Brooklyn, New York

Schock und Entsetzen nach einem dramatischen Vorfall in der New Yorker U-Bahn: Ein Mann schießt, mindestens 23 Menschen werden verletzt.

13.04.2022 - 12:54:36

Großfahndung nach Schüssen in New Yorker U-Bahn. Der Täter ist noch auf der Flucht - aber die Hinweise auf ihn verdichten sich.

  • Rettungskräfte versammeln sich am Eingang der U-Bahn-Station in Brooklyn. - Foto: John Minchillo/AP/dpa

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  • Polizeipräsenz am Eingang der U-Bahn-Station in Brooklyn. - Foto: John Minchillo/AP/dpa

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Rettungskräfte versammeln sich am Eingang der U-Bahn-Station in Brooklyn. - Foto: John Minchillo/AP/dpaPolizeipräsenz am Eingang der U-Bahn-Station in Brooklyn. - Foto: John Minchillo/AP/dpa

Nach den dramatischen Szenen mit Schüssen und mindestens 23 Verletzten in der New Yorker U-Bahn sucht die Polizei mit einem Großeinsatz nach dem Täter.

Ein 62 Jahre alter Mann, der zunächst als «Person von Interesse» eingestuft worden war, gelte nun als Verdächtiger, sagte Bürgermeister Eric Adams. Ersten Ermittlungsergebnissen zufolge habe der Täter alleine gehandelt. «Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass es einen Komplizen gab.»

50.000 Dollar Belohnung

Die U-Bahnen fuhren am Mittwoch wieder weitgehend nach Plan. Er werde neue Technologien prüfen, um die U-Bahnen sicherer zu machen, kündigte Adams an. Bei dem Angriff am Dienstag waren mindestens 23 Menschen verletzt worden, zehn von ihnen laut Polizeiangaben durch Schüsse. Für Hinweise zur Festnahme des Tatverdächtigen wurde inzwischen eine Belohnung von 50.000 Dollar (rund 46 000 Euro) ausgesetzt.

Der 62 Jahre alte Verdächtige habe in Philadelphia einen Kleinlaster gemietet, teilte die Polizei mit. Der Schlüssel des Fahrzeugs sei in einer Tasche am Tatort gefunden worden, die möglicherweise dem Täter zuzuordnen sei. Der Kleinlaster war nach dem Vorfall abgestellt in einem anderen Teil von Brooklyn gefunden worden.

Es werde zudem vermutet, dass es sich bei dem Mann, der Wohnsitze in Wisconsin und Philadelphia habe, um den Autor mehrerer Veröffentlichungen in sozialen Medien handele. Darin beschwere sich der Autor unter anderem über New York, Bürgermeister Eric Adams und Obdachlosigkeit. Nähere Details wollten die Behörden nicht mitteilen.

Mehr Polizeischutz für Bürgermeister

Adams' Polizeischutz werde aber vorsichtshalber aufgestockt, hieß es. Der Bürgermeister hält sich wegen einer Infektion mit dem Coronavirus derzeit in Isolation in seiner Residenz auf der Upper East Side Manhattans auf.

«Wir tun alles, was wir können, um den Mann zu fassen, der für diesen abscheulichen Angriff auf unsere Fahrgäste verantwortlich ist», sagte der Chef der New Yorker Verkehrsbetriebe (MTA), Janno Lieber, am Dienstagabend (Ortszeit) in einer Stellungnahme. Er rief die Bewohner der Millionenmetropole auf, sich mit Beobachtungen zu dem Vorfall bei der Polizei zu melden: «Der Gerechtigkeit muss Genüge getan werden.»

«Wir bitten jeden mit Informationen um Hilfe», sagte Chefermittler James Essig. Handyvideos, Zeugenhinweise oder Hinweise zur Identität des Täters oder des Kleinlaster-Mieters seien wichtig. Laut «New York Times» könnten Probleme mit den Sicherheitskameras der U-Bahn die Fahndung nach dem Täter beeinträchtigt haben. Im Bahnhof des Angriffs sei anscheinend keine der Kameras vollständig in Betrieb gewesen, zitierte die Zeitung einen hochrangigen Sicherheitsbeamten.

Bei dem Vorfall während der Hauptverkehrszeit am Dienstagmorgen hatte ein Mann ersten Erkenntnissen zufolge in einer U-Bahn im New Yorker Stadtteil Brooklyn das Feuer eröffnet. Der Mann habe im zweiten Wagen eines Zugs der Linie N auf dem Weg nach Manhattan zwischen der Station 59 St und 36 St in einer hinteren Ecke gesessen. Er habe eine orange-grüne Bauarbeiter-Weste, eine Corona-Schutzmaske, einen grauen Kapuzen-Pullover und einen neon-grünen Bauarbeiter-Helm getragen.

Schüsse und Rauch

Der Mann habe sich dann eine Art Gasmaske übergezogen, zwei Kanister geöffnet, aus denen Rauch oder Nebel strömte, und dann das Feuer eröffnet. Insgesamt habe er 33 Mal geschossen. Der Mann konnte fliehen - wie ihm das gelang und auch sein Motiv waren nach Polizeiangaben zunächst noch völlig unklar. Als terroristischer Akt werde der Vorfall derzeit nicht untersucht.

In der Station 36 St im Viertel Sunset Park hielt der Zug. Auf Videos war zu sehen, wie Menschen aus dem U-Bahn-Wagen strömten, umgeben von Nebel- oder Rauchschwaden, einige blieben am Boden liegen, Blut war zu sehen, andere kümmerten sich um Verletzte.

Mindestens 23 Menschen wurden verletzt. «10 Menschen wurden durch Schüsse verletzt und weitere 13 wurden entweder verletzt, als sie aus dem Bahnhof eilten, oder sie erlitten eine Rauchvergiftung», sagte Polizeichefin Keechant Sewell bei der Pressekonferenz. Keiner von ihnen befinde sich aber in Lebensgefahr.

Zuvor hatte die Polizei von mindestens 16 Verletzten gesprochen. «Wir haben wirklich Glück, dass das nicht noch deutlich schlimmer war als es ist.» Die New Yorker Polizei erhöhte ihre Präsenz in der U-Bahn.

Am Tatort wurden Sewell zufolge unter anderem eine halbautomatische Handfeuerwaffe, mehrere Magazine und eine kleine Axt gefunden. Außerdem sei eine Flüssigkeit sichergestellt worden, bei der es sich mutmaßlich um Benzin handele sowie ein Beutel mit Feuerwerkskörpern.

Schütze «gefährlich»

Der Schütze sei «gefährlich», sagte New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul. Die Behörden forderten alle Bürger auf, «sehr vorsichtig und wachsam» zu sein, sagte sie. Wer Hinweise habe, solle die Polizei verständigen.

Es kam zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen im U-Bahn-System. Die Schulen in der Umgebung der Station schlossen vorübergehend, wie US-Medien einen Sprecher des New Yorker Schulsystems zitierten. Es durften nur noch Schulkinder hinein - und niemand mehr hinaus.

In New York hatten in den vergangenen Monaten zahlreiche Schießereien und andere Kriminalfälle für Schlagzeilen gesorgt - auch in der U-Bahn. Bürgermeister Adams, ein früherer Polizist, der erst Anfang des Jahres seinen Job angetreten hatte, hatte angekündigt, scharf gegen Kriminalität vorgehen zu wollen. Er sprach am Dienstag von einem «schwierigen Tag für New York». Der Täter werde gefunden und zur Rechenschaft gezogen, versprach Adams.

@ dpa.de