Ürümqi, Xinjiang

Haben die strikten Corona-Maßnahmen den Rettungseinsatz bei einem Brand in Nordwest-China erschwert? Anwohner befürchten das.

26.11.2022 - 09:33:41

Tote bei Wohnungsbrand in Xinjiang - mitten im Lockdown

Bei einem Wohnungsbrand in der nordwestchinesischen Stadt Ürümqi sind mindestens zehn Menschen getötet und weitere neun verletzt worden. Das teilten die Behörden am Samstag mit. Auf im Internet kursierenden Videos war zu sehen, wie im 15. Stock eines Appartementhaus riesige Flammen aus den Fenstern loderten. Der Brand war bereits am Donnerstag ausgebrochen.

Große Teile der Region Xinjiang, dessen Hauptstadt Ürümqi ist, befinden sich bereits seit mehr als 100 Tagen im Corona-Lockdown. Etliche Chinesen kritisierten in sozialen Netzwerken, dass die rigiden Maßnahmen beim Wohnungsbrand die Rettung erschwert hätten. Anwohner schrieben, den Bewohnern sei die Flucht ins Freie durch abgeschlossene Wohnungstüren erschwert worden. Darüber hinaus seien einige aus Furcht, die vorgeschriebenen Ausgangssperren zu verletzen, zu spät oder gar nicht aus ihren Wohnungen geflüchtet. Einsatzkräfte der Feuerwehr seien wegen Gitterzäunen und im Weg stehender Autos deutlich verspätet eingetroffen.

Proteste gegen strengen Lockdown

In der Nacht kursierten mehrere Videos in Chinas sozialen Medien, die Proteste gegen die Lockdowns in Ürümqi zeigen sollten. Unabhängig überprüfen lassen sich die Aufnahmen nicht.

China leidet derzeit unter den höchsten Corona-Zahlen seit Beginn der Pandemie. Auch am Samstag meldete die Gesundheitskommission in Peking mit knapp 35.000 neuen Fällen einen Rekordwert. In Millionenstädten wie Peking, dem schwer betroffenen südchinesischen Guangzhou oder in Chongqing gelten weitgehende Bewegungsbeschränkungen.

Während der Rest der Welt längst mit dem Virus lebt, hält China weiter unbeirrt an seiner strengen Null-Covid-Strategie fest. Schon bei einzelnen Fällen werden Wohnviertel abgeriegelt. Kontaktpersonen kommen in Quarantänelager. Infizierte werden im Krankenhaus isoliert.

@ dpa.de