Auszeichnung, Hörspiel

Karlsruhe - Das Hörspiel "Adolf Eichmann: Ein Hörprozess" von Noam Brusilovsky und Ofer Waldman ist heute Abend (13.11.2021) in Karlsruhe mit dem Deutschen Hörspielpreis der ARD ausgezeichnet worden.

13.11.2021 - 23:32:57

Deutscher Hörspielpreis der ARD für Adolf Eichmann: Ein Hörprozess / Hauptpreis der ARD Hörspieltage für Stück von Noam Brusilovsky und Ofer Waldman (Produktion: rbb/DLF). Das dokumentarische Hörspiel (Produktion: rbb/DLF) erzählt aus Sicht der Radiomacher beim damaligen öffentlich-rechtlichen israelischen Rundfunk "Kol Israel" die Geschichte des Prozesses gegen Adolf Eichmann. Eichmann war während der NS-Zeit für die Deportationen zur Vernichtung der europäischen Juden verantwortlich. Der Prozess gegen ihn wurde live übertragen und prägte das kollektive Gedächtnis einer ganzen Nation. Der Hauptpreis der ARD Hörspieltage ist mit 5.000 Euro dotiert und mit der Ausstrahlung in den Kulturradios der beteiligten Sender verbunden. Für den Deutschen Hörspielpreis der ARD konnten die Landesrundfunkanstalten der ARD, das Deutschlandradio sowie ORF und SRF jeweils ein Hörspiel einreichen. Gewinner des Publikumspreises in Höhe von 2.500 Euro ist "Ihre Geister sehen" von Rabea Edel, ein Hörspiel über ein Trauma, Familiengeheimnisse und den Umgang mit Psychosen (Produktion: DLF Kultur).

Preis für die beste schauspielerische Leistung für das Ensemble von "Atlas" (MDR)

Der mit 3.000 Euro dotierte "Deutsche Hörspielpreis für die beste schauspielerische Leistung" ging in diesem Jahr erstmals an ein Hörspielensemble: Mai Duong Kieu, Dan Thy Nguyen, Stephan Grossmann, Thúy Nonnemann und Claudia Jahn werden für ihre darstellerische Leistung in dem Hörspiel "Atlas", eine deutsch-vietnamesische Migrationsgeschichte über drei Generationen, gewürdigt (Produktion: MDR). Die Auszeichnung wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Hörsysteme-Industrie vergeben, der auch das Preisgeld stiftet. Der mit 5.000 Euro dotierte Deutsche Kinderhörspielpreis ging an Thilo Reffert für sein Hörspiel "Herr der Lügen" (Produktion: DLF Kultur). Der Preis wird von der Film- und Medienstiftung NRW und den Landesrundfunkanstalten der ARD vergeben, unterstützt von der Stadt Wuppertal. Eine Kinderjury zeichnete das Hörspiel "Ich will kein Engel sein" von Frauke Angel (Produktion: rbb) mit dem Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe aus (2.000 Euro). Der mit 1.000 Euro dotierte Preis "ARD PiNball" für die freie Hörspiel-Szene ging an Carsten Brandau für sein Kurzhörspiel "Die goldene Börse der Sehnsüchte".

Die Jury zum Hauptpreis: "Großartige Leistung an Substanz und Tiefe"

Die Jury in ihrer Begründung für den "Deutschen Hörspielpreis der ARD - Bestes Hörspiel": "'Adolf Eichmann: Ein Hörprozess' von Noam Brusilovsky und Ofer Waldman ist ein beeindruckend tiefgründiges Hörspiel, das einen mit zunehmender Bewunderung erfüllt, je öfter man es gehört hat. Formaler Gegenstand des Hörspiels ist der berühmte Prozess, der zwischen April und Dezember 1961 in Jerusalem Adolf Eichmann für seine Verbrechen gegen das jüdische Volk gemacht und der vom öffentlich-rechtlichen Radiosender Kol Israel live übertragen wurde. Die besondere Leistung dieses dokumentarischen O-Ton-Hörspiels besteht darin, dass es sich nicht auf die Person Eichmann fixiert, sondern stattdessen die Bedeutung dieses Prozesses für die junge israelische Gesellschaft und die Rolle, die dabei das Radio spielte, eindrücklich aufzeigt und verhandelt. Das Hörspiel arbeitet kunstvoll mit den genuinen radiophonen Mitteln der Prozess-O-Töne, der Stimmen der Hörer:innen und des Jingels von Kol Israel. Das Hörspiel, das zum 60. Jahrestag des Prozessbeginns urgesendet wurde, wird gerahmt von den Erinnerungen des Leiters der Nachrichtenabteilung und inszenierten Szenen der Familie Lifschitz am Abendbrottisch. In Israel und der ganzen Welt versammelten sich die Menschen vor ihren Radiogeräten, um zu hören, wie nicht nur Eichmann, sondern dem Nationalsozialismus der Prozess gemacht wurde. Viele überlebende Zeug:innen der Shoah erhielten damals das erste Mal eine öffentliche Stimme, ihnen wurde endlich zugehört und geglaubt. Durch ihre Auswahl und dramaturgische Gestaltung der Prozessberichterstattung im Radio und ihrer Rezeption bringen uns die Macher eine junge demokratische Gesellschaft in intensiver Diskussion um das Schicksal der Juden und die Gegenwart und Zukunft des Staates Israel nahe. So wird zugleich einem radikalen Gegenentwurf eines demokratischen Radios zum gleichgeschalteten Propagandainstrument der Nationalsozialisten ein akustisches Denkmal gesetzt. Die Essenz des Hörspiels spiegelt sich für uns in dem berühmten Zitat des Auschwitz-Überlebenden und Psychotherapeuten Viktor Frankl: '... trotzdem Ja zum Leben sagen'. Für diese großartige Leistung an Substanz und Tiefe verbeugen wir uns voller Überzeugung vor den Machern des besten Hörspiels 2021."

Die Preise wurden am Samstag (13.11.2021) im Rahmen der traditionellen "Nacht der Gewinner:innen" bei den ARD Hörspieltagen übergeben. Das bedeutendste Festival für Hörspiel und Klangkunst im deutschsprachigen Raum fand an zwei Tagen live und vor Publikum in Karlsruhe statt (www.hoerspieltage.ARD.de).

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