Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Tourismus, Gesundheit

Rom im Corona-Sommer 2020 sei wunderbar, sagen die einen.

24.07.2020 - 17:48:11

Fast allein am Trevi-Brunnen - Die Touristenhochburg Rom muss sich neu erfinden. Andere sprechen von einer «Katastrophe». Italiens Hauptstadt fast ohne ausländische Touristen lässt keinen kalt.

  • Coronavirus - Rom - Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpa

    Kutschen warten vor dem Kolosseum auf Kunden. Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpa

  • Coronavirus - Rom - Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpa

    Spansiche Treppe fast leer: Die Zahl der ausländischen Touristen ist wegen der Corona-Pandemie extrem niedrig. Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpa

  • Coronavirus - Rom - Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpa

    Nur wenige Menschen gehen über die Piazza Navona. Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpa

  • Coronavirus - Rom - Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpa

    Leere Restauranttischder Piazza Navona. Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpa

Coronavirus - Rom - Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpaCoronavirus - Rom - Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpaCoronavirus - Rom - Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpaCoronavirus - Rom - Foto: Petra Kaminsky/dpa/dpa

Rom - Morgens um halb zehn öffnet ein Mitarbeiter die Metalltore der Touristeninformation am Kolosseum. Die Sonne scheint - geniales Wetter für eine Erkundungstour durch antike Stätten in Rom, zu Brunnen und Treppen im Zentrum der italienischen Hauptstadt.

Doch der Platz vor dem Info-Büro ist fast leer. Genau wie die Straße, die zum Amphitheater der alten Römer führt. «Rom ist derzeit wunderbar - wunderbar leer», sagt Oliver Kraushaar. Der Berliner Schauspieler ist einer der wenigen Urlauber, die in der Stadt mit 2,8 Millionen Einwohnern unterwegs sind.

Die Corona-Pandemie hat den halben Globus verändert, und damit auch Rom als eines der beliebtesten Stadtreiseziele. Besucher und Einheimische können Straßen und Plätze erleben, die an Schwarzweiß-Fotos aus den 50er Jahren erinnern. Der Lockdown ist zwar längst vorbei, seit 3. Juni ist Italien offen für EU-Bürger. Doch das Zeitalter des Massentourismus, das 2019 fast 20 Millionen Gäste anzog, scheint Lichtjahre entfernt.

Kraushaar, Sonnenbrille im Haar, den Rucksack umgehängt, ist mit seiner Frau, dem neunjährigen Sohn und der sechsjährigen Tochter angereist. «Die Hotels sind gerade viel günstiger als normal», freut sich der Darsteller vom Berliner Ensemble, der auch schon im «Tatort» mitgespielt hat. Diese Phase sei eine Chance. Sie könnten mit den Kindern eintauchen in Kunst und Geschichte: Im Vatikan seien sie gewesen, Karten für das archäologische Tempelareal, das Forum Romanum, seien vorbestellt. «Natürlich achten wir auf Corona-Schutz», sagt Kraushaar.

Die Berliner Familie ist ein typisches Beispiel für die neuen Rom-Touristen: Man sieht Familien mit Kindern, darunter viele Italiener. Junge Leute, Entdeckertypen in kleinen Gruppen, überqueren den beliebten Treffpunkt Campo de? Fiori. Verschwunden sind die Bustouristen, Seniorengruppen mit Reiseführer sowie ein Großteil der zahlungskräftigen Asiaten und Amerikaner.

Die Heftigkeit, mit der Italien von der Virus-Welle getroffen wurde, steckt tief in den Köpfen von Reisewilligen. Deutsche zieht es an die eigenen Küsten oder nach Bayern. «Das ist ein psychologisches Problem», heißt es in der Stadtverwaltung. Obwohl die Gesundheitslage in Rom nie kritisch war und die Infektionszahlen in dem Mittelmeerland insgesamt Mitte Juli oft unter den deutschen liegen, springt der Tourismus nicht an. Für Chinesen, Japaner, Amerikaner und viele andere gilt ohnehin weiter eine zweiwöchige Quarantäne.

Deshalb findet man am Trevibrunnen sofort einen Platz ganz vorne, mit bester Sicht auf das Wasserspiel aus dem 18. Jahrhundert. Auf der Spanischen Treppe pfeift ein Polizist mit der Trillerpfeife einen jungen Mann an, der sich dort entspannt ausruht. Die Stadt hat das Sitzen auf den Marmorstufen 2019 verboten, um des Ansturms und des Mülls Herr zu werden. Irgendwie klingt der Pfeifton ein Jahr später fehl am Platz.

Auf den Weg zum Pantheon mit seiner imposanten Kuppel, zur Piazza Navona und zum Petersdom durchquert man die Einkaufsmeile. Egal ob Läden Ramsch-Mode oder teure Designerware verkaufen: Schilder signalisieren in vielen Geschäften Rabatte bis zu 70 Prozent. Selbst neuste Kollektionen sind leicht reduziert. Leere, aufgegebene Geschäfte zeugen von Problemen. Den Lärm der U-Bahn-Großbaustelle an der Piazza Venezia galt es schon immer zu meiden.

