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Museen, Judentum

Nach dem Rücktritt an der Spitze des Jüdischen Museums Berlin war die Unruhe groß.

26.11.2019 - 21:54:06

«Erfahrene Museumsexpertin» - Jüdisches Museum Berlin bekommt Hetty Berg als Chefin. Nun ist eine Nachfolgerin gefunden.

Berlin - Die Kuratorin und Museumsmanagerin Hetty Berg wird neue Direktorin des Jüdischen Museums Berlin. Der Stiftungsrat berief die 58-Jährige einstimmig, wie das Museum mitteilte. Sie werde die Leitung am 1. April 2020 übernehmen.

Die in Den Haag geborene Berg studierte Theaterwissenschaften in Amsterdam und Management in Utrecht. Von 1989 an war die Niederländerin Kuratorin und Kulturhistorikerin am Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam.

Seit 2002 arbeitete Berg, selbst Mitglied der Jüdischen Gemeinde, als Museumsmanagerin und Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam. Dazu gehören neben dem Jüdischen Historischen Museum auch das Kindermuseum, die Portugiesische Synagoge, das Nationale Holocaust-Museum und die Gedenkstätte Hollandsche Schouwburg.

Berg lebt nach den Angaben zusammen mit dem französischen Fotografen Frédéric Brenner, dessen Ausstellung «This Place» aktuell im Jüdischen Museum gezeigt wird.

«Mit Hetty Berg haben wir eine international erfahrene Museumsexpertin gewonnen», sagte die Vorsitzende des Stiftungsrates, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), zur Entscheidung. Berg widme sich seit vielen Jahrzehnten der Vermittlung jüdischer Geschichte, Kultur und Religion. «Als Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam hat sie ihre Führungsstärke in komplexen Organisationen erfolgreich unter Beweis gestellt. Ihre Berufung wird dem Jüdischen Museum Berlin nach innen wie außen neue Impulse verleihen.» Es sei von großer Bedeutung, die Stärken des Museums als Kultureinrichtung sowie als Ort der Erinnerung und des Dialogs in den Vordergrund zu rücken.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte die Entscheidung. «Mit Hetty Berg haben wir eine Person für die Leitung des Jüdischen Museums Berlin gefunden, die sowohl eine hohe Qualifikation als Museumsmanagerin als auch als Kuratorin von Ausstellungen mitbringt», sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, in einer Mitteilung. Schuster sitzt für den Zentralrat im Stiftungsrat und war Mitglied der Findungskommission. Der Zentralrat gehe davon aus, dass Berg die Tradition anspruchsvoller Ausstellungen im Museum fortsetzen und «zugleich Empathie für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und Israel aufbringen» werde.

Der bisherige Leiter Peter Schäfer war im Juni nach heftigen Kontroversen zurückgetreten. Auslöser war ein Tweet des Museums mit einer Leseempfehlung zur israelkritischen Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen).

Darin hatten jüdische und israelische Wissenschaftler kritisiert, dass der Bundestag BDS als antisemitisch eingestuft hatte. Die BDS-Kampagne fordert ein Ende der israelischen Besatzung des Westjordanlandes, des Gazastreifens und Ost-Jerusalems, die Israel 1967 erobert hat, und ruft dazu auf, keine israelischen Waren zu kaufen.

Schäfer hatte viel Solidarität erhalten. Mit «tiefer Besorgnis» stellten sich internationale Museumsdirektoren, Kuratoren und Fachleute jüdischer und nichtjüdischer Museen hinter ihn. Zuvor hatten bereits rund 45 jüdische Gelehrte aus Israel, Europa und den USA ihre Unterstützung bekundet.

Zwischenzeitlich hatte der Historiker und CDU-Politiker Christoph Stölzl als Vertrauensperson für den Stiftungsrat agiert. Operativ geleitet wurde das Museum vom Geschäftsführenden Direktor Martin Michaelis, der auch weiter in seinem Amt bleit.

@ dpa.de