Medien, Fernsehen

Sicher war es nicht, wie erfolgreich die Krimiserie im Ersten wohl sein würde.

12.10.2018 - 11:58:06

Es läuft nicht schlecht - Halbzeit bei «Babylon Berlin». Aber bisher läuft es rund für «Babylon Berlin». Das Interesse der Zuschauer ist groß, auch und gerade in der Mediathek.

Berlin - Es ist Halbzeit bei «Babylon Berlin». Von den insgesamt 16 Folgen, die auf Volker Kutschers 2008 erschienenem Bestseller «Der nasse Fisch» basieren, sind inzwischen acht im Ersten gelaufen, die beiden letzten davon am Donnerstagabend. Und das aus ARD-Sicht ausgesprochen erfolgreich - dabei ist «Babylon Berlin» streng genommen eine Wiederholung.

Denn sie war 2017 bereits komplett beim Abo-Sender Sky zu sehen. Und mancher Skeptiker war sicher, das könne nicht gut gehen, wenn sie erst deutlich später ins öffentlich-rechtliche Fernsehen kommt. Dabei ist sie für die ARD «das TV-Ereignis des Jahres».

Die Serie über den jungen Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch), der 1929 aus Köln nach Berlin ins Sittendezernat versetzt wird, hat schon Sky seinerzeit als großen Erfolg verbucht. Pro Folge hatte «Babylon Berlin» bei dem Pay-TV-Sender um die 570 000 Zuschauer. Bessere Werte hatte Sky bis dahin nur bei der 7. Staffel von «Game of Thrones». Doch wer befürchtet hatte, das Thema sei damit durch, wurde nun eines Besseren belehrt. Die Zuschauerzahlen stimmen - obwohl die facettenreiche Geschichte auf der Langstrecke erzählt wird, also nichts für Krimifans ist, die schnell den Mörder präsentiert bekommen wollen.

Zum Auftakt, als das Erste Ende September gleich drei Folgen am Stück auf dem «Tatort»-Sendeplatz am Sonntagabend zeigte, waren im Schnitt 7,83 Millionen Zuschauer dabei. Einen fulminanten Start nannte das ARD-Programmdirektor Volker Herres. Die Folgen sieben und acht am Donnerstagabend, die letzten der sogenannten ersten Staffel, hatten im Schnitt 4,38 Millionen Zuschauer - und das nur im klassischen Fernsehen, das für manche Serienfans längst zweite Wahl ist.

«Angesichts der für deutsche Zuschauer und Zuschauerinnen ungewohnten komplexen Erzählweise dieser Serie sind die Quoten durchaus beachtlich», so die Medienwissenschaftlerin Prof. Joan Bleicher von der Universität Hamburg. «Schließlich richten sich in anderen Ländern wie den USA vergleichbare Serien an ein kleines, gebildetes und gut verdienendes Publikum. Angesichts des Einheitsbreis vergleichbarer Formate stechen Produktionen wie "Babylon Berlin" allein schon durch ihre visuelle Opulenz und historische Ausrichtung hervor.»

Und mit Darstellern wie Liv Lisa Fries, Peter Kurth, Lars Eidinger, Jördis Triebel, Fritzi Haberlandt, Hannah Herzsprung und Benno Fürmann ist «Babylon Berlin» auch noch prominent besetzt. Allerdings verlangt die Serie den Zuschauern einiges ab: Nicht nur, weil sie über 16 Folgen lang dranbleiben müssen, auch weil sie nicht einfach eine Kriminalgeschichte ist: Immer wieder scheinen die politischen Auseinandersetzungen in der Spätphase der Weimarer Republik durch. Und Gereon Rath erkundet in Berlin ausgiebig auch die Subkulturszene der Hauptstadt mit ihren Kneipen und angesagten Clubs.

Komplex ist allerdings auch der Ausstrahlungsrhythmus. Gab es zunächst an einem Sonntag drei Folgen, dann weitere drei an einem Donnerstag, am nächsten Donnerstag dann zwei - danach kommt in der zweiten Hälfte donnerstags immer eine Doppelfolge. «Das Sendeschema ist natürlich eine Herausforderung an die Zeitplanung der Menschen», erläutert Joan Bleicher. «Gerade an Werktagen werden Sendungen ab 22.00 Uhr von vielen nicht mehr gesehen.»

Das erklärt die Rekordzahl bei den Videoabrufen: Für die ersten acht Folgen waren es bis einschließlich Mittwoch (10. Oktober) rund 3,81 Millionen. Prof. Bleicher findet allerdings, die Bereitstellungsdauer sei zu kurz und plädiert für ein «längeres zeitunabhängiges Angebot in der Mediathek». Dort lassen sich die Folgen 1 bis 8 und 9 bis 16 jeweils nur sieben Tage lang abrufen.

Die zweite Halbzeit von «Babylon Berlin» startet am Donnerstag, 18. Oktober, um 20.15 Uhr. Dann zeigt das Erste zwei neue Folgen am Stück - genau wie an den Donnerstagen danach bis zum 8. November. Und sicher ist schon jetzt, dass es danach noch weiter geht. Drehstart für die dritte Staffel soll im Spätherbst sein, voraussichtlich im November.

Das Drehbuch für die neuen Folgen, um das sich wie gehabt die Regisseure und Autoren Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries kümmern, lehnt sich an Volker Kutschers zweiten Gereon-Rath-Roman «Der stumme Tod» an.

Für Christine Strobl, Geschäftsführerin von ARD Degeto, muss auch das noch nicht das Ende sein. Zu verfilmen gäbe es noch genug: Der Kölner Bestsellerautor Volker Kutscher hat bereits sieben Gereon-Rath-Krimis geschrieben, der letzte davon erscheint im November. Und Kutscher hat angekündigt, er wolle noch mindestens drei weitere Bände schreiben. Daraus ließen sich noch viele «Babylon Berlin»-Staffeln machen. Joan Bleicher hält das nicht für aussichtslos: Eine vergleichbar aufwendige Inszenierung, interessante Themen, Erzählweisen und Figuren fänden nach ihrer Überzeugung auch künftig das Interesse der Zuschauer.

@ dpa.de

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