Hamburg, Deutschland

Die Straße ist weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus bekannt.

02.10.2022 - 17:00:59

Sexarbeit hinter Sichtblenden: Die Herbertstraße wird 100. Auf St. Pauli unweit der Reeperbahn wird sie als «kulturelle Instanz» wahrgenommen.

Sie ist eine der bekanntesten und sündigsten Straßen Deutschlands, doch für Frauen und Jugendliche gesperrt. Nicht so am Sonntag: Die Herbertstraße in Hamburg feierte ihren 100. Geburtstag mit einem Tag der offenen Tür. Der Andrang inmitten der Amüsiermeile von St. Pauli war groß, auch viele Frauen zeigten sich interessiert.

Nach Angaben von Johanna Weber, politische Sprecherin des Berufsverbands für erotische und sexuelle Dienstleistungen, arbeiten etwa 250 Menschen in der Herbertstraße, die meisten davon Frauen. Der Berufsverband lobt, im Gegensatz zu vielen anderen Orten sei die Sexarbeit in der Herbertstraße gesellschaftlich anerkannt. Der Straßenstrich und die dort arbeitenden Menschen würden von den Anwohnern und Besuchern des Viertels nicht als Ärgernis, sondern als «kulturelle Instanz» wahrgenommen.

Bordellführungen und Live-Musik

Prostitution gibt es in der Straße seit Beginn der Bebauung im 19. Jahrhundert, wie der Quartiersmanager Lars Schütze erklärte. Die Straße habe sich von einer kleinen Ansammlung mehrerer Prostitutionsstätten hin zu einem der bekanntesten Straßenstriche des Landes entwickelt. Bis 1922 hieß sie Heinrichstraße, im Juli 1922 wurde sie dann die berühmte Herbertstraße. Die Umbenennung war damals als Zeichen eines Neuanfangs gedacht, die Freudenhäuser sollten vertrieben werden und Wohnungen entstehen, hieß es auf den am Sonntag ausgestellten Tafeln.

Zur Zeit des Nationalsozialismus war Prostitution den Angaben zufolge strikt verboten - mit Ausnahme der Herbertstraße, an deren beiden Zugängen damals Sichtblenden errichtet wurden. Die dort angebrachten Schilder wurden in den 70er Jahren auf Wunsch der Prostituierten durch den Hinweis ergänzt: «Zutritt für Männer unter 18 und Frauen verboten!».

Bei der Feier am Sonntag wurden Führungen zur Geschichte der Herbertstraße, Bordellführungen, Kunstausstellungen und Live-Musik geboten.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Vestas-Beschäftigte erneut in fünftägigem Streik. Der Windanlagenbauer lehnt das ab, möchte nur mit dem Betriebsrat über Entgelte sprechen. Hunderte Servicetechniker sind nun erneut in einen Streik getreten. Beschäftigte von Vestas wollen einen Tarifvertrag. (Wirtschaft, 28.11.2022 - 15:22) weiterlesen...

IG Metall ruft Vestas-Beschäftigte erneut zu Streik auf. Dafür soll von Montag bis Freitag die Arbeit niedergelegt werden. Auch Aktionen an verschiedenen Orten sind geplant. Die IG Metall will bei dem Windanlagenbauer Vestas Tarifverhandlungen erzwingen. (Wirtschaft, 27.11.2022 - 12:04) weiterlesen...

Victoria Trauttmansdorff sammelt Spenden für Kinder. Was sie tut, um auf ihre Weise mitzuhelfen, die Probleme zu lösen. Die Krisen der Zeit gehen wohl an niemanden vorbei, auch Victoria Trauttmansdorff nicht. (Unterhaltung, 25.11.2022 - 14:10) weiterlesen...

Klimaaktivisten kleben sich an Dirigentenpult fest. Die Aktion stieß nicht auf Begeisterung des Publikums. Klimaaktivisten haben eine Bühne im berühmtesten Konzerthaus Hamburgs gefunden. (Unterhaltung, 24.11.2022 - 11:52) weiterlesen...

Klimaaktivisten kleben sich in Elbphilharmonie fest Kein Beethoven, wenn Hamburg unter Wasser steht: Mit dieser Botschaft - und Sekundenkleber - verzögern zwei Aktivisten ein Konzert der Sächsischen Staatskapelle in Hamburg. (Unterhaltung, 23.11.2022 - 23:27) weiterlesen...

Elbvertiefung droht am Schlick zu scheitern. Doch nun macht eine erneute Verschlickung den Experten Probleme. Eine langwierige Geschichte. Die letzte Elbvertiefung ist erst vor zehn Monaten für abgeschlossen erklärt worden. (Wirtschaft, 23.11.2022 - 18:31) weiterlesen...