Gesundheitspolitik, Gesundheit

Bonn - Durch den demographischen Wandel sind in Deutschland immer mehr Menschen von Pflegebedürftigkeit betroffen.

13.01.2022 - 10:00:19

Umfrage: Großes Informationsdefizit beim Thema Pflege. Drei Viertel der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt*. Entsprechend hoch ist der Bedarf an kompetenter Beratung und fundierter Information rund um das Thema Pflege. Denn es müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden, ganz gleich, ob der Pflegefall plötzlich eingetreten ist oder sich schon länger angebahnt hat. Viele Betroffene und Angehörige beklagen diesbezüglich jedoch ein großes Informations- und Beratungsdefizit. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage der Deutschen Seniorenliga in Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt "Smart Care Service". "Die Angehörigen brauchen dringend einen Lotsen, der sie durch den Pflegedschungel führt", meint Projektleiterin Dr. Bettina Horster.

Die Deutsche Seniorenliga befragte im Herbst 2021 insgesamt 443 Seniorinnen und Senioren zu ihren Erfahrungen im Bereich Häusliche Pflege und Assistenzbedarf. Dabei kam heraus, dass zwei Drittel der Befragten (77 Prozent) die Beratung und Information als wichtig oder sogar sehr wichtig erachten. Ebenso viele fühlen sich jedoch nur ausreichend oder sogar schlecht über Häusliche Pflege (68 Prozent) oder Assistenzsysteme (77 Prozent) informiert bzw. beraten.

Beratungslandschaft unübersichtlich

Ein weiteres Ergebnis zeigt, dass vielen ein guter Überblick über die bestehenden Informationsquellen und Anlaufstellen fehlt. So nutzt beispielsweise nur ein Drittel der Befragten (37 Prozent) Online-Plattformen, um sich über Pflege- und Assistenzmöglichkeiten zu informieren. Und dies, obwohl mehr als die Hälfte der Teilnehmer (55 Prozent) grundsätzliches Vertrauen zu digitalen Angeboten haben und sich die Ratsuchenden im Bereich der Häuslichen Pflege digitale Unterstützung sogar wünschen (49 Prozent).

Informationsdefizit durch Informationsflut

"Immer mehr und immer schnellere Informationen bedeuten nicht automatisch qualitative und vertrauenswürdige Informationen", sieht Gerhard Fieberg, Vorsitzender der Deutschen Seniorenliga, einen Widerspruch in der digitalen Welt: "Doch die professionelle Beratung ist ein zentraler Schlüssel zu guter Pflege! Denn wer weiß, welche Leistungen vor Ort angeboten werden und diese dann gezielt nutzt, kann die Pflege bestmöglich organisieren." Sinnvoll wäre ein Informationsportal, das barrierefrei, leicht verständlich und fokussiert maßgeschneiderte Lösungen anbieten würde. Dabei sollte die Online-Unterstützung in jedem Fall durch persönliche Beratung ergänzt werden - dieses Bedürfnis spiegelt die Umfrage wider. Eine große Mehrheit der Befragten (78 Prozent) wünscht sich hinsichtlich digitaler Angebote eine Art "Marktplatz Pflege" mit verschiedenen Anbietern, am liebsten ein "Rundum-Sorglos-Paket". Wichtig bleibt dabei für die Mehrheit (78 Prozent) aber auch die Beratung in einem persönlichen Gespräch.

Virtuelles Case Management auf Pflegemarktplatz 4.0

Hier setzt das Forschungsprojekt "Smart Care Service" an. Im Rahmen des Projektes soll ein Portal entstehen, das zum einen umfassende Informationen bietet, zum anderen soll es Menschen, die Bedarf an Pflege-, Assistenz-, niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangeboten sowie haushaltsnahen Dienstleistungen haben, zeitnah mit ortsnahen Anbietern zusammenbringen. "Damit Senioren länger eigenständig leben können, entwickeln wir ein Serviceportal, das schnell und qualitätsgesichert Unterstützung sowohl bei medizinischen, pflegerischen Aufgaben als auch im Alltag bietet", beschreibt Dr. Horster die Ziele des Projektes: "Ein Ratingsystem ermöglicht die Qualitätssicherung und hilft dabei, den individuellen Bedarf passgenau an das Angebot anzupassen. So können Pflegebedürftige gut versorgt und Angehörige entlastet werden."

www.smartcareservice.de www.deutsche-seniorenliga.de

*Statistisches Bundesamt

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