In Italien steuert der Tourismus rund 13 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Vor diesem Hintergrund wirkt der Einbruch in Rom noch drastischer: Die Statistiker zählten im Juni 2020 nur rund 6300 Ankünfte von Ausländern in Hotels und Pensionen - etwa ein Viertel davon aus Deutschland. Ein Jahr zuvor hatten mehr als 773 000 Menschen im Juni in Rom übernachtet - minus 99 Prozent. «Aktuell sind überhaupt nur rund 200 von 1200 Hotels offen», sagt ein Sprecher des Hotelverbands Federalberghi Rom über den Juli.

Die Piazza Navona ist von Restaurants und Bars eingefasst. Ein Großteil hat sich auf Ausländer fokussiert. Lieblose Touristen-Menüs in manchen Lokalen schrecken Römer ab. Jetzt stehen Kellner wartend vor leeren Tischen, die Hände auf dem Rücken oder am Handy.

«Es ist eine Katastrophe», sagt Marco, der im kleinen «La Locanda Romana» in einer Seitenstraße kellnert. «Die Piazza ist leer. Es kommen keine Ausländer. Wir wissen nicht, was wir tun sollen.»

Erste Wirte an dem von barocker Baukunst geprägten Platz richten ihr Angebot neu aus: Sie wollen für die Ortsansässigen interessant werden. «Wir bieten einen Spritz für 3,50 Euro mit einem Mini-Hamburger für 6 Euro», erläutert Filippo De Sanctis vom Traditionslokal «Camillo» in der Zeitung «Corriere della Sera». Im Netz wirbt das Familienrestaurant mit dem Motto «Piazza Navona für die Römer».

Bürgermeisterin Virginia Raggi von der Fünf-Sterne-Bewegung kündigte ebenfalls an, der Tourismus müsse mehr darauf abzielen, dass Römer und Italiener «die Wunder Roms wiederentdecken» könnten. Das alte Rom brauche eine Strategie für einen neuen «Qualitätstourismus». Allerdings wissen die Stadtoberen, dass Familien wie die Kraushaars und Inlandstouristen alleine die Krise nicht stoppen werden - dafür dürften noch viel italienische Fantasie und neue Ideen nötig sein.

© dpa-infocom, dpa:200724-99-907383/4

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Tourismus - Auslandsurlaub trotz Corona: Was Reisende beachten müssen. Die EU-Kommission warnt schon vor einem «Flickenteppich» bei den Reisebeschränkungen und für Rückkehrer aus Risikogebieten gilt die Testpflicht. Vielerorts steigt die Zahl der Corona-Infektionen wieder, die Länder wappnen sich mit neuen Regeln. (Wirtschaft, 10.08.2020 - 23:05) weiterlesen...

So wenig Besucher wie 2004 - Corona wirft Berlin-Tourismus zurück. Doch die Krise hat auch das geändert. Berlins Tourismuswerber wagen eine Prognose. Ein Selfie am Brandenburger Tor ohne andere Urlauber im Bild? Das ist eigentlich kaum möglich. (Wirtschaft, 10.08.2020 - 12:09) weiterlesen...

Tourismus - Auslandsurlaub trotz Corona - Was Reisende beachten müssen. Die EU-Kommission warnt schon vor einem «Flickenteppich» bei den Reisebeschränkungen und für Rückkehrer aus Risikogebieten gilt die Testpflicht. Vielerorts steigt die Zahl der Corona-Infektionen wieder, die Länder wappnen sich mit neuen Regeln. (Wirtschaft, 10.08.2020 - 09:15) weiterlesen...

Volle Strände - Sommerurlaub in Deutschland boomt. Das treibt die Übernachtungspreise in besonders beliebten Regionen zum Teil nach oben. Urlaub in Deutschland liegt in diesem Sommer voll im Trend. (Wirtschaft, 10.08.2020 - 05:24) weiterlesen...

Nach Urlaub im Risikogebiet - Pflichttests für Rückkehrer: Rufe nach weiteren Maßnahmen. Das geht einigen aber nicht weit genug. Nach und nach endet die Ferienzeit - und wer aus einem Risikogebiet mit vielen Corona-Fällen heimkehrt, muss sich ab Samstag nach der Einreise testen lassen. (Wirtschaft, 07.08.2020 - 16:47) weiterlesen...

Nach Urlaub im Risikogebiet - Pflicht-Tests für Rückkehrer: Rufe nach schärferen Maßnahmen. Das geht Einigen aber nicht weit genug. Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss sich von diesem Samstag an auf Corona testen lassen. (Wirtschaft, 07.08.2020 - 05:20) weiterlesen...