Museen, Kulturpolitik

Der neue Hauptstadtflughafen ist nur das bekannteste Beispiel: Großprojekte in Berlin haben ihre TĂŒcken.

18.08.2017 - 17:22:05

Start in Etappen? - Zeitplan fĂŒr Berliner Schloss im Wanken. Womöglich wird's nun auch beim Schloss spĂ€ter als geplant.

Berlin - Es klingt ja auch einfach zu schön. «Die Rekonstruktion des Berliner Schlosses liegt im Zeit- und Kostenrahmen» - so versichern die Verantwortlichen mantramĂ€ĂŸig. Doch jetzt gibt es Zweifel, ob der Eröffnungstermin fĂŒr das Mammutprojekt Ende 2019 tatsĂ€chlich zu halten ist.

Das mit dem Zeit- und Kostenrahmen stimme nach wie vor, versicherte Kulturstaatsministerin Monika GrĂŒtters (CDU) am Freitag der dpa. «Die Frage stellt sich aber, ob es didaktisch wirklich sinnvoll ist, alles auf einen Schlag zu eröffnen oder ob man die Inhalte in vertretbaren Phasen prĂ€sentiert.» Trotz des «didaktischen» Schlenkers klingt das schon sehr nach Aufschub - auch wenn GrĂŒtters betont, die Entscheidung liege vor allem bei den Intendanten.

Das Schloss soll unter dem Namen Humboldt Forum ein weltweit beachtetes Kultur- und Museumszentrum werden. Die «SĂŒddeutsche Zeitung» (SZ) berichtete am Freitag, unter den Verantwortlichen glaube niemand mehr an den geplanten Eröffnungstermin im November 2019. Allenfalls ein Teil der Geschosse werde fĂŒr das Publikum fertig sein.

Als Grund nennt das Blatt unter anderem Schwierigkeiten bei dem Plan, Großobjekte wie die berĂŒhmten SĂŒdseeboote vorab in den noch unfertigen Bau zu bringen.

Die dafĂŒr verantwortliche Stiftung Preußischer Kulturbesitz erklĂ€rte, bei jedem Großprojekt mĂŒssten die AblĂ€ufe regelmĂ€ĂŸig angepasst werden. Derzeit erarbeite man «konstruktive Lösungen», um den Umzug wie geplant zu bewerkstelligen und den Eröffnungstermin 2019 zu halten.

TatsĂ€chlich jedoch gibt es nach dpa-Informationen bei den Beteiligten schon lĂ€nger Überlegungen zu einem Start in Stufen. So könnten beispielsweise die oberen Etagen mit den Sammlungen des Ethnologischen und des Asiatischen Museums die TĂŒröffner sein. Alternativ wird ĂŒber ein Feuerwerk im Erdgeschoss mit einer publikumstrĂ€chtigen Sonderausstellung nachgedacht, der die anderen Stockwerke folgen könnten.

Dass das hochambitionierte Haus eine lĂ€ngere Vorbereitungszeit durchaus vertragen könnte, haben die jĂŒngsten Debatten gezeigt. So ist die Erforschung der kolonialen Vergangenheit vieler Objekte noch nicht annĂ€hernd abgeschlossen. Wenn das Versprechen ernst gemeint ist, nur sauber geklĂ€rte Provenienzen zu prĂ€sentieren, steht noch eine Mammutaufgabe bevor.

Auch ĂŒber das Gesamtkonzept des Hauses gibt es nach wie vor Unklarheit. So haben die GrĂŒndungsintendanten um den britischen Museumsmacher Neil MacGregor als Vorgeschmack zwar bereits zwei kleinere Ausstellungen prĂ€sentiert, doch ein roter Faden ließ sich nach ĂŒbereinstimmender Meinung der Experten darin nicht erkennen.

FĂŒr Debatten sorgt schließlich auch die Rolle Berlins. Das Land ist mit 32 Millionen an den Gesamtkosten von fast 600 Millionen Euro beteiligt und soll dafĂŒr eine AusstellungsflĂ€che von 4000 Quadratmetern bekommen. Laut SZ gibt es aber erneut VorschlĂ€ge, Berlin solle aus dem Projekt aussteigen.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) weist das entschieden zurĂŒck. «Wir haben keinerlei Anlass zu solchen GerĂŒchten gegeben», sagte er der dpa. «Wir arbeiten mit Feuereifer an der Sache und sind absolut bereit, unseren Anteil am Gelingen des Projekts zu leisten.»

Die Ausstiegsidee kam ursprĂŒnglich allerdings sogar von Berlin selbst. Der frĂŒhere Regierende BĂŒrgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte sich den Schritt mit 80 Millionen Euro fĂŒr die Landeskasse vergolden lassen wollen - dazu kam es jedoch nicht.

Nachfolger Michael MĂŒller (SPD) kippte dann kurzerhand die bisherigen PlĂ€ne und schlug eine ganz neue Ausstellung vor. «Das hat natĂŒrlich Geld und Zeit gekostet», sagt GrĂŒtters. «Berlin war immer ein schwieriger Partner.»

Auch die geplante Gesamtintendanz fĂŒr das Haus will das Land dem Vernehmen nach nicht akzeptieren. «Das ist keine Shopping Mall, wo jeder sein StĂŒbchen hat und machen kann, was er will», heißt es aus Kreisen der Verantwortlichen.

Inzwischen ist sogar schon eine Alternative fĂŒr die Berlin-Ausstellung im GesprĂ€ch: Das Museum EuropĂ€ischer Kulturen, das bisher allein am abgelegenen Standort Dahlem bleiben sollte, könnte so noch im Humboldt Forum seinen Platz finden.

@ dpa.de

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