Störung, Deutschland

Ausgerechnet zum Wochenendstart werden unzählige Reisende am Samstag ausgebremst.

08.10.2022 - 13:02:43

Bahn: Massive Zugausfälle nach Kabel-Sabotage. Eine Störung legt den gesamten Fern- und teils auch den Regionalverkehr lahm. Nach Bahn-Angaben betraf die Panne eine «unverzichtbare» Technik.

  • In Norddeutschland legt eine Störung den Fernverkehr lahm. - Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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  • In Norddeutschlan fallen große Teile es Bahnverkehrs aus. - Foto: Stefan Sauer/dpa

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  • Eine technische Störung führte in Norddeutschland zum kompletten Stillstand im Fernverkehr. - Foto: Bodo Marks/dpa

    Bodo Marks/dpa

In Norddeutschland legt eine Störung den Fernverkehr lahm. - Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpaIn Norddeutschlan fallen große Teile es Bahnverkehrs aus. - Foto: Stefan Sauer/dpaEine technische Störung führte in Norddeutschland zum kompletten Stillstand im Fernverkehr. - Foto: Bodo Marks/dpa

Über Stunden geht nichts mehr auf den meisten Schienen im Norden: Eine technische Störung des Zugfunks hat am Samstag ein Chaos bei der Bahn ausgelöst und vielen Reisenden den Start ins Wochenende vermasselt.

Betroffen waren der Fern- und teils auch der Regionalverkehr der Deutschen Bahn in weiten Teilen Norddeutschlands. Im Laufe des Vormittags meldete die Bahn dann, dass die Störung behoben sei, es aber weiter zu Beeinträchtigungen kommen könne.

Unzählige Fahrgäste strandeten an den großen Bahnhöfen wie Hannover, Hamburg und Berlin. An Auskunftsschaltern bildeten sich lange Warteschlangen, während an den großen Anzeigetafeln in den Bahnhofshallen entweder pure Leere herrschte oder über «unbestimmt verspätete» Züge oder Komplettausfälle informiert wurde.

Viele Reisende stranden in Hannover

Am Bahnknotenpunkt Hannover, an dem sich wichtige Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen der Bahn treffen, bewahrten die wartenden Bahnreisenden weitgehend Ruhe, wie ein dpa-Reporter berichtete. Viele von ihnen hätten zwar kopfschüttelnd vor der großen Anzeigetafel, die über die Zugausfälle informierte, gestanden. Aber eine aggressive Stimmung habe nicht geherrscht.

Später habe die Bahn beginnen wollen, Kaffee und Tee an die Wartenden zu verteilen. Draußen hätten sich am Taxistand Grüppchen gebildet und versucht, sich in kleinen Fahrgemeinschaften per Taxi in die nächste Großstadt durchzuschlagen.

In Hamburg verließ um 10.49 Uhr als erster Fernverkehrszug der ICE 509 nach München über Berlin und Erfurt den Hauptbahnhof, wie eine dpa-Reporterin dort berichtete. Er sei mit einer Verspätung von einer halben Stunde und stark überfüllt losgefahren.

Bahn vermutet Sabotage

Die großflächigen Ausfälle im Zugverkehr in Norddeutschland gehen nach Aussage der Bahn auf Sabotage zurück. «Aufgrund von Sabotage an Kabeln, die für den Zugverkehr unverzichtbar sind, musste die Deutsche Bahn den Zugverkehr im Norden heute Vormittag für knapp drei Stunden einstellen», sagte eine Sprecherin am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die zuständigen Sicherheitsbehörden hätten die Ermittlungen aufgenommen.

Der Kabelschaden an dem sogenannten Lichtwellenkabel beeinträchtigte dabei den digitalen Zugfunk GSM-R (Global System for Mobile Communications - Rail), erklärte eine Bahn-Sprecherin. «Er dient der Kommunikation zwischen den Leitstellen, die den Zugverkehr steuern, und den Zügen und ist damit unverzichtbarer Bestandteil für den reibungslosen Zugverkehr.» Die Bundespolizei ermittelt nun.

Am Morgen hatte die Hiobsbotschaft gelautet: «Es gibt derzeit keine Reisemöglichkeiten mit dem Fernverkehr von/nach Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen in/aus Richtung Kassel-Wilhelmshöhe, Berlin und NRW.» Konkret war beispielsweise der gesamte ICE-Verkehr zwischen Berlin, Hannover und Nordrhein-Westfalen eingestellt, wie die Bahn in ihrem Internetauftritt mitgeteilt hatte.

Auch internationale Verbindungen waren betroffen. So fuhren IC-Züge zwischen Berlin und Amsterdam gar nicht. IC-Züge von Kopenhagen endeten an der dänisch-deutschen Grenze in Padborg. Stillstand herrschte teils auch bei Regionalzügen - so bei RE- und RB-Verbindungen in Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein, wie die Bahn mitteilte.

Als Alternative schlug das Unternehmen Reisenden zwischen Berlin und Köln sowie zwischen Berlin und Baden-Württemberg und der Schweiz vor, Verbindungen des Fernverkehrs mit Umstieg in Erfurt und Frankfurt am Main zu nutzen. «Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die noch verkehrenden Züge teilweise ein sehr hohes Reisendenaufkommen zu verzeichnen haben», hieß es.

Alternativverbindungen vollkommen überfüllt

Viele Reisende, die etwa von Berlin nach Nordrhein-Westfalen fahren wollten, folgten der Empfehlung der Bahn und nahmen den Umweg mit Umstieg in Frankfurt auf sich. Die Folge waren völlig überfüllte Züge, wie ein dpa-Reporter aus dem ICE 934 auf der Fahrt nach Frankfurt berichtete. «Kein Durchkommen in den Gängen, weil alles mit sitzenden oder dort stehenden Fahrgästen blockiert ist», erzählte er.

Die Bahn empfahl ihren Reisenden, sich kurz vor geplanten Fahrten über www.bahn.de/reiseauskunft, über die App «DB Navigator» oder telefonisch unter 030/2970 zu informieren. Außerdem versprach die Bahn eine Sonderkulanz: Alle Fahrgäste, die ihre für den 8. Oktober geplante Reise wegen der Zugfunkstörung verschoben haben, können ihr bereits gebuchtes Ticket für den Fernverkehr innerhalb der nächsten sieben Tage flexibel nutzen, wie es hieß. «Zudem gelten bei Verspätung oder Zugausfall die allgemeinen Fahrgastrechte.»

@ dpa.de