Messer, Kanada

Noch immer sind die mutmaßlichen Täter auf der Flucht: Die kanadische Polizei sucht weiter nach zwei Männern, die mindestens zehn Menschen erstochen haben sollen.

05.09.2022 - 02:35:45

Mindestens zehn Tote bei Messerangriffen in Kanada. Das Motiv bleibt unklar.

  • Assistant Commissioner Rhonda Blackmore bei einer Pressekonferenz der Royal Canadian Mounted Police in der kanadischen Provinz Saskatchewan. - Foto: Michael Bell/The Canadian Press via AP/dpa

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  • Ein Polizist arbeitet an einem der Tatorte in der kanadischen Provinz Saskatchewan. - Foto: Heywood Yu/The Canadian Press via AP/dpa

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  • Die Polizei präsentierte Fahndungsplakate der mutmaßlichen Täter. - Foto: Michael Bell/Canadian Press via ZUMA Press/dpa

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Assistant Commissioner Rhonda Blackmore bei einer Pressekonferenz der Royal Canadian Mounted Police in der kanadischen Provinz Saskatchewan. - Foto: Michael Bell/The Canadian Press via AP/dpaEin Polizist arbeitet an einem der Tatorte in der kanadischen Provinz Saskatchewan. - Foto: Heywood Yu/The Canadian Press via AP/dpaDie Polizei präsentierte Fahndungsplakate der mutmaßlichen Täter. - Foto: Michael Bell/Canadian Press via ZUMA Press/dpa

Eine der brutalsten Gewaltserien der vergangenen Jahre erschüttert Kanada: In einer ländlichen Region in der Provinz Saskatchewan sind am Sonntag mindestens zehn Menschen erstochen und 18 weitere verletzt worden.

Die beiden mutmaßlichen Täter sind weiter flüchtig. «Das Leid ist groß. In unserer Provinz und in unseren Gemeinden herrscht große Unruhe», teilte Evan Bray, der Leiter der Polizei in Regina, der Hauptstadt von Saskatchewan, am Montagmorgen (Ortszeit) mit. Erneut bat er die Bevölkerung darum, jegliche Hinweise zu den Verdächtigen an die Polizei weiterzugeben.

Aufwendige Suche

Die beiden Männer im Alter von 30 und 31 Jahren waren von der Polizei als «bewaffnet und gefährlich» beschrieben worden. Am Montagmittag (Ortszeit) hatte die Polizei die Zahl der bestätigten Verletzten von 15 auf 18 erhöht und Details zum Ermittlungsstand veröffentlicht. Demnach wurden erste konkrete Anschuldigungen erhoben: Drei Morde und ein versuchter Mord beim Jüngeren der beiden, ein Mord und ein versuchter Mord beim Älteren. Weitere Anklagepunkte zu den anderen Morden seien wahrscheinlich, hieß es weiter.

Die Polizei hatte noch am Sonntag Checkpoints eingerichtet, um Fahrzeuge zu überprüfen. Zuletzt waren die mutmaßlichen Täter am Sonntagnachmittag in einem SUV in Regina gesehen worden. Die Hauptstadt von Saskatchewan liegt rund 300 Kilometer südlich der Tatorte. Reginas Polizei-Chef Bray hatte am Sonntagabend erklärt, dass die beiden «wahrscheinlich» noch in der Stadt seien. Die Nacht über war mit viel Aufwand und Einsatzkräften weiter nach den beiden gesucht worden - ohne Erfolg.

Die zahlreichen Opfer waren am Sonntag an zwei Orten in Saskatchewan angegriffen worden - im für indigene Einwohner ausgewiesenen Reservat James Smith Cree Nation und im Dorf Weldon, wie die leitende Ermittlerin der Polizei in Saskatchewan, Rhonda Blackmore, bei einer Pressekonferenz am Sonntag erklärte. Der erste Notruf sei am Sonntagmorgen um 5.40 Uhr (Ortszeit) eingegangen, in den darauffolgenden Minuten seien weitere Angriffe von Tatorten in der Nähe gemeldet worden. Kurz nach 7.00 Uhr habe die Polizei dann eine erste Warnung an die Bevölkerung herausgegeben.

Motiv weiterhin unklar

Das Motiv für die grausamen Taten war am Montagmorgen (Ortszeit) weiter unklar. «Es hat den Anschein, dass einige der Opfer gezielt und einige zufällig ausgewählt wurden», hatte Blackmore am Sonntag gesagt. «Daher wäre es zum jetzigen Zeitpunkt äußerst schwierig, ein Motiv zu nennen.» Es gebe insgesamt 13 Tatorte, an denen Menschen getötet oder verletzt worden seien. Anwohner sagten einer Journalistin des US-Radios NPR, dass die beiden Verdächtigen Brüder seien. Die Polizei bestätigte dies bislang nicht.

Die James Smith Cree Nation hat nach Angaben auf ihrer Webseite mehr als 3400 Mitglieder, von denen fast 2000 in ihrem Reservat leben. Auf dem Gelände, in dem sich ein Großteil der wirtschaftlichen Aktivitäten auf Landwirtschaft und Viehzucht konzentriert, befinden sich unter anderem ein Büro, eine Schule, Feuerwehr und ein Gemeindezentrum. Die Vorsitzenden des Reservats riefen nach den Bluttaten am Sonntag den Notstand aus.

Drogen als möglicher Grund

Die Föderation Souveräner Indigener Nationen (FSIN), ein Indigenen-Verband, veröffentlichte eine Stellungnahme, in dem Drogen als möglicher Grund für die Angriffe nahegelegt wurden. «Das ist die Zerstörung, mit der wir umgehen müssen, wenn illegale Drogen in unsere Gemeinschaften gelangen», schrieb der Vorsitzende Bobby Cameron. «Wir verlangen von allen Behörden, mehr auf die Häuptlinge, Räte und Stammesmitglieder zu hören, um sicherere und gesündere Gemeinschaften für unsere Völker zu schaffen.»

Kanadas Premierminister Justin Trudeau zeigte sich schockiert. «Die heutigen Angriffe in Saskatchewan sind schrecklich und herzzerreißend», schrieb Trudeau auf Twitter. Auch Scott Moe, Premierminister der Provinz, sprach im Namen seiner Regierung sein Beileid aus. «Ganz Saskatchewan trauert mit den Opfern und ihren Angehörigen», schrieb Moe von der konservativen Saskatchewan-Partei auf Twitter.

Die Polizei sucht außer in Saskatchewan auch in den angrenzenden Provinzen Manitoba und Alberta nach den mutmaßlichen Tätern. Die Fläche dieser drei Provinzen in der Mitte Kanadas ist mehr als fünfmal so groß wie die Deutschlands. Allein Saskatchewan ist knapp doppelt so groß wie Deutschland, aber mit nur knapp 1,2 Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt.

@ dpa.de