Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Regierungen, Deutschland

BERLIN / BREMEN - Trotz seit mehr als zwei Monaten geltender Lockdown-Maßnahmen bleiben die Corona-Fallzahlen hoch.

12.01.2021 - 05:58:26

Trotz Lockdown hohe Infektionszahlen - Wo passieren die Ansteckungen?. Erschreckend hoch. Gehen die Einschränkungen nicht weit genug oder halten sich zu viele Menschen nicht an die Regeln? Wo genau stecken sich die Betroffenen an? Die Suche nach Antworten gleicht Stochern im Nebel.

Für fundierte Aussagen fehlen schlicht Daten. In vielen Fällen wisse man nicht, wo Infizierte sich angesteckt haben, sagte Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen der Deutschen Presse-Agentur. "Einerseits haben wir zwar weniger Kontakte, andererseits wissen wir scheinbar aber trotzdem wenig darüber, wo es gewesen sein könnte."

Es gebe wenig große Ausbrüche. "Von Infektionsherden kann man nicht wirklich sprechen, eher von einzelnen Kerzen." In den Lageberichten des Robert Koch-Instituts (RKI) ist von einer oft diffusen Ausbreitung von Sars-CoV-2-Infektionen in der Bevölkerung die Rede, "ohne dass Infektionsketten eindeutig nachvollziehbar sind". Häufungen stünden im Zusammenhang mit Alten- und Pflegeheimen, privaten Haushalten und dem beruflichen Umfeld. Zu der hohen Inzidenz trügen aber auch viele kleinere Ausbrüche etwa in Kliniken bei.

Zeeb ist zudem unklar, wie stark die wohl ansteckendere Coronavirus-Variante B.1.1.7 in Deutschland schon verbreitet ist. Der Anteil untersuchter Proben sei viel zu gering, um Rückschlüsse darauf zu ziehen. Dass das Sinken der Neuinfektionszahlen nur sehr langsam vorankomme, könne aber ein Indiz dafür sein, dass sich das Virus an manchen Stellen verändert habe.

Kaum zu beantworten ist auch die Frage, ob Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen über Weihnachten die Zahlen auf hohem Niveau gehalten haben. Um die Feiertage herum sei weniger getestet worden, erklärte Zeeb. Daher seien die aktuellen Zahlen auch mit Vorsicht zu beurteilen. "Ich glaube, wir werden es nie ganz genau wissen." Positiv sei aber, dass es zumindest keinen rasanten Anstieg nach den Familienfesten gegeben habe.

Anders als im Lockdown im Frühjahr hätten viele große Betriebe noch offen, nennt der Epidemiologe einen weiteren Faktor. "Das führt dazu, dass viele Menschen unterwegs sein müssen." Zugleich warnte er davor, es sich zu einfach zu machen bei Ursachensuche und Argumentation - nach dem Motto: In den Firmen und Büros sind noch Leute zusammen, also wird es das schon sein.

Zumindest einen Anteil hat das Arbeitsmiteinander aber wohl schon. Die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig sagte am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will", der Arbeitsplatz sei ein Bereich, wo noch mehr Kontakte eingeschränkt werden könnten. Derzeit gebe es noch viel weniger Menschen im Homeoffice als im Frühjahr.

Wichtig sei, zu verhindern, dass sich Menschen bei der Arbeit träfen und vielleicht noch zusammen essen gingen oder im Pausenraum die Masken abnähmen. "Das sind Maßnahmen, die sind jetzt ganz, ganz wichtig", so Brinkmann. "Wir müssen wirklich noch mal richtig dolle draufhauen", appellierte die Virologin. "Und je doller und schneller wir Virusübertragungen jetzt unterbrechen können, desto besser."

Kai Nagel, Leiter des Fachgebiets Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik an der TU Berlin, sagte dem "Tagesspiegel", im Frühjahr hätten die Menschen den Lockdown praktisch vorweggenommen und die Menge ihrer Aktivitäten außer Haus um 40 Prozent reduziert, noch bevor die Regierung das anordnete. Zum Jahresende hin sei es umgekehrt gewesen: "Die Maßnahmen griffen ab Mitte Dezember, und davor gab es hektische Betriebsamkeit."

Wichtige Faktoren zur Eindämmung der Pandemie sind aus seiner Sicht das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und weniger Kontakte. "Wenn die Schulkinder wirksame Masken tragen und jeweils nur jeden zweiten Tag in die Schule kommen würden, wäre ihr Anteil an den Infektionen so gering, dass er keine Rolle mehr spielen würde", ist Nagel überzeugt. Maßnahmen wie Plexiglas-Abtrennungen am Arbeitsplatz hingegen seien wegen der Corona-Verbreitung über Aerosole wohl wenig zielführend. "Deshalb sollten Masken getragen werden, sobald mehr als eine Person im Raum ist."

Dabei tun sich gerade Behörden schwer mit dem Homeoffice. Wie der Deutsche Beamtenbund dbb in einer Befragung herausfand, konnten auf Bundesebene 67 Prozent der Beschäftigten dauerhaft ins Homeoffice wechseln, auf Landesebene nur 55 und auf kommunaler Ebene gerade einmal 37 Prozent. Das "Grundübel" sei schlechte technische Ausstattung, sagte ein Sprecher. Einige Führungskräfte wollten auch vor Ort sehen, was ihre Mitarbeiter machen. Und in manchen Fällen wie Steuerangelegenheiten sei Homeoffice wegen der Datensicherheit unmöglich.

