prozent wieder in Betrieb. (Boerse, 27.01.2022 - 15:51) weiterlesen...

Kommunen melden Probleme bei Übermittlung von Corona-Fallzahlen. Bei der von Gesundheitsämtern genutzten Software sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) Verbesserungen erforderlich. Es gehe "neben der Behebung von aktuellen Problemen in der Software auch um Verbesserungen der Benutzerführung, damit Vorgänge einfacher und schneller bearbeitet werden können", teilte eine RKI-Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag mit. BERLIN/FRANKFURT - Seit Tagen melden Städte und Kreise Probleme bei der Übermittlung der Corona-Fallzahlen. (Wirtschaft, 27.01.2022 - 15:49) weiterlesen...

Heil rechnet mit zeitnaher Empfehlung für höhere Löhne in der Pflege. Er sei zuversichtlich, dass die für die Festsetzung der Löhne zuständige Pflege-Mindestlohnkommission "zeitnah" eine Entscheidung dazu treffen werde, sagte Heil am Donnerstag beim digitalen Pflege-Kongress des Springer Medizin Verlags. BERLIN - Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) rechnet mit einer baldigen Empfehlung für höhere Mindestlöhne in der Pflege. (Boerse, 27.01.2022 - 15:35) weiterlesen...

Erneut kein Sieger bei Präsidentenwahl in Italien - Ärger wächst. Obwohl am Donnerstag erstmals nicht mehr die Zweidrittel- sondern nur noch die absolute Mehrheit der insgesamt 1009 Stimmen nötig gewesen wäre, kam niemand auf mindestens 505 Stimmen. Damit geht es am Freitag (11.00 Uhr) in den nächsten Wahlgang auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Amtsinhaber Sergio Mattarella. ROM - Die italienischen Parlamentarier und Regionen-Vertreter haben auch am vierten Tag der Wahl zum neuen Staatspräsidenten keinen Sieger gefunden. (Wirtschaft, 27.01.2022 - 15:24) weiterlesen...