Bayern, Deutschland

Nikolaus und Weihnachtsmann zu vermieten: Die Advents- und Weihnachtszeit bedeutet Hochkonjunktur fĂŒr «Ho Ho Ho» rufende MĂ€nner in roten MĂ€nteln.

04.12.2022 - 10:23:30

Traumjob Nikolaus? - FachkrÀftenachfrage beim heiligen Mann. Ein Blick in eine der letzten MÀnnerdomÀnen.

MĂ€nner mit weißen BĂ€rten und roten MĂ€nteln haben Hochkonjunktur. NikolĂ€use besuchen KindergĂ€rten und Altenheime; WeihnachtsmĂ€nner Einkaufszentren und Vereinsfeiern. Dabei ist das Ganze ein regelrechter GeschĂ€ftszweig - mit branchentypischen Problemen.

Die Augsburger Arbeitsagentur beispielsweise hat nur noch zehn NikolĂ€use zur VerfĂŒgung. «Es waren auch schon einmal 15, doch durch berufliche Änderungen, UmzĂŒge sind es weniger geworden», sagt eine Sprecherin. Nicht jeder eigne sich fĂŒr das Amt. «Insofern herrscht auch beim heiligen Mann immer eine FachkrĂ€ftenachfrage.»

Bis zur Corona-Pandemie hat die Arbeitsagentur in vielen Regionen Miet-NikolÀuse und WeihnachtsmÀnner vermittelt, seit der Corona-Pandemie nur noch vereinzelt - beispielsweise in Bremen, Hannover oder eben Augsburg.

Hohe Nachfrage

«In den StĂ€dten, wo wir diesen Service bieten, sind die NikolĂ€use gut ausgelastet. Die Nachfrage ist hoch, kann jedoch meist bedient werden, wenn die Anfrage rechtzeitig eingeht», sagt Irmgard Pirkl, Sprecherin der Bundesagentur fĂŒr Arbeit.

Die Nikolaus-Zentrale, eine bundesweite Plattform fĂŒr Miet-NikolĂ€use, zĂ€hlt nach Angaben des Plattform-Betreibers Winfried Keuthage seit Jahren etwa gleichbleibend 150 MĂ€nner, die «Lust haben, sich zu verkleiden». Einen Angebotsmangel sieht er nicht, eher einen in der Nachfrage. «Die ist zu Corona-Zeiten eingebrochen und noch nicht wieder auf dem Niveau wie vorher.» Das liege vor allem daran, dass viele Weihnachtsfeiern nach wie vor ausfielen.

Einer der NikolĂ€use, die man dort mieten kann, ist der 52-jĂ€hrige Sean Schmidtpeter aus MĂŒnchen. Seine Verwandlung dauert nicht lange. Weißes Gewand, weißer Bart, weißes Puder in die Augenbrauen, roter Mantel, rote BischofsmĂŒtze - und schon ist aus einem Business Coach die Quasi-Reinkarnation jenes Bischofs von Myra geworden. Er tritt nur als Nikolaus auf - nie als Weihnachtsmann, der vielen Traditionalisten als Konsum- und Coca-Cola-Variante des altes Mannes im roten Mantel gilt. «Ich komme aus einer Nikolaus-Dynastie», sagt er und berichtet davon, wie er im Kindergarten auf dem Schoß seines als Nikolaus verkleideten Vaters saß.

FĂŒr seine Auftritte hat der 52-JĂ€hrige sich extra ein KostĂŒm von einer Dirndl-Designerin schneidern lassen und inzwischen habe er viele Stammkunden, sagt Schmidtpeter. 30 Euro kostet ein Auftritt, das Geld wird seinen Angaben zufolge immer gespendet - «und oft ist darum dann auch mehr Geld im Umschlag». VerĂ€ndert habe sich in der Zeit nicht viel: Leuchtende Kinderaugen und gesunder Respekt vor dem, was da drinstehen könnte im Goldenen Buch, beobachte er zuverlĂ€ssig jedes Jahr. «Nur die Geschenke werden immer grĂ¶ĂŸer.»

Wie viele von seiner Sorte es in Deutschland gibt, ist nahezu unmöglich herauszufinden. Nach Angaben von Bundesagentur-Sprecherin Pirkl sind die meisten NikolĂ€use und WeihnachtsmĂ€nner Rentner, BerufstĂ€tige, Studenten, KĂŒnstler und Schauspieler. Alle sind sie MĂ€nner. Frauen werden dort nur als Weihnachtsengel gelistet -«als Weihnachtsfrau nein; dazu ist die Nachfrage bislang nicht da».

WeihnachtsmÀnner im Osten gesucht

Dabei gibt es hier und da schon einen gewissen FachkrĂ€ftemangel zu beklagen - zum Beispiel auch im Osten der Republik, wo der Nikolaus mangels katholischer Tradition nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Dort werden die WeihnachtsmĂ€nner knapp. «Die Nachfrage wird immer grĂ¶ĂŸer und die WeihnachtsmĂ€nner immer weniger», sagt Ronny Schröter vom Cottbuser WeihnachtsmannbĂŒro. «Ich habe dieses Jahr nur noch vier WeihnachtsmĂ€nner und 50 Familien, die einen suchen.» Die Liste der Miet-WeihnachtsmĂ€nner sei «immer kĂŒrzer geworden, von Jahr zu Jahr».

Es gebe zwar durchaus immer mal wieder MÀnner, die als Weihnachtsmann auftreten wollen - «aber nÀchstes Jahr haben sie plötzlich 'ne Freundin, das Jahr darauf ein Kind und dann hat sich das ohnehin erstmal erledigt. Die, die bleiben, das sind die Àlteren Singles, die keine Familie mit kleinen Kindern und an Weihnachten Zeit haben», sagt der 40-JÀhrige. «Solche Leute suche ich, aber die findet man ganz schlecht.»

Leider sei der Job an sich immer noch eine MÀnnerdomÀne, also könnten Frauen den Weihnachts-FachkrÀftemangel nicht beheben. «Wir hatten mal in einem Jahr drei Frauen dabei, aber da haben wir dann zwei, drei Tage vorher richtig Stress bekommen, weil die Familien das nicht wollten», sagt Schröter. «Das sind eigentlich nur die Eltern, die Kinder merken das gar nicht. Die Frauen machen das genau so toll, aber irgendwie funktioniert das nicht.»

@ dpa.de

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