Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Im Römisch-Germanischen Museum in Köln befindet sich ein Spielzeug, das fast 2000 Jahre alt ist, aber heute noch genauso verkauft werden könnte.

02.10.2022 - 07:28:22

Der kleine Reiter - Lieblingsspielzeug von vor 2000 Jahren. Sein Besitzer? Vielleicht ein Junge mit dem Namen Roxtanus.

Ein Reiter auf einem Pferdchen mit Rädern. Durch das Pferdemaul ist ein Loch gebohrt, an dem man die Ziehschnur befestigen kann. Das Unglaubliche: Dieses Spielzeug im Römisch-Germanischen Museum stammt aus dem 1. bis 3. Jahrhundert. Es wurde in Köln entdeckt, die genauen Fundumstände sind nicht bekannt. Auch die Räder sind noch die originalen, nur die alten Achsen aus Holz wurden erneuert.

Ursprünglich waren Pferd und Reiter bunt bemalt. In das Pferdchen sind Buchstaben eingeritzt: ROX und TANS. Das könnte man wohl zu Roxtanus ergänzen, einem keltischen Namen, erklärt Kathrin Jaschke vom Kölner Museumsdienst im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

«Wenn das Pferdchen einem Roxtanus gehörte, dann muss der Käufer die Einritzung des Namens schon früh mit dem Verkäufer abgesprochen haben. Denn der Name wurde vor dem Brennen im Töpfereiofen eingeritzt. Dann haben wir hier kein Spielzeug von der Stange», sagt Jaschke. «Das wäre aber nicht allzu ungewöhnlich, denn es wurde viel mehr auf Bestellung hergestellt als heute.»

Sprechende Namen

Roxtanus könnte allerdings auch der Name des Pferdes sein. «Wir wissen von bekannten Rennpferden, dass sie oft sprechende Namen hatten. Auf einem Mosaik in Trier sind die Namen von vier Pferden eines Wagenlenkers überliefert. Eines davon hieß "Compressor".»

War das Spielzeug vielleicht ein Geburtstagsgeschenk? Das lässt sich nicht sagen, aber gefeiert haben die Römer Geburtstage schon. Auch dass es einem Jungen gehörte, ist nicht sicher: Zwar lernten mehr Jungen als Mädchen reiten, «aber die Begeisterung für den Pferdesport galt sicher für beide Geschlechter», sagt Jaschke.

Der kleine Reiter auf seinem Pferdchen gehört zu den Schätzen des Römisch-Germanischen Museums. Köln steht auf den Resten einer römischen Großstadt, so dass man hier kaum einen Spatenstich tun kann, ohne auf Relikte dieser untergegangenen Zivilisation zu stoßen. Gebrauchsgegenstände aus Ton gehören ebenso dazu wie teure Gläser und große Grabdenkmäler aus Stein.

Zurzeit wird der Museumsbau direkt neben dem Kölner Dom saniert. Im Ausweichquartier im Belgischen Haus kann nur ein Teil der Dauerausstellung gezeigt werden. Das Ziehpferdchen ist nicht durchgängig mit dabei - römisches Kinderspielzeug ist aber immer zu sehen, ob es nun ein Mühlespiel ist oder Spielsteine aus Glas.

@ dpa.de

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