Regierungen, Deutschland

BERLIN - Die Kultusministerinnen und -minister der Länder beraten an diesem Donnerstag über die Lage an den Schulen in der Corona-Pandemie, über Maßnahmen gegen den Lehrkräftemangel und Qualitätsverbesserungen im Matheunterricht.

09.12.2021 - 06:34:29

Kultusminister beraten über Corona, Lehrkräfte, Sommerferien. Angestrebt wird bei der Kultusministerkonferenz (KMK) auch eine Einigung über die langfristige Sommerferienplanung von 2025 bis 2030. Die Länder versuchen hier seit nunmehr zwei Jahren zu einer Lösung zu kommen. Wegen unterschiedlicher Vorstellungen bei den Ferienterminen und der Länge des sogenannten Ferienkorridors war das bisher nicht gelungen.

Über die Ergebnisse der Beratungen will die KMK-Vorsitzende, Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst, am Freitag bei einer Online-Pressekonferenz berichten. Die SPD-Politikerin gibt zum Jahreswechsel den Vorsitz an die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) ab. Die Wahl ist ebenfalls bei dieser KMK geplant.

Corona: Beim Thema Corona und Schulen dürften die Kultusminister ihre bisherige Position bekräftigen, wonach Schulen in der Pandemie möglichst nicht mehr geschlossen werden sollen. Großflächige Schließungen sind nach Änderungen am Infektionsschutzgesetz durch die neue Ampel-Regierung auch nicht mehr möglich. Lokal kommt es aber je nach Lage dazu. Nach der jüngsten KMK-Statistik für die 47. Kalenderwoche vom 22. bis 28. November war an fast 1500 von rund 28 000 Schulen der Präsenzbetrieb eingeschränkt, 140 Schulen waren geschlossen. Knapp 93 500 Corona-Fälle bei Schülerinnen und Schülern waren bekannt, darüber hinaus waren rund 152 000 von 10 Millionen Schülern in Quarantäne.

Lehrkräftemangel: Die KMK beschäftigt sich mit der jährlichen Vorausberechnung zum "Lehrkräfteeinstellungsbedarf" für die kommenden Jahre bis 2035. Die Modellrechnungen werden im Anschluss an die Konferenz veröffentlicht. Bei der Vorlage der Statistik vor einem Jahr war deutlich geworden, dass die Lage vor allem im Sekundarbereich I - also oberhalb der Grundschule - bis 2030 angespannt bleiben dürfte, weil mehrere Tausend Lehrkräfte fehlen. Gebraucht werden demnach vor allem Mathe-, Chemie-, Physik- und Musiklehrerinnen und -lehrer. In Gymnasien gibt es dagegen ein Überangebot und in Grundschulen wird mit einer Besserung ab Mitte der 20er Jahre gerechnet.

Als Hauptursachen für den Lehrkräftemangel werden höhere Geburtenzahlen und die Zuwanderung genannt. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Deutschland wird nach bereits bekannten Berechnungen der KMK in den kommenden zehn Jahren deutlich von heute 10,8 auf 11,8 Millionen ansteigen.

Maßnahmen gegen Lehrkräftemangel: Die KMK will bei ihrer Konferenz über Schritte gegen den Mangel beraten. Dabei geht es vor allem darum, wie Nachwuchs in sogenannten Mangelfächern wie Mathe und Naturwissenschaften gewonnen werden kann. Die Konferenz hatte bereits im vergangenen Jahr beschlossen, dass ein Konzept entwickelt werden solle, "wie das Bild von sogenannten Mangelfächern, insbesondere Mathematik und Naturwissenschaften, so verändert werden kann, dass mehr Abiturientinnen/Abiturienten ein Lehramtsstudium auch in einem dieser Fächer aufnehmen."

Qualität des Matheunterrichts: Verabschiedet werden soll ein Konzept für eine bessere Fortbildung von Lehrkräften und eine Verbesserung der Unterrichtsqualität im Fach Mathematik. Die letzte Pisa-Studie, die vor zwei Jahren veröffentlicht wurde, hatte gezeigt, dass jeder fünfte 15-Jährige in Mathematik und Naturwissenschaften an einfachen Aufgaben scheitert. Eine andere internationale Vergleichsstudie (Timss) hatte voriges Jahr ergeben, dass deutsche Grundschüler in Mathe insgesamt nur Durchschnitt sind und dass jeder vierte so leistungsschwach ist, dass er nach der Grundschule Probleme in dem Fach bekommen dürfte.

Sommerferien: Die Termine der Sommerferien bis 2024 stehen fest. Die Kalendereinträge danach sind noch leer. Nach zweijährigen Verhandlungen könnte die Ferienplanung von 2025 bis 2030 nun aber festgezurrt werden. Das Thema ist jedesmal ein Kampf, weil die Länder sich abstimmen müssen, wer wann mal früher und mal später in den Urlaub startet. Es wird rotiert. Die Südländer Bayern und Baden-Württemberg machen dabei aber nicht mit und beharren darauf, immer als letzte in die Ferien zu gehen. Das sorgt im Norden regelmäßig für Unmut. Zudem fordert die Tourismusbranche, dass die Ferien über eine möglichst lange Zeit gestreckt werden für eine bessere Auslastung, was von den Urlaubsländern an der Küste unterstützt wird. Berlin und Hamburg hatten sich aber zuletzt dagegen gewehrt, dass ihre Ferien vor dem 1. Juli beginnen.

@ dpa.de

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