Deutschland, Volkswirtschaft

BERLIN - Die Kultusministerinnen und -minister der Länder haben ihren Kurs für offene Schulen in der Corona-Pandemie bekräftigt.

10.12.2021 - 15:11:00

KMK: Präsenzunterricht hat weiterhin höchste Priorität. Der kontinuierliche Präsenzunterricht habe für sie weiterhin höchste Priorität, um das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe zu gewährleisten, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK). Die KMK hatte am Vortag über die aktuelle Corona-Lage an den Schulen beraten. In der vergangenen Woche waren laut Daten aus den Ländern mehr als 100 000 Corona-Infektionen bei Schülerinnen und Schülern bekannt. Insgesamt gibt es rund 11 Millionen Schüler in Deutschland.

Beschlossen hat die KMK darüber hinaus auch Maßnahmen gegen den Lehrkräftemangel, gegen schwache Matheleistungen deutscher Schülerinnen und Schüler, Empfehlungen für Unterricht in der digitalen Welt und die langfristigen Sommerferientermine von 2025 bis 2030.

Schulschließungen: Die Kultusminister appellieren in ihrem Beschluss: "Das Offenhalten der Schulen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe." Nach den Schließungen im letzten und vorletzten Schuljahr müssten nun Erwachsene Verantwortung übernehmen und die verschärften Regeln im öffentlichen Leben konsequent einhalten. Berücksichtigt werden müssten bei Einschränkungen auch die damit einhergehenden psychosozialen Belastungen von Kindern, Jugendlichen und Familien. Kinder und Jugendliche erkrankten "weiterhin selten" schwer an Covid-19, heißt es weiter. In der vergangenen Woche waren laut Daten aus den Ländern mehr als 100 000 Corona-Infektionen bei Schülerinnen und Schülern bekannt. Insgesamt gibt es rund elf Millionen Schüler in Deutschland.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte den KMK-Beschluss und sagte im Sender ntv, die Politik sollte möglichst nichts ausschließen. "Angesichts neuer Virusmutationen zu sagen, wir halten Schulen offen auf Teufel komm raus, wäre der falsche Schritt." Man wolle nicht wieder in den Wechselunterricht, aber es sei nicht auszuschließen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nannte das Ziel, Bildungseinrichtungen so lange wie möglich offen zu halten, grundsätzlich richtig, kritisierte aber unzureichende Maßnahmen für den Gesundheitsschutz der Beteiligten. Es müssten umgehend Luftfilteranlagen, "eingebettet in Raum-, Lüftungs- und Hygienekonzepte, eingebaut werden", sagte die GEW-Vorsitzende Maike Finnern. Auch der Bildungsverband VBE forderte von der Politik, "alle technischen Möglichkeiten für einen bestmöglichen Infektionsschutz auszuschöpfen".

Sommerferien: Die Termine der Sommerferien bis 2024 stehen fest. Nun kann bald auch für die Jahre 2025 bis 2030 geplant werden. Die Kultusminister haben sich nach langen Diskussionen auf die Ferientermine in diesem Zeitraum geeinigt. Details will die KMK am Wochenanfang bekannt gegeben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur erstrecken sich die Sommerferien je nach Jahr über jeweils 80 bis 87 Tage, starten frühestens am 18. Juni und enden spätestens am 15. September. Beim Ferienanfang rotieren die Länder in Gruppen. Bayern und Baden-Württemberg machen dabei nicht mit und starten immer als letzte in die Ferien. Das sorgt im Norden regelmäßig für Unmut. Bayern bestätigte am Freitag, dass es im Freistaat bei der gewohnten Sommerferienregelung bleibt.

Maßnahmen gegen Lehrkräftemangel: Bei steigenden Schülerzahlen mangelt es vor allem an Lehrkräften im Sekundarbereich I - also oberhalb der Grundschule - in den Bereichen Mathe-, Chemie-, Physik- oder auch Musik. Die KMK hat nun Vorschläge vorgelegt, wie mehr junge Menschen für ein Lehramtsstudium vor allem auch in diesen Bereichen begeistert werden können. Schon in der Schule solle etwa das Interesse bei Abiturientinnen und Abiturienten durch Sommerunis, Workshops oder frühe Einblicke in den Beruf geweckt werden. Dazu soll es Imagekampagnen mit Lehramtstudierenden als Botschafter geben und Werbung, die auf die guten Einstellungschancen in dem Bereich hinweist.

Mathe besser machen: "Wir haben in Deutschland ein Mathematikproblem, dass man nicht kleinreden soll", sagte Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) am Freitag und verwies darauf, dass viele Schüler in dem Fach nicht die Mindeststandards erreichten. Die Länder legen nun nach seinen Worten ein "gewaltiges" Mathelehrer-Fortbildungsprogramm über zehn Jahre auf. Rabe rechnet mit Kosten von rund 150 Millionen Euro. Erreicht werden soll damit rund jede dritte Schule.

