Fische, Oder

Tote Fische in der Oder - von Frankfurt bis in die Uckermark - geben Rätsel auf.

12.08.2022 - 09:52:21

Fischsterben in der Oder: Hinweise auf Quecksilberbelastung. Erste Analysen deuten auf eine noch unbekannte Substanz im Wasser. Möglicherweise eingespeist durch die Industrie.

Wasserproben nach dem Fischsterben in der Oder in Brandenburg haben Hinweise auf eine erhebliche Quecksilberbelastung ergeben. «Seit gestern Abend gibt es die ersten Ergebnisse. Die haben wir zwar noch nicht offiziell, aber es deutet in der Tat doch auf eine massive Belastung mit Quecksilber hin als ein Faktor», sagte der Leiter der Umweltverwaltung im Kreis Märkisch-Oderland, Gregor Beyer, am Freitagmorgen im RBB-Inforadio. «Ob das der alleinige ist, wissen wir nicht.»

Die These, dass zu wenig Sauerstoff die Ursache für das Fischsterben sein könnte, habe die Kreisverwaltung von Anfang an verworfen. «Mittlerweile wissen wir das auch», sagte Beyer. «Wir haben, völlig ungewöhnlich, sogar mehr Sauerstoff in der Oder.»

Über die Herkunft des Quecksilbers oder anderer Giftstoffe werde momentan viel spekuliert, sagte Beyer. «Der ganz ärgerliche Teil dieser Sache ist, dass die Einträge, die offensichtlich aus Richtung Polen kamen, nicht gemeldet wurden über die entsprechenden Warnsysteme, so dass wir erst reagieren konnten, als ein Fischsterben direkt zu beobachten war.»

Nach Angaben der polnischen Umweltschutzbehörde wurde das Fischsterben wahrscheinlich von einer Wasserverschmutzung durch die Industrie ausgelöst. Dazu sagte Beyer: «Wir wissen durch verschiedene Messungen, die wir sofort erheben konnten, dass eine 30-Zentimeter-Wasserwelle durch die Oder gegangen ist.» Er fügte hinzu: «Ob das die Welle ist, die auch diese Giftstoffe mitgeführt hat, wissen wir noch nicht hundertprozentig.»

Naturschützer fürchten weitreichende Folgen

Naturschützer gehen vor weitreichenden Folgen für den Nationalpark Unteres Odertal aus. «Die Auswirkungen sind einfach furchtbar», sagte der stellvertretende Nationalparkleiter Michael Tautenhahn der Deutschen Presse-Agentur. «Für den Nationalpark ist das schlichtweg eine Katastrophe.»

Betroffen seien Tiere und Pflanzen und auch die touristische Entwicklung der Region. «Die Vergiftungswelle ist komplett durch die Oder gegangen», sagte Tautenhahn. Über die gesamte Strombreite habe man tote Fische treiben sehen. Betroffen seien etwa Zander, Welse, Gründlinge und Steinbeißer. Seeadler und andere Vögel könnten Gift durch die toten Fische aufnehmen.

Tautenhahn rechnet mit einem Imageschaden für den Nationalpark. «Es ist ein vergiftetes Katastrophengebiet.» Er befürchte, dass viele Menschen nun einen Bogen um den Nationalpark machen würden. Der Nationalpark Unteres Odertal ganz im Osten Brandenburgs zählt zu den artenreichsten Lebensräumen in Deutschland.

Kritik an Meldekette zwischen Polen und Deutschland

Der brandenburgische Umweltminister Axel Vogel (Grüne) äußerte Kritik an fehlenden Informationen der polnischen Behörden und bat um Aufklärung. «Man muss festhalten, dass die Meldeketten zwischen der polnischen und der deutschen Seite in diesem Fall nicht funktioniert haben», sagte er.

Vogel informiert sich am Freitag gemeinsam mit der Landrätin der Uckermark, Karina Dörk, dem stellvertretenden Leiter des Nationalparks, Dr. Michael Tautenhahn, und Vertretern des Landesamts für Umwelt im Schwedter Ortsteil Criewen - dem Tor zum Nationalpark - über die aktuelle Situation.

Die Bevölkerung wird weiter aufgerufen, den Kontakt mit dem Wasser aus der Oder zu meiden. In mehreren Regionen in Brandenburg mit Oder-Abschnitten - von der Stadt Frankfurt (Oder) bis in den Kreis Uckermark - wurden tote Fische gefunden.

@ dpa.de