CSD, Queer

Bei einer CSD-Versammlung in Münster werden Frauen übel beschimpft.

03.09.2022 - 10:57:27

Tödlicher CSD-Angriff: Verdächtiger schweigt weiterhin. Ein junger Mann setzt sich für sie ein. Sechs Tage später stirbt er. Nur wenig später wird ein Verdächtiger festgenommen.

  • Menschen haben auf dem Hafenplatz in Münster eine Fahne ausgelegt, die mit bemalten Steinen beschwert ist. Ein 25-jähriger Mann, der am Samstagabend bei einer Christopher-Street-Day-Versammlung in Münster niedergeschlagen wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. - Foto: David Inderlied/dpa

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  • Menschen demonstrieren am Freitagabend auf dem Prinzipalmarkt in Münster gegen Gewalt gegen queere Menschen. - Foto: Friso Gentsch/dpa

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  • Ein Demonstrant hält in Münster ein Plakat gegen queerfeindlichen Hass in die Luft. - Foto: Friso Gentsch/dpa

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Menschen haben auf dem Hafenplatz in Münster eine Fahne ausgelegt, die mit bemalten Steinen beschwert ist. Ein 25-jähriger Mann, der am Samstagabend bei einer Christopher-Street-Day-Versammlung in Münster niedergeschlagen wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. - Foto: David Inderlied/dpaMenschen demonstrieren am Freitagabend auf dem Prinzipalmarkt in Münster gegen Gewalt gegen queere Menschen. - Foto: Friso Gentsch/dpaEin Demonstrant hält in Münster ein Plakat gegen queerfeindlichen Hass in die Luft. - Foto: Friso Gentsch/dpa

Der Tatverdächtige im Fall des tödlichen Angriffs auf einen 25-Jährigen bei einer Christopher-Street-Day-Versammlung schweigt bisher weiter zu den Vorwürfen.

Der Mann habe sich seit seiner Festnahme am Hauptbahnhof in Münster am Freitag nicht geäußert, sagte Oberstaatsanwalt Dirk Ollech auf dpa-Anfrage. Der 20-Jährige werde am Mittag dem Haftrichter vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft Münster habe einen Haftbefehl wegen Körperverletzung mit Todesfolge beantragt.

Die Tat

Der tatverdächtige 20-Jährige aus Münster soll laut Polizei und Staatsanwaltschaft bei der CSD-Versammlung am 27. August mehrere Frauen unter anderem mit den Worten «lesbische Hure» beschimpft und drohend auf sie zugegangen sein. Der 25-Jährige habe die Situation mitbekommen und den Mann gebeten, die Beleidigungen zu unterlassen, hieß es. Doch der soll zugeschlagen haben, unvermittelt, mindestens einmal mit der Faust.

Der 25-Jährige sei zu Boden gegangen und mit dem Kopf unglücklich auf dem Asphalt aufgeprallt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er kam ins Krankenhaus, wurde später ins künstliche Koma versetzt und starb am frühen Freitagmorgen. Die Leiche soll am Montag obduziert werden.

Der Täter flüchtete. Tagelang wertete eine Mordkommission Zeugenhinweise sowie Bild- und Videomaterial aus. Die Beamten fanden dabei Bilder vom mutmaßlichen Täter. Eine Ermittlerin der Mordkommission erkannte den Gesuchten schließlich am Freitagnachmittag am Hauptbahnhof und nahm ihn fest.

Ermittlungen

Ermittelt wird auch gegen einen unbekannten Begleiter des Mannes, der nach der Tat mit ihm geflohen sein soll. «Möglicherweise ist er an den Beleidigungen beteiligt gewesen», sagte Oberstaatsanwalt Ollech.

Für Felix Adrian Schäper, Vorstand des Vereins Trans*Inter*-Münster, steht fest: «Es war auf jeden Fall ein queerfeindlicher Angriff.» Der 25-Jährige sei ein Transmann gewesen. Und der Angreifer habe vorher zwei lesbische Frauen homofeindlich beschimpft. An einer Trauerkundgebung am Freitagabend in Münster nahmen nach Polizeiangaben in der Spitze rund 5000 Menschen teil.

Laut der Stadt werden in Münster an allen städtischen Gebäuden die Flaggen auf halbmast gesetzt. «Er geht uns alle an», sagte Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) mit Blick auf den Angriff. «Unsere Stadtgesellschaft ist weltoffen und tolerant und wird weiter dafür kämpfen, ein sicherer Ort für marginalisierte Menschen zu sein.»

@ dpa.de