Medien, Musik

Wieder eine Pleite für Deutschland: Levina landet auf dem vorletzten Platz und ist eine der großen Verliererinnen beim ESC.

14.05.2017 - 12:42:06

Salvador Sobral gewinnt - Levina schrammt am letzten ESC-Platz vorbei. Tapfer lächelt sie die Beinahe-Niederlage weg.

  • Levina - Foto: Julian Stratenschulte

    Levina singt für Deutschland «Perfect Life». Foto: Julian Stratenschulte

  • Joci Pápai - Foto: Julian Stratenschulte

    Feurig und mit Seele: Der Roma Joci Pápai singt für Ungarn. Foto: Julian Stratenschulte

  • Ilinca und Alex Floreas - Foto: Julian Stratenschulte

    Ilinca und Alex Floreas jodeln für Rumänien. Foto: Julian Stratenschulte

  • Levina - Foto: Julian Stratenschulte

    Levina strahlt bei ihrem Song «Perfect Life» in Kiew. Foto: Julian Stratenschulte

  • Kristian Kostov - Foto: Julian Stratenschulte

    Der 17-jährige Kristian Kostov singt für Bulgarien «Beautiful Mess». Foto: Julian Stratenschulte

  • Francesco Gabbani - Foto: Julian Stratenschulte

    Francesco Gabbani singt für Italien «Occidentali?s Karma», mit dabei: sein Freund der Gorilla. Foto: Julian Stratenschulte

  • ESC Slavador +  Luísa - Foto: Julian Stratenschulte

    Mit seiner Schwester Luísa, die «Amor Pelos Dois» geschrieben hat, singt Salvador Sobral zum Abschluss des ESC noch einmal den Siegersong. Foto: Julian Stratenschulte

  • ESC - SunStroke Project - Foto: Julian Stratenschulte

    Platz drei für SunStroke Project (Moldau). Foto: Julian Stratenschulte

  • ESC - Blanche - Foto: Julian Stratenschulte

    Im Halbfinale war Blanche (Belgien) noch furchtbar nervös gewesen, im Finale hatte sie ihre Nerven besser im Griff und sicherte sich den 4. Platz. Foto: Julian Stratenschulte

  • ESC - Levina - Foto: Julian Stratenschulte

    Arme Levina. Foto: Julian Stratenschulte

  • ESC - Isaiah - Foto: Julian Stratenschulte

    Der 17-Jährige Isaiah (Australien) hat sich wacker geschlagen. Er wurde Neunter. Foto: Julian Stratenschulte

  • ESC - O.Torvald - Foto: Rockmusik war nicht angesagt in diesem Jahr. Die Ukrainer O.Torvald landeten nur auf Platz 24. Foto:

    Rockmusik war nicht angesagt in diesem Jahr. Die Ukrainer O.Torvald landeten nur auf Platz 24. Foto:

  • ESC - Manel Navarro - Foto: Julian Stratenschulte

    Für den spanischen Surfer-Boy Manel Navarro blieb nur der letzte Platz. Foto: Julian Stratenschulte

  • ESC - Salvador Sobral - Foto: Julian Stratenschulte

    Der Porugiese Salvador Sobral kann sein Glück kaum fassen. Foto: Julian Stratenschulte

  • Der Sieger - Foto: Efrem Lukatsky

    Der Sieger des 62. Eurovision Song Contest: Salvador Sobral aus Portugal. Foto: Efrem Lukatsky

Levina - Foto: Julian StratenschulteJoci Pápai - Foto: Julian StratenschulteIlinca und Alex Floreas - Foto: Julian StratenschulteLevina - Foto: Julian StratenschulteKristian Kostov - Foto: Julian StratenschulteFrancesco Gabbani - Foto: Julian StratenschulteESC Slavador +  Luísa - Foto: Julian StratenschulteESC - SunStroke Project - Foto: Julian StratenschulteESC - Blanche - Foto: Julian StratenschulteESC - Levina - Foto: Julian StratenschulteESC - Isaiah - Foto: Julian StratenschulteESC - O.Torvald - Foto: Rockmusik war nicht angesagt in diesem Jahr. Die Ukrainer O.Torvald landeten nur auf Platz 24. Foto:ESC - Manel Navarro - Foto: Julian StratenschulteESC - Salvador Sobral - Foto: Julian StratenschulteDer Sieger - Foto: Efrem Lukatsky

Kiew - Salvador Sobral zeigt nicht die großen Emotionen. Eher ungläubig blickt der Portugiese in die Kamera. Dass er gerade einen der wichtigsten Musik-Wettbewerbe Europas gewonnen hat, ist ihm nicht wirklich anzusehen.

Ruhig und gelassen geht der introvertierte Sieger des Eurovision Song Contest (ESC) in Kiew auf die Bühne. «Musik ist kein Feuerwerk. Musik ist Gefühl», sagt der 27-Jährige, als er die Trophäe, ein gläsernes Mikrofon, überreicht bekommt. Musik sei keine austauschbare Ware. Wie so vieles, das an diesem Abend gezeigt wurde.

