Angriff, Bahnhof

Zwei Mädchen treten auf eine 14-Jährige ein.

18.01.2023 - 20:30:28

Mädchen prügeln am Bahnhof auf 14-Jährige ein. Die Tat wird gefilmt. Die Polizei ermittelt, nachdem das Video im Netz auftaucht. Für die Beamten sind alle drei keine Unbekannten.

Zu sehen ist in einem Video ein Mädchen auf einem Bahnsteig, das zusammengekrümmt am Boden liegt. Zwei andere Mädchen schlagen zu. Zu hören ist das Geräusch der Schläge und Tritte gegen den Körper.

Die Polizei ermittelt nach dem Angriff auf die 14-Jährige in der baden-württembergischen Stadt Rastatt wegen gefährlicher Körperverletzung gegen die mutmaßlichen Täterinnen. Die drei Jugendlichen sind polizeibekannt, wie sich später herausstellt. Ermittlungen gibt es nun auch, weil niemand dem Mädchen geholfen hat.

Zu dem Angriff der beiden 13-Jährigen auf das Mädchen kam es am Sonntag. Der Fall wurde aber erst einen Tag später bekannt, als die verstörenden Bilder im Internet auftauchten. Entgegen erster Angaben sei das Mädchen nach der Tat nicht ins Krankenhaus gebracht worden, hieß es von der Polizei. Die Jugendliche habe sich stattdessen am Montag in eine Klinik begeben und sei nach ambulanter Behandlung mit leichten Verletzungen wieder entlassen worden.

Wenige Stunden vor der Tat hatte die 14-Jährige mit den beiden mutmaßlichen Angreiferinnen nach Angaben der Polizei bereits eine handgreifliche Auseinandersetzung am Bahnhof in Bietigheim bei Ludwigsburg. Einen Tag davor sei sie mit einem weiteren, ebenfalls bereits identifizierten Mädchen in Gaggenau in Streit geraten. Zudem vermutet die Polizei in Offenburg einen Zusammenhang mit ähnlichen Vorfällen in Karlsruhe in der Vergangenheit.

Tritte gegen Kopf und Körper

Die Videoaufnahme von Rastatt zeigt, wie die 14-Jährige zu Boden gestoßen wird und die zwei Mädchen auf sie einschlagen und mehrmals gegen ihren Kopf und Körper treten. Auch gegen diejenigen, die die Tat gefilmt und nicht geholfen haben sollen, wird laut Polizei ermittelt. Ein Strafverfahren wegen unterlassener Hilfeleistung sowie möglicher Verletzungen von Persönlichkeitsrechten abgebildeter Personen sei eingeleitet worden. Mehrere Zeugen, größtenteils Kinder und Jugendliche, seien bereits identifiziert worden.

Wie lässt es sich erklären, dass keiner der Zeugen geholfen hat? Die Sozialpsychologie führt ein entsprechendes Verhalten auf den sogenannten Zuschauereffekt zurück. Demnach nimmt die Wahrscheinlichkeit der Hilfeleistung in einem Notfall mit steigender Anzahl der Umstehenden ab. Ursächlich dafür sei das Abschieben der Verantwortung auf die anderen, erläuterte Gerd Bohner, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Bielefeld. «Jeder denkt, es wird schon ein anderer helfen.» Bei Gewalttaten könne zudem auch die Angst davor, selbst in Gefahr zu raten, von einer Intervention abhalten.

Wer unter 14 ist, kann nicht bestraft werden

Droht den mutmaßlichen Angreiferinnen nun eine Strafe? Gegen Kinder unter 14 kann kein Strafverfahren eingeleitet werden - auch nicht bei gefährlicher Körperverletzung. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Baden-Baden ist es in solchen Fällen üblich, dass das Jugendamt verständigt wird. Dieses prüft Maßnahmen und auch, ob zum Beispiel Eltern ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind. Im schlimmsten Fall könnte eine Entziehung des Sorgerechts drohen.

@ dpa.de