Einzelhandel, Maschinenbau

BERLIN - Azubi dringend gesucht - das melden immer mehr Betriebe in Deutschland.

18.08.2022 - 15:05:28

Azubis dringend gesucht - DIHK sieht verschärfte Lage. Aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt noch einmal verschärft. Noch nie sei es für Betriebe schwieriger gewesen, geeignete Azubis zu finden.

"Die Bewerbersituation spitzt sich zu", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks am Donnerstag in Berlin. Das könne man beschreiben mit dem Satz: "Ausbildungsplatz sucht Azubi." Der DIHK sprach von alarmierenden Ergebnissen einer Erhebung unter bundesweit rund 15 000 Ausbildungsbetrieben. Mehr als vier von zehn IHK-Ausbildungsbetrieben hätten im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen können. Dies sei ein Allzeithoch.

Von diesen Unternehmen habe mehr als jedes dritte keine einzige Bewerbung erhalten. Durch Corona-bedingte Einschränkungen seien Berufsorientierung, Berufsberatung und Ausbildungsplatzsuche weiterhin erheblich erschwert. Dazu komme die demografische Entwicklung: immer mehr ältere Arbeitnehmer scheiden aus dem Erwerbsleben aus, immer weniger jüngere kommen nach.

Zwar liegt laut DIHK zum Start des Ausbildungsjahres die Zahl der Ausbildungsverträge im Plus. Genaue Zahlen wollte Dercks nicht nennen. Man sei aber immer noch in einem "tiefen Tal" und liege um 15 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Notwendig seien aber deutliche Zuwächse, um dem Fachkräftemangel entgegenwirken zu können.

Die Lücke bei den Azubis führt laut Dercks dazu, dass Unternehmen ihre Angebote oder Öffnungszeiten verringern müssten und weniger Aufträge annehmen könnten. Er sprach sich dafür aus, dass im Zuge einer Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes auch Möglichkeiten der Zuwanderung zur Ausbildung erleichtert werden. Bisher sei dies nur sehr eingeschränkt möglich.

Um Auszubildende zu bekommen, setzt laut Umfrage mehr als jedes zweite Unternehmen auf flache Hierarchien, Motto: "Team-Mitglied" statt "Lehrling". Jede zweite Firma hat die IT-Ausstattung der Azubis verbessert, und mehr als jedes dritte Unternehmen setzt auf finanzielle Anreize. Dahinter verbergen sich laut DIHK "Goodies" wie Beihilfen für Unterkünfte oder Mobilität.

Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit von Juli ist die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber im Jahresvergleich weiter leicht zurückgegangen, während die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen deutlich gestiegen ist. Der Ausbildungsmarkt entwickle sich zunehmend zu einem Bewerberinnen- und Bewerbermarkt.

Den größten Zuwachs an Stellenmeldungen im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe, bei denen die Rückgänge aufgrund der Pandemiemaßnahmen mit am größten ausgefallen waren. Die Anteile unbesetzter Ausbildungsstellen sei besonders hoch in Bauberufen, in Handel und Verkauf sowie Lebensmittelberufen - also etwa Bäcker oder Fleischer. Dazu kämen Metallberufe, Hotel- und Gaststättenberufe oder Berufskraftfahrer.

Im Gastgewerbe lag die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten, unbesetzten Ausbildungsstellen im Juli 2022 sechs Prozent höher als im bereits sehr schwierigen Jahr 2021, wie Sandra Warden berichtete, Geschäftsführerin im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Die Betriebe hätten 7,6 Prozent mehr Ausbildungsplätze gemeldet. Die Branche tue sehr viel dafür, die Ausbildung zu stärken. Dazu gehörten Nachwuchskampagnen: "Das reicht von Aktionen wie Castingshows über geldwerte Vorteile und tolle Incentives bis hin zur Unterstützung bei der Wohnungssuche."

In der Baubranche gibt es seit 2019 eine Nachwuchskampagne mit dem Slogan: "Bau Dein Ding", wie eine Sprecherin der Bauindustrie sagte. In der Branche liege das Durchschnittsalter bei 55 plus. Deswegen stellten die Unternehmen verstärkt ein.

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte: "Von einem Mangel an ausbildungsinteressierten jungen Menschen kann keine Rede sein. Seit Jahren schaffen nur etwa zwei Drittel der Interessierten den Sprung in die Ausbildung." Im vergangenen Jahr seien rund 230 000 junge Menschen in Maßnahmen des Übergangsbereichs hängen geblieben, was keine Aussicht auf einen Berufsabschluss biete. "Dazu kommen 2,3 Millionen junge Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren, die keinen Berufsabschluss haben. Die Potenziale zur Besetzung von Ausbildungsstellen und zur Bekämpfung des Fachkräftemangels sind da. Sie müssen von den Betrieben aber auch genutzt werden."