Mit großem Abstand lässt Sobral mit dem melancholischen, in seiner Muttersprache gesungenen jazzigen Liebeslied «Amar Pelos Dois» die kunterbunte ESC-Konkurrenz hinter sich. 758 Punkte gelingt es ihm zu holen. Es ist der erste Sieg in der 53-jährigen ESC-Historie des Landes. Noch nie hat es Portugal unter die Top Five geschafft.

Auch Deutschland setzt auf einen kühlen, reduzierten Auftritt. Levina («Perfect Life») verzichtet auf das große Tamtam. Dennoch geht sie unter. Der britische «Guardian» nennt das Lied «süß, aber leicht zu vergessen.» Die Wahl-Berlinerin landet auf dem vorletzten Platz unter den 26 Kandidaten. Der Auftritt war fehlerfrei, jeder Schritt schien zu sitzen, jeder Ton auch. Ein Moderator nannte die 26-Jährige die «perfekte Deutsche». ARD-Kommentator Peter Urban betonte immer wieder: «Wir haben nichts falsch gemacht.»

Anders als Ann Sophie 2015 in Wien und Jamie-Lee 2016 in Stockholm bleibt immerhin der allerletzte Platz erspart, Levina schrammt mit sechs Punkten nur knapp daran vorbei. Drei Jury-Punkte gibt es aus Irland, von den Zuschauern noch einmal so viele. Nur eine fade Surfer-Nummer aus Spanien schneidet noch schlechter ab. Manch einer will am Ende scherzhaft ein Ringen um den letzten Platz heraufbeschwören. TV-Komiker Oliver Kalkofe twittert in der Nacht zum Sonntag: «Mist! Um 1 Punkt gegen Spanien das Ziel verfehlt!»

Für Levina ist der Platz nur ein kleiner Trost, ihr kommen während der Abstimmung die Tränen. Erst nach dem Irland-Voting hat sie das Null-Punkte-Tal verlassen; der Druck fällt. Dann lächelt sie wieder. «Wir sind nicht Letzter geworden, sondern Vorletzter», betont sie.

Woran es gelegen hat? «Ich weiß es leider nicht», sagt Levina. Sie war mit ihrem Auftritt selbst sehr zufrieden. Nun dürfte die altbekannte Diskussion wieder aufflammen: Was macht Deutschland bloß falsch? Warum mag keiner da draußen unsere Musik? Moderatorin Barbara Schöneberger bringt es trotzig auf den Punkt: «Ich weiß auch nicht, was wir noch machen sollen. Costa Cordalis schicken?»

In Kiew selbst läuft fast alles nach ESC-Routine, wenige Sekunden zieht ein Flitzer blank. Er stürmt während einer Pauseneinlage die Bühne. Der große ESC-Skandal ist bereits Wochen vor der Glitzerveranstaltung ausgetragen worden - Russland ist nach einem diplomatischen Streit ausgestiegen.

Dass dann Moskau aber mit einer Art Trojanischem Pferd trotzdem irgendwie teilnimmt, nehmen die Zuschauer nur am Rande wahr. Der Bulgare Kristian Kostov ist eigentlich Moskauer. Ob jugendliche Albernheit oder aus Solidarität zu der gesperrten russischen Künstlerin Julia Samoilowa: Der 17-Jährige kündigt einem russischem Fernsehteam an: «Im Falle eines Sieges zertrümmere ich euch die gläserne Siegestrophäe!». Erst Stunden später zieht er es als «Witz» zurück. Ob das Bulgarien - mit Italien und Portugal einer der Favoriten - am Ende die entscheidenden Stimmen gekostet hat?

Alles in allem fällt auf: Die Kandidaten sind sehr jung. Die Sänger aus Australien, Belgien und Bulgarien sind gerade mal 17 Jahre alt, Kostov gar der erste Teilnehmer überhaupt, der im 21. Jahrhundert geboren wurde. Zudem nutzten die Länder vermehrt ihre Muttersprache in ihren Liedern: Weißrussland zeigt heimischen Folk-Rock, Ungarn lässt einen Roma rappen, Francesco Gabbani bringt Italo-Charme auf die Bühne.

Das Extravagante fehlt in Kiew im Finale vollkommen. Den einzigen Stirnrunzel-Faktor, Slavko Kalezic aus Mazedonien, kickten die Zuschauer bereits im ersten Halbfinale raus. Er konnte trotz meterlanger Zopfpeitsche nicht überzeugen. Übrig blieben: Drama in weißen, brautähnlichen Kleidchen, lange Frauenbeine und strenge Choreographien aus dem Mittelmeerraum.

In dieser glatten Bonbonwelt sticht der Portugiese Sobral eindeutig hervor. Er lebt seine Lieder selbst bis in die Fingerspitzen. «Ich habe nie ein Lied geschrieben, um im Radio gespielt zu werden», sagt Sobral nach seinem Sieg. Er selbst sieht den Rummel gelassen: «Nächsten Monat erinnert sich keiner mehr daran.»

@ dpa.de

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