Arbeitsschutz, Regeln

Arbeitsschutz: Neue Regeln für Sicherheitsfachkräfte ab Mai

03.06.2026 - 12:04:02 | boerse-global.de

Ab Ende Mai 2025 gelten neue Vorschriften für Sicherheitsfachkräfte. Die Rolle der vEFK rückt in den Fokus, während digitale Schulungstools boomen.

Arbeitsschutz: Neue Regeln für Sicherheitsfachkräfte ab Mai - Bild: über boerse-global.de
Arbeitsschutz: Neue Regeln für Sicherheitsfachkräfte ab Mai - Bild: über boerse-global.de

Seit Ende Mai gilt eine Reform des Sozialgesetzbuchs, die die Bestellung von Sicherheitsfachkräften neu regelt. Parallel dazu rückt die Rolle der Verantwortlichen Elektrofachkraft (vEFK) wieder stärker in den Fokus.

Weniger Bürokratie, mehr Verantwortung

Die Änderung des §22 SGB VII trat am 29. Mai 2026 in Kraft – mit klaren Konsequenzen für Betriebe. Unternehmen mit 20 bis 49 Beschäftigten müssen künftig keine Sicherheitsbeauftragten mehr bestellen, es sei denn, es liegen besondere Gefahren vor. Anders sieht es bei mittelgroßen Firmen aus: Wer zwischen 50 und 250 Mitarbeiter beschäftigt, ist nun verpflichtet, mindestens eine Sicherheitsfachkraft zu ernennen.

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Das klingt nach Entlastung, doch die eigentliche Herausforderung liegt woanders. Denn die vEFK bleibt das zentrale Element der technischen Sicherheit – unabhängig von der Betriebsgröße. Ihre Bestellung ist schriftlich durch den Arbeitgeber vorzunehmen und umfasst die gesamte organisatorische Verantwortung für elektrotechnische Arbeiten.

Was die vEFK leisten muss

Die Aufgaben sind klar definiert, aber anspruchsvoll. Die vEFK muss sicherstellen, dass alle Mitarbeiter die Qualifikationsanforderungen nach DGUV 209-093 erfüllen. Dazu gehören:

  • Jährliche und dreijährige Schulungsintervalle
  • Umfassende Gefährdungsbeurteilungen
  • Kontrolle der Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen

Der Unterschied zur Fachkraft für Hochspannung (FHV) ist entscheidend: Während die FHV operative Aufgaben an Hochspannungsanlagen übernimmt, trägt die vEFK die übergeordnete Organisationsverantwortung.

Die Zahlen des Bundesinstituts für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigen, warum diese Standards so wichtig sind. Zwischen 2000 und 2015 starben in Deutschland jährlich 36 bis 100 Menschen durch Stromunfälle. Rund 90 Prozent dieser Vorfälle betrafen Niederspannung (50-1000V Wechselspannung), nur zehn Prozent ereigneten sich im Hochspannungsbereich. Die Behörden warnen: Gefahren bestehen bereits ab 25V Wechsel- oder 60V Gleichspannung, wenn bestimmte Stromschwellen überschritten werden.

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Digitale Lösungen für die Schulungspflicht

Die Pflicht zu jährlichen Sicherheitsunterweisungen treibt neue Angebote hervor. Die DEKRA Akademie startet ab dem 8. Juni 2026 eine Serie von Unterweisungen für Elektrofachkräfte – mit Fokus auf die DIN VDE 0105 und grundlegende Sicherheitsregeln. Für die Metallbranche gibt es ein Spezialangebot: Vom 14. bis 25. September 2026 findet in Schweinfurt ein Qualifikationskurs für „Elektrofachkräfte für festgelegte Tätigkeiten“ statt.

Auch die Verwaltung dieser Schulungszyklen wird digitaler. Der Softwareanbieter KIWIS & BROWNIES hat ein neues Management-Tool vorgestellt, das Fristen automatisch überwacht und Unterweisungen dokumentiert. Das System setzt auf QR-codierte Zertifikate – ein klarer Trend zur Digitalisierung des Arbeitsschutzes.

Branche trotzt Gegenwind

Die wirtschaftliche Lage der Elektrobranche bleibt angespannt, aber stabil. Auf der ZVEH-Jahrestagung in Warnemünde (27. bis 29. Mai 2026) präsentierten die Verbandsspitze aktuelle Zahlen: Der Umsatz im Elektrohandwerk sank 2025 um 0,3 Prozent, für 2026 wird jedoch ein leichtes Wachstum von 0,8 Prozent erwartet.

ZVEH-Präsident Stefan Ehinger betonte die Fähigkeit der Branche, die Energiewende schnell und qualitativ hochwertig umzusetzen – trotz des Fachkräftemangels und eines Rückgangs der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 1,2 Prozent im Vorjahr.

Ein Höhepunkt der Tagung war die Verleihung der E-Markenpartner-Awards 2026. OBO Bettermann gewann in der Industriekategorie, Elektro Braun im Großhandelssegment. Die „E-Familie“ umfasst inzwischen über 8.500 teilnehmende Betriebe. Die nächste Preisverleihung findet am 20. Mai 2027 in Leipzig statt.

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