Luftverkehr, Tarife

Beim Billigflieger Ryanair revoltieren die Piloten gegen schlechte Arbeitsbedingungen.

12.12.2017 - 13:27:25

Europaweite Aktion - Ryanair-Piloten wollen streiken - Airline lehnt Gespräche ab. Die passagierstärkste Airline Europas lehnt bislang Verhandlungen mit Gewerkschaften ab, so dass es zu harten Streiks kommen könnte.

Frankfurt/Main - Beim irischen Billigflieger Ryanair könnte es zu europaweit koordinierten Pilotenstreiks kommen. Für die zehn deutschen Basen der Fluggesellschaft kündigte die Vereinigung Cockpit (VC) Arbeitskämpfe an, ohne genaue Termine zu nennen.

Zuvor hatten bereits Gewerkschaften in Portugal und Italien zu Arbeitskämpfen aufgerufen. Die Italiener wollen am Freitag für vier Stunden die Arbeit niederlegen. An der Basis Dublin haben sich irische Piloten per Urabstimmung für einen Streik ausgesprochen.

Zu den geplanten Ausständen in Deutschland hielt sich VC zunächst bedeckt, um der Fluggesellschaft Gegenmaßnahmen zu erschweren. Über die Weihnachtstage soll aber vom 23. Dezember nachmittags bis einschließlich 26. Dezember nicht gestreikt werden. Es könne sämtliche Basen in Deutschland treffen, hieß es. Es blieb auch unklar, ob nur angestellte Piloten zu Arbeitskämpfen aufgerufen oder auch die Vertragspiloten einbezogen werden.

Ryanair lehnt Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) trotz Streikandrohung kategorisch ab. Das ließ die Fluggesellschaft auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur wissen. VC hatte zuvor mitgeteilt, bei Ryanair sei ab sofort mit Streikmaßnahmen zu rechnen, um marktgerechte Arbeits- und Vergütungsbedingungen zu erzwingen.

«Ryanair hat keine Mitteilung über Arbeitskampfmaßnahmen deutscher Piloten erhalten», hieß es in einem Statement der Billig-Airline. Man gehe daher davon aus, dass es sich um reine Öffentlichkeitsarbeit der Pilotenvereinigung handle. Wenn es zu Streiks kommen sollte, werde man sich damit «frontal» auseinandersetzen. In keinem Fall aber werde man mit VC verhandeln oder die Gewerkschaft anerkennen.

Die Gewerkschaften werfen Ryanair vor, den europaweiten Flugbetrieb mit unsozialen Arbeitsbedingungen für die inzwischen rund 4000 Piloten zu organisieren. So gebe es keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine verbindlichen Dienstpläne, keine Altersvorsorge und ein weit verbreitetes System von scheinselbstständigen Piloten, kritisierte VC-Präsident Ilja Schulz. Gerade junge Piloten werden laut VC nicht direkt bei Ryanair eingestellt, sondern angehalten, eigene Mini-Gesellschaften nach britischem oder irischem Recht zu gründen.

Die VC will nach eigenen Angaben Tarifverhandlungen zur Regelung von marktgerechten Arbeits- und Vergütungsbedingungen erzwingen. Sie könne nur Verträge für die rund 400 in Deutschland stationierten Ryanair-Piloten abschließen. Man koordiniere sich mit den anderen Gewerkschaften sehr eng, schilderte die Ryanair-Kapitänin und Sprecherin der VC-Tarifkommission, Tina Hausmann. Zu den jeweiligen nationalen Tarifverträgen strebe man ein übergeordnetes Bezahlungssystem für alle Ryanair-Piloten an.

Als marktgerecht sieht die VC insbesondere die Bedingungen bei der deutschen TUIfly an, die wie Ryanair eine Flotte von Boeing B 737-Flugzeugen betreibt. Bei Tuifly seien zum einen die Arbeitsbedingungen klar definiert, zum anderen liege die Vergütung etwa 30 Prozent über dem Niveau der Ryanair, erläuterte Schulz.

In Kooperation mit anderen europäischen Pilotengewerkschaften will die VC aktuelle Personalprobleme der Iren ausnutzen, die aus Pilotenmangel bereits rund 20 000 Flüge im Winterflugplan streichen mussten. Laut VC verlassen Piloten in großer Zahl die Ryanair, um bei anderen Gesellschaften anzuheuern. Es gebe bereits in Irland, Portugal, Spanien, Italien, Niederlanden, Schweden und Deutschland öffentlich bekanntgemachte Tarifkommissionen.

«Wie sollten Ryanair-Piloten systematisches Sozialdumping anders durchbrechen, als mit gewerkschaftlichen Mitteln? Und wenn nicht jetzt, wann sonst gibt es eine realistische Chance, damit erfolgreich zu beginnen?», fragte der VC-Tarifexperte Ingolf Schumacher. «Der Streik dauert so lange, bis in diesem Unternehmen Tarifverträge erreicht sind», ergänzte VC-Chef Schulz.

Zuvor hatte die VC den Piloten geholfen, eine erste Tarifkommission zu gründen. Sie werden vom hauptamtlichen VC-Tarifexperten Schumacher unterstützt, der bereits den harten Konflikt bei der Lufthansa mit 14 Streikrunden ausgefochten hat.

«Die Piloten haben es satt, sich so behandeln zu lassen. An dem Willkür-System muss sich etwas ändern», sagte VC-Chef Schulz. Die lokalen Ausschüsse an den Ryanair-Basen seien nicht von den Piloten gewählt worden und besäßen keine Verhandlungsmacht. Tarifverträge könnten nur mit den zuständigen Gewerkschaften abgeschlossen werden: «Wir sind in Deutschland die Ryanair-Gewerkschaft und wir sind stolz drauf.»

Auch die deutsche Kabinengewerkschaft Ufo will mit Ryanair über einen nationalen Tarifvertrag für die in Deutschland stationierten Flugbegleiter verhandeln und wirbt dafür in der Belegschaft um Mitglieder. Eine Kooperation zwischen den beiden Gewerkschaften gibt es aber bislang nicht.

@ dpa.de

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