Arbeitsmarkt: Offene Stellen fallen auf 1,15 Millionen
09.06.2026 - 12:31:37 | boerse-global.de
Während die Produktion im April leicht zulegte, brechen die Auftragseingänge ein. Parallel dazu sinkt die Zahl der offenen Stellen.
Auftragseinbruch in der Kernindustrie
Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe sanken im April um 3,8 Prozent zum Vormonat. Analysten hatten nur mit einem Minus von 2,2 Prozent gerechnet. Besonders hart traf es den Maschinenbau mit einem Rückgang von 7,4 Prozent. Die Automobilindustrie verzeichnete ein Minus von 5,3 Prozent.
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Noch dramatischer fiel der Einbruch bei elektrischen Ausrüstungen aus: Hier gingen die Bestellungen um 16,3 Prozent zurück. Die Auslandsnachfrage sank insgesamt um 4,2 Prozent. Aufträge aus der Eurozone brachen sogar um 11,1 Prozent ein.
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, sieht die geopolitischen Spannungen als Ursache. „Der Krieg im Nahen Osten fordert seinen Tribut", so Krämer. Das Wirtschaftsministerium verweist zudem auf vorgezogene Bestellungen im März – ausgelöst durch die Sperrung der Straße von Hormus.
Arbeitsmarkt zeigt erste Bremsspuren
Die schwächelnde Auftragslage schlägt auf die Personalplanung durch. Das IAB zählte im ersten Quartal 1,15 Millionen offene Stellen. Das sind rund 105.800 weniger als im vierten Quartal 2025.
„Die Nachfrage nach Arbeitskräften stagniert auf niedrigem Niveau", sagt IAB-Forscher Alexander Kubis. Ein strukturelles Problem bleibt der Mismatch: Nur 24 Prozent der Stellen erfordern keinen Berufsabschluss. Doch 48 Prozent der 2,23 Millionen Arbeitssuchenden haben keine abgeschlossene Ausbildung. Rein rechnerisch kommen 264 Arbeitslose auf 100 offene Stellen.
Industrie baut langfristig Stellen ab
Eine EY-Analyse zeigt den tiefgreifenden Strukturwandel. Im ersten Quartal 2026 sank die Beschäftigtenzahl in der Industrie um 127.300 Stellen – ein Minus von 2,3 Prozent zum Vorjahr. Seit 2019 verlor die Branche insgesamt rund 341.500 Arbeitsplätze.
Die Automobilindustrie traf es am härtesten: 125.800 Stellen gingen seit 2019 verloren. Die Textilindustrie verzeichnete einen Rückgang um 22 Prozent. Positive Ausnahmen: Chemie und Pharma legten um drei Prozent zu, die Elektroindustrie um zwei Prozent.
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Produktion trotzt dem Trend
Die Produktion im produzierenden Gewerbe stieg im April um 0,4 Prozent. Das Baugewerbe legte um 2,4 Prozent zu, die chemische Industrie um 2,1 Prozent. Der preisbereinigte Umsatz im verarbeitenden Gewerbe kletterte minimal um 0,1 Prozent.
Dennoch bleibt die Stimmung angespannt. Laut DIHK erwartet jeder dritte Industriebetrieb eine weitere Verschlechterung. Sebastian Dullien vom IMK sieht die kommenden Monate als „herausfordernd". Eine nachhaltige Erholung hält er erst bei sinkenden Energiepreisen für wahrscheinlich. Analysten der Deutschen Bank Research schließen eine Rezession im Sommer nicht aus.
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