Die Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, Gitta Connemann, sagte: "Es muss in Schulen verpflichtend sein, eine Praxiswoche in Handwerks- und Industriebetrieben durchzuführen, um die Schülerinnen und Schüler für diesen Teil der Berufswelt zu begeistern. Deutschland braucht nicht nur Master, sondern auch Meister."

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Tiefkühlproduzent Ardo ruft Blattspinat zurück. Betroffen seien ausschließlich 500-Gramm-Produkte mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) Juni 2024, der Produktionscharge 142174 und der EAN-Artikelnummer 4337256041294, teilte das Unternehmen in Ratingen am Dienstag mit. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich in einzelnen Verpackungen Rahmspinat befindet, welches das nicht deklarierte Allergen Milch enthält." Personen, die gegen Kuhmilch allergisch seien, sollten den Spinat mit dem betroffenen MHD nicht verzehren. RATINGEN - Der Tiefkühlhersteller Ardo hat für das Produkt "Rewe Beste Wahl, Blattspinat portioniert" einen begrenzten Rückruf gestartet. (Boerse, 27.09.2022 - 18:45) weiterlesen...

XXXLutz übernimmt Hälfte der Braun Möbel-Center-Gruppe. Die Partnerschaft stärke die Marktposition und sichere die Arbeitsplätze, teilte XXXLutz am Dienstag in Würzburg mit. Der Vertrag sei unterzeichnet, die Zustimmung des Kartellamts stehe noch aus. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. WÜRZBURG/REUTLINGEN - Der österreichische Möbelhaus-Konzern XXXLutz expandiert weiter in Deutschland und übernimmt 50 Prozent der Reutlinger Braun Möbel-Center-Gruppe mit mehr als 1000 Mitarbeitern. (Boerse, 27.09.2022 - 15:35) weiterlesen...

WDH: Erneuter Streik am größten britischen Containerhafen (Wiederholung: Im 2. (Boerse, 27.09.2022 - 15:23) weiterlesen...

Erneuter Streik am größten britischen Containerhafen. Die Gewerkschaft Unite hatte im Kampf um höhere Löhne seit dem Morgen am walisischen Hafen Felixstowe zum Streik aufgerufen. Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich rund 1900 Mitglieder. Sie fordern ein Gehaltsplus von zehn Prozent und lehnen das bisherige Angebot der Arbeitgeber - sieben Prozent und eine Einmalzahlung von 500 Pfund (rund 560 Euro) mit der Begründung ab, dies sei angesichts der explodierenden Inflation immer noch ein Reallohnverlust. FELIXSTOWE - Am größten Containerhafen Großbritanniens haben große Teile der Belegschaft am Dienstag erneut die Arbeit niedergelegt. (Boerse, 27.09.2022 - 14:48) weiterlesen...

Schwarz-Gruppe will Erfurter Teigwaren übernehmen. Vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamtes übernimmt die Schwarz Produktion die Erfurter Teigwaren GmbH, wie das Unternehmen am Dienstag auf Nachfrage mitteilte. Schwarz Produktion erwirbt den Nudelproduzenten nach eigenen Angaben von dem bisherigen Eigentümer, der Hamburger Beteiligungsgesellschaft Lampe Privatinvest. Zuvor hatte MDR Thüringen darüber berichtet. ERFURT/HAMBURG - Die Nudelfabrik in Erfurt wird künftig für die Handelsketten Lidl und Kaufland produzieren. (Boerse, 27.09.2022 - 12:40) weiterlesen...

ANALYSE-FLASH: Barclays senkt Kering auf 'Equal Weight' und Ziel auf 555 Euro. Das Kursziel für den Luxusgüterkonzern senkte Analystin Carole Madjo in einer am Dienstag vorliegenden Studie von 800 auf 555 Euro. Sie sei überrascht von der Schwäche, die die Kernmarke Gucci in China erlebe. Außerdem sei Kering wegen des Geschäftsprofils anfälliger für eine konjunkturelle Abkühlung. LONDON - Die britische Investmentbank Barclays hat Kering wegen neuer Erkenntnisse zu den Perspektiven in China von "Overweight" auf "Equal Weight" abgestuft. (Boerse, 27.09.2022 - 07:38) weiterlesen...