Digitales Lernen: Kreide, Tafel und Schwamm werden langfristig immer seltener zu sehen sein. Die KMK hat weitere Empfehlungen aufgestellt, wie der Unterricht im Digitalzeitalter verbessert werden kann. Die Länder sollen Institute beauftragen, die Konzepte dafür entwickeln. Es geht zum Beispiel um den gezielten Einsatz von digitalen Medien zur Steigerung von Motivation und Lernfreude und auch um deren Einbindung in Prüfungen. Zudem sollen neue Prüfungsformate entwickelt werden, in denen neben Fachwissen auch andere Kompetenzen geprüft werden, wie Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Devisen: Euro hält die Gewinne. Die Gemeinschaftswährung kostete im späten US-Devisenhandel 1,1344 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1348 (Donnerstag: 1,1338) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8812 Euro gekostet. Der Euro machte so vor dem Wochenende die Verluste vom Vortag fast komplett wieder wett. NEW YORK - Der Euro hat am Freitag die Gewinne zum US-Dollar gehalten. (Boerse, 21.01.2022 - 20:57) weiterlesen...

Erste Initiative für Impfpflicht ab 18 - Ringen um Omikron-Kurs. Sieben Abgeordnete aus den Koalitionsfraktionen von SPD, FDP und Grünen starteten am Freitag eine erste konkrete Initiative für eine Pflicht ab 18 Jahren, die auf mehr Schutz im Herbst und Winter zielen soll. Dafür wollen sie nach der für diesen Mittwoch geplanten Orientierungsdebatte im Parlament einen Entwurf erarbeiten. Vor Bund-Länder-Beratungen an diesem Montag wird über den Umgang mit der Omikron-Virusvariante diskutiert, die sich rasant ausbreitet. BERLIN - Inmitten einer immer größeren Infektionswelle kommt Bewegung in die Debatte um eine allgemeine Corona-Impfpflicht in Deutschland. (Boerse, 21.01.2022 - 19:27) weiterlesen...

Mindestlohn soll am 1. Oktober auf 12 Euro steigen. BERLIN - Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland soll zum 1. Oktober auf zwölf Euro steigen. 6,2 Millionen Beschäftigte sollen davon profitieren, wie aus einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Referentenentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hervorgeht. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte die zwölf Euro als Kernversprechen ins Zentrum seines Wahlkampfs für mehr Respekt in der Gesellschaft gerückt. Mehrere Medien berichteten ebenfalls über die Vorlage des Entwurfs. Mindestlohn soll am 1. Oktober auf 12 Euro steigen (Wirtschaft, 21.01.2022 - 19:24) weiterlesen...

Polnische Kredite belasten Commerzbank - Trotzdem Nettogewinn für 2021 erwartet. Die polnische Konzerntochter mBank habe Ende 2021 zusätzliche Rückstellungen in Höhe von umgerechnet rund 436 Millionen Euro vorgenommen, teilte das Frankfurter Geldhaus am Freitagabend mit. In dieser Höhe werde auch das operative Ergebnis der Commerzbank im vierten Quartal belastet. Dennoch rechnet das Management um Vorstandschef Manfred Knof für das Gesamtjahr 2021 unter dem Strich weiterhin mit schwarzen Zahlen. Die Commerzbank-Aktie geriet dennoch unter Druck, der Kurs sackte auf der Handelsplattform Tradegate in einer ersten Reaktion um mehr als drei Prozent ab. FRANKFURT - Die Commerzbank stellt sich wegen der Unsicherheit rund um Fremdwährungskredite in Polen auf eine weitere Belastung ein. (Boerse, 21.01.2022 - 18:45) weiterlesen...

Kampf gegen Gesundheitskrisen Schwerpunkt bei G7-Präsidentschaft. "Gerade in Zeiten der Pandemie wird deutlich, dass Gesundheitsfragen internationale Lösungen erfordern", erklärte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Freitag nach einer Kabinettsklausur. Es gelte, zusammen die Pandemie zu bekämpfen und Lehren daraus zu ziehen. Ziel soll unter anderem auch sein, weltweit Impfstoff zur Verfügung zu stellen. BERLIN - Ein bessere internationale Kooperation im Kampf gegen Gesundheitskrisen soll ein wichtiger Schwerpunkt in der deutschen G7-Präsidentschaft in diesem Jahr sein. (Boerse, 21.01.2022 - 18:30) weiterlesen...

Börse in Frankfurt - Erholung bei US-Technologiewerten gibt Dax Auftrieb. Der Leitindex Dax schloss mit plus 0,65 Prozent bei 15.912,33 Punkten auf seinem Tageshoch. Für den MDax der mittelgroßen Börsenwerte ging es um 0,60 Prozent auf 34.340,37 Zähler nach oben. Frankfurt/Main - Die Erholung im US-Technologiesektor hat dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag im späten Handel Schub gegeben. (Wirtschaft, 21.01.2022 - 18:22) weiterlesen...