Bombenanschlag, Istanbul

Mitten im touristischen Zentrum Istanbuls explodiert eine Bombe und reißt mehrere Menschen in den Tod.

14.11.2022 - 16:48:43

PKK und YPG weisen Verantwortung für Anschlag zurück. In der Nacht wird eine verdächtige Person festgenommen - die Polizei sieht eine Verbindung zur PKK.

  • Polizeifahrzeuge und Krankenwagen stehen nach der Explosion auf der beliebten Einkaufsstraße Istiklal. - Foto: Francisco Seco/AP/dpa

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  • Ein Krankenwagen nahe des Tatort auf der beliebten Fußgängerzone Istiklal. - Foto: Can Ozer/AP/dpa

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  • Die türkische Polizei gibt die beliebte Fußgängerzone Istiklal wieder frei. - Foto: Khalil Hamra/AP/dpa

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Polizeifahrzeuge und Krankenwagen stehen nach der Explosion auf der beliebten Einkaufsstraße Istiklal. - Foto: Francisco Seco/AP/dpaEin Krankenwagen nahe des Tatort auf der beliebten Fußgängerzone Istiklal. - Foto: Can Ozer/AP/dpaDie türkische Polizei gibt die beliebte Fußgängerzone Istiklal wieder frei. - Foto: Khalil Hamra/AP/dpa

Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hat die Verantwortung für den Anschlag mit sechs Toten in Istanbul von sich gewiesen. Ein Angriff auf die Zivilbevölkerung auf türkischem Boden käme in keinem Fall infrage, hieß es am Montag in einer von der PKK-nahen Nachrichtenagentur ANF veröffentlichten Erklärung. Die Gruppierung unterstütze keine Angriffe, die direkt gegen Zivilisten gerichtet seien.

Die türkische Polizei hatte zuvor mitgeteilt, dass die festgenommene Hauptverdächtige - eine Syrerin - ihren «Befehl» von der «PKK/YPG/PYD» bekommen habe. Aus Sicht der Türkei sind die syrischen Kurdenmilizen YPG und deren politischer Arm PYD Ableger der PKK. Ankara listet alle Gruppierungen als Terrororganisationen.

In der Erklärung hieß es weiter, die türkische Regierung wolle unter anderem von dem Einsatz von Chemiewaffen gegen kurdische Milizen ablenken. Ankara war zuletzt mit dem Vorwurf konfrontiert worden, bei einem Militäreinsatz im Nordirak Chemiewaffen gegen Stellungen der PKK eingesetzt zu haben. Die Türkei dementiert die Anschuldigungen.

Auch die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien bestritt jegliche Verbindung zur Hauptverdächtigen und unterstellte der Türkei, «Lügen» zu verbreiten. Präsident Recep Tayyip Erdogan wolle auf diesem Wege die Welt davon überzeugen, einem türkischen Angriff auf die Kurdengebiete in Syrien zuzustimmen, sagte YPG-Sprecher Nuri Mahmud. Ankara droht schon länger mit einer solchen Offensive. Die YPG betonte, sie verurteile jegliche Angriffe auf Zivilisten und Terrorismus.

Im Zusammenhang mit dem gestrigen Anschlag habe es 46 Festnahmen gegeben, hieß es weiter. Innenminister Süleyman Soylu hatte zuvor, zusammen mit der Hauptverdächtigen, noch von 22 Festnahmen gesprochen.

Bei dem Anschlag am Sonntag auf der belebten Einkaufsstraße waren sechs Menschen getötet worden, mehr als 80 wurden verletzt. Die türkische Regierung hatte zuvor erklärt, eine Frau stehe unter Verdacht, eine Bombe auf der auch bei Touristen beliebten Flaniermeile deponiert zu haben. Vizepräsident Fuat Oktay hatte die Tat als «Terroranschlag» bezeichnet.

Scholz: Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kondolierte dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nach dem Anschlag. Mit Bestürzung habe er die Nachrichten von der Explosion in der Innenstadt Istanbuls vernommen, die unschuldige Menschen jäh aus dem Leben gerissen und viele weitere verwundet habe, schrieb Scholz. «Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer, den Verwundeten wünschen wir rasche Genesung.»

Auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock drückte ihr Mitgefühl aus. «Furchtbare Bilder kommen aus Istanbul», erklärte die Grünen-Politikerin über Twitter. «Meine Gedanken sind bei den Menschen, die einfach nur an einem Sonntag auf der Einkaufsstraße Istiklal flanieren wollten und nun Opfer einer schweren Explosion wurden.» Die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Karine Jean-Pierre, verurteilte die «Gewalttat». «Wir stehen im Kampf gegen Terrorismus Seite an Seite mit unserem Nato-Verbündeten Türkei», erklärte sie weiter für das Weiße Haus.

Die Einkaufsstraße Istiklal ist ein touristischer Hotspot im Zentrum des europäischen Teils der türkischen Metropole, auf der auch am Sonntag häufig großes Gedränge herrscht. Ob Deutsche oder Angehörige anderer Nationen unter den Opfern waren, war zunächst unklar.

Türkei lehnt US-Kondolenzwünsche ab

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu richtete in Zusammenhang mit dem Anschlag in Istanbul scharfe Worte an die USA. Soylu wiederholte seinen Vorwurf an Washington, «Terrororganisationen» in Nordsyrien zu unterstützen und erklärte am Montag: «Wir nehmen die Kondolenzwünsche des amerikanischen Botschafters nicht an, wir weisen sie zurück.» US-Konsulat und Botschaft hatten den Anschlag mit sechs Toten, wie andere Auslandsvertretungen auch, scharf verurteilt und Opfern Beileid ausgesprochen.

Die USA sieht die YPG im syrischen Bürgerkrieg als Partner im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Nachrichtensperre verhängt

In türkischen Medien wurde die Berichterstattung zu dem Anschlag größtenteils eingestellt. Die Rundfunkbehörde Rtük verhängte eine vorläufige Nachrichtensperre für Medien. Berichte über die Explosion sollten vermieden werden, um nicht für Angst und Panik in der Bevölkerung zu sorgen, hieß es in dem Schreiben am Nachmittag. Die Behörde für Informationstechnologie und Kommunikation (BTK) reduzierte am Abend Berichten zufolge zudem die Bandbreite für Social-Media-Plattformen. Für Nutzer bedeutete das, dass Seiten deutlich langsamer oder nur noch via VPN erreichbar waren.

PKK steht auf der Terrorliste

In der Türkei ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Anschlägen gekommen - auch im Zentrum Istanbuls. 2016 hatte sich etwa ein Selbstmordattentäter auf der Istiklal in die Luft gesprengt und vier Menschen getötet, 39 weitere wurden verletzt. Nach Angaben der türkischen Regierung hatte der Attentäter Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Gruppe selbst bekannte sich damals nicht zu der Tat.

Auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verübt immer wieder Anschläge in der Türkei. Die PKK steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste und unterhält Stellungen in der Südosttürkei und im Nordirak. Ihr Hauptquartier liegt in den nordirakischen Kandil-Bergen. Ankara geht regelmäßig gegen die PKK vor und unterhält seit 2016 auch Militärposten im Nordirak.

Der seit 1984 andauernde Konflikt kostete bislang Zehntausenden Menschen das Leben. Ein Waffenstillstand war im Sommer 2015 gescheitert.

@ dpa.de