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Medien, Fernsehen

Die Dreharbeiten für Filme und Serien in Deutschland haben sich verändert - wegen Corona.

24.06.2020 - 14:04:05

Mehr Abstand - TV-Dreharbeiten in Corona-Zeiten. Am Set sieht vieles anders aus, so trägt das Münster-«Tatort»-Team zum Beispiel Mund-Nasen-Masken. Mit welchen Kniffs die Branche überhaupt arbeitet - ein Überblick.

  • Dreharbeiten Tatort aus Münster - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

    Axel Prahl (als Frank Thiel) trägt bei Dreharbeiten zum neuen "Tatort" aus Münster einen Mundschutz. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

  • Dreharbeiten Tatort aus Münster - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

    Jan Josef Liefers als Karl-Friedrich Boerne mit Mundschutz bei den Dreharbeiten zum neuen "Tatort" aus Münster. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Dreharbeiten Tatort aus Münster - Foto: Rolf Vennenbernd/dpaDreharbeiten Tatort aus Münster - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Für den Dreh der zweiten Staffel «WaPo Berlin» gibt es laut Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) Rollenreduzierungen in einzelnen Szenen, zum Beispiel «nur eine Ermittlerin im Verhörraum, die andere hinter dem venezianischen Spiegel, Handlungsabläufe wie Festnahmen oder Autofahrten werden umgestellt, beziehungsweise nur angedeutet, um die Abstandregeln zu gewährleisten».

Für die ZDF-Serie «Rosenheim-Cops» hat die Produktionsfirma Bavaria Fiction den Vernehmungsraum vergrößert - um Mindestabstände einhalten zu können.

Bei der Krankenhausserie «In aller Freundschaft» wird auf Szenen mit enger, körperlicher Nähe verzichtet, wie es vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) heißt. Auch bei der Familienserie «Dahoam is Dahoam» des Bayerischen Rundfunks (BR) wurden in den Drehbüchern zum Beispiel Gruppenszenen oder Szenen mit körperlicher Nähe aufgelöst und die Anzahl der Darsteller vorerst reduziert.

Innenmotive werden nach draußen verlagert. Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) werden zudem für den «Tatort» Aufnahmen auf großen öffentlichen Plätzen gemieden und gegen Orte ohne viel Publikumsverkehr getauscht.

Beim Saarbrücker «Tatort» (Arbeitstitel: «Der Herr des Waldes») geht es um eine Schulstunde. «Wir drehen zum Beispiel eine Schulstunde in einer Klasse mit Befragung durch die Kommissare. Im Augenblick denken wir darüber nach, die Szene nach draußen zu verlegen. Dies ist aber noch nicht abschließend entschieden», teilt der Saarländische Rundfunk (SR) mit.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung Studio Hamburg Production Group GmbH, Michael Lehmann, erwähnt ein Beispiel, wie das Drehbuch für die ZDF-Serie «Notruf Hafenkante» angepasst wird: «Wir hatten eine Szene geplant, bei der zwei Menschen bei einer Verfolgungsjagd einen Unfall haben und im Hafen in die Elbe ins Wasser fallen. Geplant war, dass die Wasserpolizei kommt und sie rausfischt. Das haben wir jetzt gestrichen.» Stattdessen werde der Schritt übergangen und die Rettung indirekt gezeigt, indem die zwei mit Wärmetüchern zu sehen sind.

Nach RTL-Angaben kann eine Glasscheibe auf engem Raum eine Lösung sein. Die Glasscheibe werde später bei der Postproduktion wegretuschiert.

Und Mundschutz ist am Set ein Thema. Der Regisseur und Autor Lars Becker, der die ZDF-Krimireihe «Nachtschicht» verantwortet, beschreibt den Kniff einer Drehszene mit zwei Polizeikollegen in einem Auto: «Ich muss dann die Einstellungen so raffiniert drehen, dass einer Mundschutz trägt, ohne dass man das sieht und dann im Wechsel der andere den Mundschutz trägt, ohne dass man das sieht.»

Vom MDR heißt es zur Serie «In aller Freundschaft»: «Vor und hinter der Kamera herrscht Maskenpflicht. Die Drehbuchbesprechungen finden ebenfalls mit Masken statt. Erst unmittelbar zum Dreh ihrer Szene dürfen die Schauspielerinnen und Schauspieler die Maske absetzen, müssen dann aber auf den Mindestabstand achten.»

Beim aktuellen Dreh des «Münster»-Tatorts waren die Schauspieler Axel Prahl und Jan-Josef Liefers ebenfalls mit Masken am Set zu sehen. Prahl sagte der dpa: «Es ist für mich eine große Freude, dass es endlich wieder losgeht. Es gibt natürlich vieles, das man berücksichtigen muss. Das Drehen ist daher etwas anders.»

Nicht immer reichen solche Hilfsmittel aus - was Folgen nach sich zieht. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) zählt die nächste «Tatort»-Produktion mit Maria Furtwängler und Florence Kasumba - also des Göttingen-Ermittlerteams - auf: «Das ursprünglich vorgesehene Drehbuch kann wegen der Corona-Auflagen nicht umgesetzt werden ? hier sind für die Handlung zum Beispiel sehr viele Ensemble-Szenen und Szenen mit direktem Kontakt notwendig. Daher starten die Dreharbeiten - voraussichtlich im August - mit einer komplett neu geschriebenen Vorlage», heißt es vom Sender. Das ursprüngliche Drehbuch solle weiterentwickelt und später umgesetzt werden.

Von Radio Bremen heißt es, dass etwa bei der Reportagereihe «Rabiat» für das Erste auf anderes Drehmaterial zurückgegriffen werden musste, «weil geplante Dreharbeiten nicht in dem Umfang oder gar nicht stattfinden konnten».

Der Hessische Rundfunk verzichtet in diesem Jahr auf den Dreh seines Mittwochfilms «Seitenwege» - eine Reiseproduktion durch die Weinberge des Rheingaus. Stattdessen werde ein Drehbuch für ein Kammerspiel erarbeitet, das dann zu der Zeit umgesetzt werden soll, in der eigentlich der Dreh von «Seitenwege» geplant war.

Uli Aselmann von der Produzentenallianz sagt über die jetzige Situation: «Ob die aktuellen Regelungen beispielsweise die Produktion eines "normalen" Liebesfilms möglich machen, muss sich erst noch zeigen. Die Sorge vieler Filmschaffender ist groß, dass im Rahmen des neuen Arbeitsschutzstandards Nähe vor der Kamera nur schwierig darstellbar ist und eine Art von "Corona-Filmen" entsteht, die weder dem eigenen künstlerischen Ansprüchen genügt noch das Publikum überzeugt.»

© dpa-infocom, dpa:200624-99-548006/4

@ dpa.de