Theater, Auszeichnungen

Der Iffland-Ring gebürt dem «Würdigsten» unter den Schauspielern im deutschsprachigen Raum.

22.03.2019 - 13:27:15

Auszeichnung - Iffland-Ring geht an Jens Harzer. Der im Februar gestorbene Bruno Ganz trug ihn rund 20 Jahre. Er hat testamentarisch einen Nachfolger bestimmt.

Wien - Seine Karriere stand anfangs auf der Kippe. Als 19-Jähriger wirkte Jens Harzer auf die Prüfungskommission der Otto-Falckenberg-Schule zu sanft und zu zurückhaltend. So beschrieb der «Spiegel» die kritische Situation.

Dann nahm der Schauspieler Jörg Hube den jungen Mann aus Wiesbaden unter seine Fittiche und studierte mit ihm die Rolle des St. Just aus «Dantons Tod». Es klappte - Harzer durfte die Schauspielschule besuchen. Knapp 30 Jahre später ist Harzer, Ensemblemitglied beim Hamburger Thalia Theater, auf dem Olymp des Schauspieler-Lebens angekommen: Er ist neuer Träger des Iffland-Rings. Das teilte Österreichs Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) am Freitag mit.

Die auf Lebenszeit vergebene Auszeichnung erhält der «bedeutendste und würdigste Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters» auf Lebenszeit. Der im Februar gestorbene Schweizer Schauspieler Bruno Ganz, der den Iffland-Ring rund 23 Jahre trug, hatte Harzer zu seinem Nachfolger bestimmt. Einem breiten Publikum ist Harzer spätestens seit seiner Rolle als Arzt in der TV-Serie «Babylon Berlin» bekannt.

«Ich freue mich von ganzem Herzen für Jens Harzer», sagte die Intendantin des Wiener Burgtheaters Karin Bergmann in einer ersten Reaktion. Sie erinnere sich an Rollen, die Harzer «taumelnd, sich verlierend, wütend und ratlos ? ganz eigen, ganz unverwechselbar, ganz Harzer, zutiefst berührend und am Ende triumphal» verkörpert habe. «Ich wusste, dass Bruno Ganz eine vollkommene Wahl treffen wird, auch wenn ich mir den Iffland-Ring erstmals gut an einer Frauenhand hätte vorstellen können», so Bergmann. Der Iffland-Ring wird voraussichtlich noch vor dem Sommer auf der Bühne des Burgtheaters von Österreichs Kulturminister übergeben.

Erste Schauspiel-Erfahrungen sammelte der heute 47-Jährige unter anderem in der Theater-AG des Gymnasiums am Mosbacher Berg in Wiesbaden. Dort stand er als Josef K. in dem Stück «Der Prozess» nach einem Roman von Franz Kafka und als Leonce in «Leonce und Lena» von Georg Büchner auf der Bühne.

Noch vor Ende seiner Ausbildung in München wurde Harzer Ensemblemitglied bei den dortigen Kammerspielen und galt Mitte der 1990er Jahre als «aufregendster junger deutscher Schauspieler». Mit 24 Jahren erhielt Harzer den bayerischen Förderpreis für junge Künstler und den Kunstpreis Berlin für Nachwuchsschauspieler. Es folgten zahlreiche Engagements auf den Theaterbühnen und immer mehr Angebote, in Kino- und TV-Filmen mitzuspielen.

Harzer ist seit 2009 am Thalia Theater in Hamburg und stand in Österreich unter anderem bei den Salzburger Festspielen 2018 auf der Bühne. Die Kritiker würdigten seinen «eigentümlich traumverlorenen Blick», der an einen «romantischen Grübler» erinnere. Harzers Vorbild war Bruno Ganz. Bei dessen Beisetzung am Mittwoch in Zürich verlas Harzer die Trauerrede des Dramatikers Botho Strauß. In der Botho-Strauß-Inszenierung «Ithaka» standen Harzer und Ganz gemeinsam auf der Bühne. Ganz als Odysseus, Harzer als sein Sohn.

Der Iffland-Ring wird bisher nur an Männer weitergegeben. Diesen Umstand hatte jüngst das Fachmagazin «Theater heute» kritisiert. Der Preis solle endlich auch für Frauen geöffnet werden, forderte die Redaktion. Für Schauspielerinnen gibt es den weitaus weniger bekannten Alma-Seidler-Ring.

Ganz, der im Februar einer Krebserkrankung erlegen war, hatte den Ring einst vom österreichischen Schauspieler Josef Meinrad (1913-1996) zugesprochen bekommen. Er soll zunächst seinen fast gleichaltrigen Bühnenkollegen Gert Voss als Nachfolger bestimmt haben. Voss starb aber 2014. Zum Kreis der Kandidaten waren auch Schauspieler wie Martin Wuttke, Nicholas Ofczarek, Ulrich Matthes, Klaus Maria Brandauer, Lars Eidinger, Joachim Meyerhoff und Ulrich Tukur gezählt worden.

@ dpa.de