Indikatoren, Türkei

ANKARA - Die Inflation in der Türkei gerät zunehmend außer Kontrolle: Im Dezember sprang die Inflationsrate über die Marke von 30 Prozent und erreicht im Jahresvergleich bei 36,08 Prozent den höchsten Stand seit rund zwei Jahrzehnten, wie das türkische Statistikamt am Montag in Ankara mitteilte.

03.01.2022 - 11:01:59

Türkische Inflationsrate springt auf mehr als 30 Prozent - Lira unter Druck. Analysten wurden von der Stärke des Preisanstiegs überrascht. Sie hatten mit gut 27 Prozent gerechnet.

Seit dem Sommer hat sich die Rate mehr als verdoppelt. Getrieben wurde der Anstieg der Kosten für die Lebenshaltung zuletzt auch durch höhere Lebensmittelpreise. Allein von November auf Dezember betrug die Teuerungsrate 13,6 Prozent.

Die Erzeugerpreise legten im Dezember sogar um 79,89 Prozent im Jahresvergleich zu. Die Preise, die Produzenten für ihre Waren verlangen, dürften mit einiger Verzögerung zumindest teilweise auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Am Devisenmarkt geriet die türkische Lira am Montag erneut unter Druck.

Der mit der Inflation einhergehende rasante Kursverfall der türkischen Lira verteuert die Einfuhren von Gütern in das Land. Hinzu kommen vergleichsweise hohe Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt. Das Land steckt auch deshalb in einer wirtschaftlich schwierigen Lage, die sich in hoher Arbeitslosigkeit niederschlägt.

Die Türken müssen zu Jahresbeginn zudem einen deutlichen Anstieg der Energiepreise verkraften. Die Strompreise für Haushalte stiegen im neuen Jahr um rund 50 Prozent, die für verbrauchsstarke Unternehmen sogar um mehr als 100 Prozent. Auch die Preise für Gas zogen deutlich an.

Verschlimmert wird die Lage seit Monaten durch die türkische Zentralbank, die unter dem Druck des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan trotz der hohen Inflation den Leitzins zuletzt immer weiter senkte. Eigentlich stemmen sich Notenbanker mit höheren Leitzinsen gegen eine galoppierende Inflation. Erdogan ist allerdings entgegen der volkswirtschaftlichen Lehre der Ansicht, hohe Zinsen förderten die Inflation.

Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu kritisierte Erdogan erneut scharf. Das "Wirtschaftsgenie" im Präsidentenpalast habe alles vermasselt, was es angefasst habe, schrieb er auf Twitter. Die Opposition zweifelt die offiziellen Inflationszahlen seit längerem an und geht von einer noch wesentlich höheren Teuerungsrate aus.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

USA: Michigan-Konsumklima sinkt auf den niedrigsten Stand seit gut 10 Jahren. Der von der Universität Michigan erhobene Index für die Verbraucherstimmung fiel im Vergleich zum Vormonat um 3,4 Punkte auf 67,2 Punkte, wie die Universität am Freitag nach einer zweiten Schätzung mitteilte. In einer ersten Erhebung waren noch 68,8 Punkte ermittelt worden. Noch niedriger lag der Indikator zuletzt im November 2011. MICHIGAN - In den USA ist das Konsumklima im Januar auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren gefallen. (Wirtschaft, 28.01.2022 - 16:21) weiterlesen...

USA: Konsumausgaben gehen zurück - Preisauftrieb verstärkt sich. Die Konsumausgaben sanken im Dezember gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent, wie das Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Analysten hatten mit der Entwicklung gerechnet. Die privaten Einnahmen legten dagegen um 0,3 Prozent zu. WASHINGTON - Die Konsumausgaben der US-Verbraucher sind zum Jahresende gefallen, während ihre Einkommen moderat zulegten. (Wirtschaft, 28.01.2022 - 15:09) weiterlesen...

USA: Arbeitskosten steigen weniger als erwartet. Der entsprechende Index legte im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1,0 Prozent zu, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg um 1,2 Prozent gerechnet. Im dritten Quartal hatte der Zuwachs bei 1,3 Prozent gelegen. WASHINGTON - In den USA sind die Arbeitskosten im Herbst weniger als erwartet gestiegen. (Wirtschaft, 28.01.2022 - 14:46) weiterlesen...

Exporte nach Großbritannien nach endgültigem Bruch mit EU gesunken. Nach ersten vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 65,4 Milliarden Euro in das Land geliefert. Das waren 2,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Corona-Krisenjahr 2020 waren die Ausfuhren "Made in Germany" nach Großbritannien um 15,3 Prozent eingebrochen. WIESBADEN - Ein Jahr nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) sind die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich gegen den allgemeinen Trend weiter gesunken. (Wirtschaft, 28.01.2022 - 11:14) weiterlesen...

Trotz Rekordzahlen: Angst vor Corona geht zurück. Nach dem am Freitag veröffentlichen ZDF-"Politbarometer" halten zwar 70 Prozent der Befragten "Corona und die Folgen" weiter für das wichtigste Problem, allerdings sehen jetzt nur noch 42 Prozent ihre Gesundheit durch das Virus gefährdet. Vor zwei Wochen waren es noch 53 Prozent. Inzwischen wird aus Sicht vieler Experten immer klarer, dass eine Infektion mit der hochansteckenden Omikron-Variante in vielen Fällen einen eher milden Krankheitsverlauf auslöst. BERLIN - Trotz der rasant steigenden Infektionszahlen ist einer Umfrage zufolge die Angst vor dem Coronavirus in Deutschland deutlich zurückgegangen. (Boerse, 28.01.2022 - 11:13) weiterlesen...

Eurozone: Wirtschaftsstimmung trübt sich überraschend ein. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) fiel gegenüber dem Vormonat um 1,1 Punkte auf 112,7 Punkte, wie die Europäische Kommission am Freitag in Brüssel mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 114,5 Punkten gerechnet. BRÜSSEL - Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im Januar überraschend eingetrübt. (Wirtschaft, 28.01.2022 - 11:03) weiterlesen...