Generell aber: mehr Homeoffice und gegebenenfalls große Teile der Wirtschaft im nächsten Schritt stoppen? Dass strenge Maßnahmen helfen, die Ausbreitung des Virus deutlich zu verringern, zeigen Beispiele wie China, wo die Regierung viel rigoroser durchgreift. Ob man das mit all den damit verbundenen Folgen wolle, müsse für jeden einzelnen Fall diskutiert werden, sagte Zeeb.

Klar sei aber, dass die Grundlagen für politische Entscheidungen verbessert werden müssten. "Wir können unsere Entscheidungen noch nicht gut begründen, auf Grundlage von Daten", so der Forscher. "Wir wissen nicht mal hinterher, was ausschlaggebend gewesen ist." Weil die Pandemie noch Monate anhalten werde, sei es wichtig, gemeinsam festzuzurren, welche Daten man erheben wolle und wie diese intelligent interpretiert werden können. Das laufe bisher viel zu lückenhaft und uneinheitlich, so Zeeb. "Positiv formuliert: Da ist noch zu viel Vielfalt im System."

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Brasilien erteilt Sinovac und AstraZeneca Notfallzulassung. Fünf Direktoren stimmten in einer live übertragenen, fünf Stunden dauernden Sitzung am Sonntag geschlossen dafür. BRASÍLIA - Die Nationale Behörde für Gesundheitsüberwachung in Brasilien, Anvisa, hat den Corona-Impfstoffen von Sinovac und Astrazeneca jeweils eine Notfallzulassung erteilt. (Boerse, 17.01.2021 - 20:03) weiterlesen...

Kremlgegner Nawalny nach Landung in Moskau festgenommen. Der 44-Jährige sei an der Passkontrolle abgeführt worden, meldete der Telegram-Kanal des Oppositionellen am Sonntag. Russlands Strafvollzug hatte ihn zur Fahndung ausgeschrieben, weil er während seines Aufenthaltes in Deutschland gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben soll. MOSKAU - Der Kremlgegner Alexej Nawalny ist nach seiner Landung in Moskau noch am Flughafen festgenommen worden. (Wirtschaft, 17.01.2021 - 19:38) weiterlesen...

Rund 14 000 neue Corona-Infektionen in Deutschland. Am Sonntag sind die vom RKI bekannt gegebenen Zahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Am Vortag hatte das RKI von 18 678 Neuinfektionen berichtet, am Sonntag vergangener Woche von 16 946. BERLIN - Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 13 882 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. (Boerse, 17.01.2021 - 18:59) weiterlesen...

Strengere Test-Pflichten auch für Einreisen aus Brasilien. Wie aus einer am Sonntagabend aktualisierten Übersicht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht, gilt Brasilien von diesem Dienstag an als ein Gebiet, in dem neue Virus-Varianten mit wohl besonderen Risiken kursieren. Wer in den letzten zehn Tagen vor der Einreise in einem solchen Gebiet war, muss schon vor der Einreise ein negatives Corona-Testergebnis haben und es auch der Fluggesellschaft vorlegen können. Als solche Gebiete gelten bisher schon Großbritannien, Irland und Südafrika. BERLIN - Auch für Einreisen aus Brasilien gelten in Deutschland bald besonders strenge Corona-Testpflichten. (Wirtschaft, 17.01.2021 - 18:56) weiterlesen...

Kremlgegner Nawalny wieder in Moskau. Die russischen Behörden leiteten den Flug am Sonntag aber überraschend um und ließen die Maschine aus Berlin auf dem Hauptstadt-Airport Scheremetjewo landen. Das Flugzeug hätte laut Plan auf dem Flughafen Wnukowo ankommen sollen, wo sich Hunderte Unterstützer des Oppositionspolitikers versammelt hatten. Viele wurden festgenommen, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Der Oppositionelle Ilja Jaschin kritisierte die Flugumleitung und die Festnahmen als "hysterische Reaktion" des Machtapparats. MOSKAU - Fünf Monate nach seiner Vergiftung in Sibirien ist der Kremlkritiker Alexej Nawalny wieder nach Russland zurückgekehrt. (Wirtschaft, 17.01.2021 - 18:55) weiterlesen...

Mehrere Festnahmen auf Moskauer Flughafen vor Nawalnys Ankunft. Es gab mehrere Festnahmen, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag aus dem Terminal berichtete. Unter den Festgenommenen waren auch Nawalnys engste Mitarbeiterin, die Juristin Ljubow Sobol, sowie weitere Aktivisten. Uniformierte drängten Menschen zurück, die den 44-jährigen Oppositionspolitiker empfangen wollten. Die auf Anti-Terror-Einsätze spezialisierte Sonderpolizei OMON hatte mit mehreren Gefangenentransportern Stellung bezogen. MOSKAU - Russische Sicherheitskräfte sind auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo massiv gegen Unterstützer des Kremlgegners Alexej Nawalny vorgegangen. (Wirtschaft, 17.01.2021 - 18:47) weiterlesen...