Südkorea, Deutschland

Der Schock nach der tödlichen Massenpanik in Seoul sitzt tief, die Suche nach den Ursachen läuft an.

31.10.2022 - 14:24:22

Nach Massenpanik in Seoul: Regierung will Untersuchung. Die Regierung will dafür sorgen, dass sich solch eine Tragödie nicht wiederholt.

Nach der Massenpanik mit mehr als 150 Toten in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul sind die Ermittlungen zu der Katastrophe in vollem Gang. Premierminister Han Duck Soo kündigte am Montag eine gründliche Untersuchung an.

Die Regierung wolle die Ursache des Unfalls von Samstagnacht herausfinden und die nötigen Maßnahmen ergreifen, damit sich solch eine Tragödie nicht wiederhole, sagte er bei einer Sitzung im zentralen Hauptquartier für Katastrophenschutz. Die Polizei begann nach eigenen Angaben damit, Augenzeugen zu befragen und Überwachungskameras am Unglücksort sowie Videos in den sozialen Medien auszuwerten.

Ein extremes Gedränge in einer engen Gasse

Die Katastrophe sorgte im Land für eine Welle der Trauer und des Entsetzens. Auch löste sie Fragen nach der Rolle der Behörden und den Sicherheitsvorkehrungen aus. Zu dem Unglück in der Millionenmetropole kam es, als in dem beliebten Ausgehviertel Itaewon Zehntausende Menschen dicht gedrängt zu unorganisierten Halloween-Feiern zusammenkamen. Im extremen Gedränge in einer schmalen und abschüssigen Seitengasse wurden zahlreiche Menschen laut Augenzeugen und Angaben der Rettungskräfte eingeklemmt. Viele stürzten zu Boden, erstickten, wurden zerquetscht oder totgetreten.

Premierminister Han rief die Menschen dazu auf, hämische Kommentare zu unterlassen und keine Falschinformationen und verstörenden Bilder zu verbreiten. «Im Internet und in den sozialen Medien posten einige Nutzer Hasskommentare über die Opfer oder verbreiten Bildmaterial und nicht bestätigte Informationen zu dem plötzlichen Massenandrang.»

Hätten die Behörden mehr tun können?

In einigen südkoreanischen Medien wurde am Montag kritisiert, dass die Behörden auf den Ansturm so großer Massen und die möglichen Folgen für die Sicherheit offensichtlich nicht ausreichend vorbereitet gewesen seien. Innenminister Lee Sang Min hatte am Samstag dagegen gesagt, das Unglück hätte vermutlich auch dann nicht vermieden werden können, wenn noch mehr Polizisten und Feuerwehrleute in das Viertel geschickt worden wären.

Zusammen mit forensischen Experten untersuchten Ermittler der Polizei am Montag den Unglücksort. Die Polizei habe ein Sonderteam aus 475 Personen für die Untersuchungen gebildet, sagte der Chefermittler der nationalen Polizeibehörde, Nam Gu Jun. Unter anderem soll untersucht werden, wie es zu dem plötzlichen Andrang in der Gasse kam und warum die Menschen nicht entkommen konnten.

Anteilnahme aus aller Welt

Bei dem Massenunglück kamen nach Angaben des Innenministeriums mindestens 154 vorwiegend junge Menschen ums Leben. Darunter seien auch sechs Schüler im Teenageralter gewesen. Bis auf einen Toten wurden demnach alle identifiziert. Nach aktualisierten Zahlen vom Montag wurden zudem 149 Personen verletzt, mehr als 30 von ihnen schwer. Unter den Todesopfern befanden sich auch 26 Ausländer aus verschiedenen Ländern.

Präsident Yoon Suk Yeol hatte bereits kurz nach der Katastrophe angekündigt, es werde eingehende Untersuchungen geben. Auch rief er eine mehrtägige landesweite Trauerzeit bis zum Samstag aus. Am Montag besuchte er einen Gedenkaltar für die Unglücksopfer in der Innenstadt von Seoul. In der Nähe des Unglücksorts legten Menschen als Ausdruck ihrer Trauer Blumen nieder oder zündeten Kerzen an.

Es war die schlimmste Katastrophe in Südkorea seit dem Untergang der Fähre «Sewol» 2014 vor der Küste des Landes, als 304 Menschen starben. Regierungs- und Staatschefs aus aller Welt brachten ihre Anteilnahme zum Ausdruck, darunter der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der in den nächsten Tagen Japan und Südkorea besucht. Der britische König Charles schrieb in einem auf Twitter veröffentlichten Kondolenzschreiben an den südkoreanischen Präsidenten, sein Mitgefühl und das seiner Frau Camilla gelte den trauernden Familien der Verunglückten.

@ dpa.de