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Regierungen, Deutschland

BERLIN - Die Inzidenz steigt, die Impfnachfrage sinkt: Kanzlerin Angela Merkel hat die Bevölkerung angesichts steigender Infektionszahlen auf eine weiterhin schwierige Zeit in der Corona-Pandemie eingestimmt.

22.07.2021 - 16:35:30

GESAMT-ROUNDUP: Weniger Impfungen, steigende Inzidenz. Gleichzeitig rief die CDU-Politikerin am Donnerstag bei ihrer voraussichtlich letzten Sommerpressekonferenz in Berlin zu stärkeren Impfbemühungen auf. Die Länder setzen zunehmend auf flexible Lösungen, um mehr Menschen zu erreichen. Das Robert Koch-Institut (RKI) dringt mit Blick auf Herbst und Winter darauf, jetzt vorbeugende Maßnahmen in verschiedenen Bereichen zu ergreifen.

Merkel sagte vor den Hauptstadtjournalisten, Deutschland habe es "mit einer deutlichen, und wie ich finde auch besorgniserregenden Dynamik" zu tun. Sie mahnte zudem: "Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein." Die Pandemie könne nur gemeinsam überwunden werden. Deswegen sollten Menschen auch im privaten Umfeld und der Arbeitswelt aktiv für Impfungen werben. Weiterhin gehe es darum, die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Die für Ende August geplante Ministerpräsidentenkonferenz zur Pandemie könnte vorgezogen werden: Sie werde sich Bitten von Regierungschefs der Länder nicht verschließen, sagte Merkel.

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit über zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Donnerstagmorgen lag sie bei 12,2 - am Vortag betrug der Wert 11,4 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9. Das geht aus Zahlen vom Donnerstagmorgen hervor (Stand Dashboard 4.11 Uhr). Das RKI fordert wegen eines als wahrscheinlich eingeschätzten Anstiegs der Corona-Fälle im Herbst und Winter in einem am Donnerstag veröffentlichten Strategiepapier vorbeugende Maßnahmen. So sollen schwere Krankheitsverläufe, Todesfälle und die Belastung für das Gesundheitswesen klein gehalten "und bevölkerungsbezogene Maßnahmen minimiert werden können", heißt es darin.

Die Länder bieten laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur nun flexibel Lösungen beim Impfen, um wieder mehr Menschen für den schützenden Piks zu gewinnen. Das Interesse an einer Impfung lässt vielerorts nach, teilweise werden Impfzentren geschlossen. Außerdem gibt es immer mehr mobile Impfteams, und Menschen können sich vielerorts auch ohne Termin eine Spritze holen. "Wenn die Menschen nicht zu den Impfungen kommen, dann müssen die Impfungen eben zu den Menschen kommen", betonte etwa Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke). "Ob eine Impfung im Fußballstadion, mobile Impfteams auf Markt- und Supermarktplätzen oder Impfungen ohne Termin in den Zentren - alle Initiativen sind willkommen", erklärte Baden-Württembergs Ressortchef Manne Lucha (Grüne).

Nach RKI-Informationen ist die Anzahl der täglich verabreichten Impfdosen in Deutschland verglichen mit dem Höchststand von 1,5 Millionen am 9. Juni gesunken. Am Dienstag wurden beispielsweise nur 572 482 Dosen gespritzt, am Mittwoch 712 894. Besonders die Impfzentren verzeichneten einen Rückgang laut dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung. Aber auch die Arztpraxen sind demnach weit vom Rekord entfernt.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält die Delta-Variante indes für deutlich gefährlicher als bisherige Mutanten des Coronavirus. "Von allem, was wir bisher wissen, müssen wir davon ausgehen, dass die Delta-Variante sowohl ansteckender als auch tödlicher ist", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). Dies hätten Auswertungen aus Kanada gezeigt. Auch Daten aus England hätten die Hoffnung, Delta wäre zwar ansteckender, aber nicht tödlicher, nicht bestätigt. Im "Kölner Stadtanzeiger" (Freitag) mahnte er, steigende Inzidenzen ernst zu nehmen. "Untersuchungen haben gezeigt, dass 10 bis 15 Prozent der Erkrankten, auch wenn sie nicht schwer erkranken, unter Langzeitschäden leiden und vielleicht nicht wieder komplett genesen, weil Herz, Nieren, Lunge und Gehirn angegriffen wurden." Das Risiko bestehe auch bei Kindern und Jugendlichen. "Wir dürfen jetzt nicht riskieren, dass eine ganze Generation mit den Folgen von Long Covid zu kämpfen hat, wenn wir sehr hohe Inzidenzen zulassen."

Unterdessen sollen nun in die Hochwassergebiete Zehntausende Corona-Impfdosen geliefert werden. Das Bundesgesundheitsministerium habe den betroffenen Ländern zusätzlichen Impfstoff angeboten, teilte eine Sprecherin am Donnerstag mit. Damit könnten niedrigschwellige Impfangebote vor Ort gemacht werden.

@ dpa.de

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