Geflüchtete, Mecklenburg-Vorpommern

Erst ein Hakenkreuz am Eingang, dann das Feuer: Mitten in der Nacht müssen Geflüchtete aus der Ukraine ihre Unterkunft in Mecklenburg-Vorpommern verlassen.

20.10.2022 - 12:18:22

Brand in Hotel für Geflüchtete: Politisches Motiv vermutet. Der Staatsschutz ermittelt.

Nach dem Brand einer Unterkunft für ukrainische Geflüchtete in Groß Strömkendorf bei Wismar in Mecklenburg-Vorpommern vermutet die Polizei einen politischen Hintergrund. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen, teilte das Polizeipräsidium Rostock mit. Unterstützt werde die Ermittlungsgruppe von Kräften des Kriminalkommissariats Wismar.

Das ehemalige Hotel brannte am späten Mittwochabend nieder. Zum Zeitpunkt des Feuers hätten sich dort nach Angaben des Leiters insgesamt 14 Geflüchtete überwiegend ukrainischer Herkunft aufgehalten, darunter zwei Kinder, zwei Jugendliche und eine Seniorin. Verletzt wurde niemand.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel (SPD) wies bei einem Besuch am Brandort darauf hin, dass am Montag Hakenkreuz-Schmierereien an dem Gebäude entdeckt worden seien. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) schrieb auf Twitter: «Menschen, die vor Krieg flüchten, brauchen unseren Schutz und unsere Unterstützung. Hetze und Gewalt dulden wir nicht!»

Auch der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Rostock, Michael Peters, zeigte sich bestürzt. «Jeder Angriff auf Flüchtlinge oder deren Unterkünfte ist auch eine Attacke auf unsere Grundwerte. Ein solcher Angriff ist erschütternd und nicht hinnehmbar gleichermaßen», erklärte er. Die Ermittlungen zu dem Feuer hätten oberste Priorität.

Faeser: «Alle Hintergründe klären»

Mit Entsetzen reagierte auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser. «Menschen, die vor Putins Krieg bei uns in Deutschland Schutz gefunden haben, mussten aus den Flammen gerettet werden», sagte die SPD-Politikerin in Berlin. Der Brand in der Flüchtlingsunterkunft sei eine furchtbare Nachricht.

Faeser sagte: «Die Ermittlungen laufen und müssen jetzt alle Hintergründe klären.» Sie dankte den Einsatzkräften, dass sie alle Menschen aus dem Haus retten konnten. Es «ist ein großes Glück, dass alle unverletzt blieben», sagte die Ministerin.

Reetdach stand in Flammen

Das Feuer war am Mittwochabend ausgebrochen. Ein Brandmelder hatte angeschlagen. Mitarbeiter versuchten noch vergeblich, das zunächst an der Außenseite des Hauses entstandene Feuer zu löschen. Die Flammen griffen aber nach ersten Ermittlungen dann auf das Reetdach auf den gesamten Dachstuhl und die Innenräume über.

Etwa 120 Feuerwehrleute bekämpften die Flammen, die am Morgen schließlich gelöscht waren. Wann der Gutachter die Brandruine betreten könne, hänge von der Standfestigkeit der Ruine ab, hieß es.

Die Flüchtlinge konnten vom Landkreis in anderen Unterkünften untergebracht werden. Der Bürgermeister von Blowatz, wozu Groß Strömkendorf gehört, Tino Schmidt (SPD) zeigte sich betroffen: «Ich bin erschrocken und verärgert», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Bisher habe es in der Region keine Anzeichen für rechtsmotivierte Umtriebe gegeben. Man habe ein sehr gutes Verhältnis zu den Kriegsflüchtlingen. So waren in dem Hotel zeitweise bis zu 170 Menschen aus der Ukraine untergebracht.

Im Sommer habe man zusammen mit den Flüchtlingen und dem DRK, das die Einrichtung betreut, noch ein fröhliches Sommerfest gefeiert. Die Meisten seien vom Kreis inzwischen in andere Unterkünfte gebracht worden. Den Sachschaden schätzt die Polizei nach ersten Ermittlungen auf mindestens eine höhere sechsstellige Summe. Es handelt sich beim Hotel um ein Gebäude in Holzständerbauweise.

@ dpa.de