Corona, Covid-19

Welche Sportler scheinen beim Thema Impfen besonders zögerlich? Welche Folgen drohen Ungeimpften? Über wen wird diskutiert? Ein Überblick anlĂ€sslich der Debatte um Bayern-Star Joshua Kimmich.

27.10.2021 - 08:40:09

Corona-Pandemie - Kimmich wartet - Wie der Sport mit dem Impfen umgeht

Stuttgart - FĂŒr hitzige Debatten rund um die Corona-Impfung im Sport hĂ€tte es die Aussagen von Joshua Kimmich nicht gebraucht.

Mit dem Druck durch Gehaltsverluste wie in US-Ligen, mit klaren Nachteilen fĂŒr Ungeimpfte und der Gefahr, Chancen auf Triumphe zu verpassen, gibt es Themen genug. Die Konsequenzen, die aus dem Impfstatus resultieren können, sind unterschiedlich. Manchmal scheint die Impfung fĂŒr den sportlichen Erfolg Pflicht, wie fĂŒr die Winterspiele in Peking 2022 oder die Australian Open.

Vieles bleibt im Unklaren

Im Tennis wird besonders heftig diskutiert. Eine solche Klarheit wie jetzt bei Nationalspieler Kimmich, der am Samstag einrĂ€umte, bislang nicht gegen Corona geimpft zu sein, wĂŒrde sich beim Topstar Novak Djokovic mancher wĂŒnschen. Der Weltranglistenerste, genesen von einer Corona-Erkrankung im vergangenen Jahr, will seinen Impfstatus nicht offenbaren und gibt RĂ€tsel auf: Ist er tatsĂ€chlich ungeimpft oder lĂ€ngst geimpft? «Das ist eine Privatsache», erklĂ€rte der 34 Jahre alte Serbe in einem Interview. Die Frage danach sei unangemessen.

Dass man ĂŒber Ungeimpfte nichts erfĂ€hrt, ist nicht ungewöhnlich. So ist es beispielsweise auch in der Formel 1 oder bei Clubs der Fußball-Bundesliga. Kimmich redete erst nach einem Medienbericht.

Im Tennis rĂŒckt diese Frage immer stĂ€rker in den Fokus je weiter das Jahr voranschreitet, weil die Reise zu den Australian Open nĂ€her kommt. Ob Djokovic seinen Titel ohne Corona-Piks verteidigen kann, ist fraglich. Ob Ungeimpfte am Grand-Slam-Turnier, das am 17. Januar beginnt, ĂŒberhaupt teilnehmen dĂŒrfen, ist möglich, aber noch nicht offiziell entschieden. Die Auflagen wĂ€ren wohl streng: Eine strikte zweiwöchige Hotel-QuarantĂ€ne wĂ€re ein gewaltiger Nachteil.

«Ich habe das Problem nicht», bekrĂ€ftigte Olympiasieger Alexander Zverev und ließ seinen Geimpften-Status durchblicken. Die GeheimniskrĂ€merei ĂŒber Djokovic nimmt womöglich erst nach dem Flug nach Australien ein Ende. Wenn er fliegt. Seine Teilnahme ist offen.

Die Impfung als private Entscheidung

Auch Zverev hĂ€lt die Impfung fĂŒr ein privates Thema. Formel-1-Pilot Sebastian Vettel sagte: «Na ja, wer bin ich, dass ich das beurteilen kann?», meinte er: «Ich meine, ich habe mich impfen lassen. Offensichtlich reise ich viel.» Entscheiden mĂŒsse das jeder selbst, es betreffe den eigenen Körper. «Aber ich denke auch, dass es teilweise nicht nur eine Entscheidung ist, die man fĂŒr sich selbst treffen muss, sondern auch fĂŒr andere Menschen, und aus SolidaritĂ€t sollte man sich vielleicht impfen lassen.»

In der Formel 1 hatte das Königreich Bahrain die vollstÀndige Impfung angeboten, auch im Tennis gab es Möglichkeiten an Wettkampforten.

Die Gefahr der verpassten Chancen

FĂ€llt ein Rennfahrer der Formel 1 aus, wirkt sich das auf die WM-Wertung aus und könnte seinem Team Millionen-Einnahmen kosten. Bei Djokovic steht neben dem Preisgeld Tennis-Historie auf dem Spiel. Eigentlich will er mit Grand-Slam-Titel 21 an Roger Federer und Rafael Nadal vorbeiziehen. Der Druck zur Impfung ist hoch. Ebenso wie fĂŒr die Olympia-Teilnehmer. Denn fĂŒr die Winterspiele in Peking, die am 4. Februar eröffnet werden sollen, sehen die Regeln fĂŒr Ungeimpfte eine dreiwöchige QuarantĂ€ne nach der Ankunft vor. Wie im Tennis wĂ€re die unmittelbare Vorbereitung auf die WettkĂ€mpfe empfindlich gestört.

Die diversen Impfquoten

Ein Großteil der deutschen Olympioniken sei bereits vollstĂ€ndig geimpft, sagte der Vorstand Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbunds, Dirk Schimmelpfennig. Im Tennis ist die Quote (noch) gering. Top-Spieler wie der letztjĂ€hrige US-Open-Gewinner Dominic Thiem aus Österreich haben angekĂŒndigt, sich impfen zu lassen. Insgesamt sind bisher rund ein Drittel der Herren auf der ATP-Tour und um die knapp 40 Prozent der WTA-Tour der Damen ungeimpft.

In anderen Sportarten lief es deutlich besser. In der Fußball-Bundesliga ist Kimmich natĂŒrlich nicht der einzige ungeimpfte Profi, gehört aber bei einer Quote von mehr als 90 Prozent unter Spielern und Trainern der 1. und 2. Liga zu Ausnahmen. In der Basketball-Bundesliga war nur ein Spieler vor Saisonbeginn bekannt, der nicht den 2G-Status hatte (99 Prozent). In der Deutschen Eishockey Liga erhöhte sich der Anteil auf 93 Prozent. Mit vielen positiven FĂ€llen und Spiel-Absagen gab es gerade massive Probleme.

Der Blick zum US-Sport

Egal in welcher Liga, es geht um den Teamerfolg und darum, Wettbewerbsnachteile zu vermeiden. «Das große Ziel ist, den Titel zu gewinnen. Und das beginnt mit Gesundheit als der Nummer eins», sagte NBA-Superstar LeBron James, der nach eigenen Angaben skeptisch war, sich aber fĂŒr den Schutz entschied. Er freue sich, «dass wir uns die Gelegenheit gegeben haben, verfĂŒgbar zu sein fĂŒreinander».

In der NHL galten vor Kurzem nur vier der mehr als 700 Eishockey-Spieler als nicht geimpft. Ungeimpfte können nicht problemlos zwischen Kanada und den USA pendeln, sondern mĂŒssten jedes Mal fĂŒr 14 Tage in QuarantĂ€ne nach der Einreise nach Kanada.

Strikte Regeln fĂŒhren zu einer hohen Impfquote. Wer in NBA und NHL eine Partie verpasst, weil er sich nicht hat impfen lassen, bekommt kein Gehalt. In der NBA sind nach Medienangaben 95 Prozent der Profis geimpft. Prominente Ausnahme ist Kyrie Irving. Weil die Brooklyn Nets in New York trainieren und ihre Heimspiele austragen, gelten auch die lokalen Regeln - und die verpflichten Irving zu einer Impfung, sollte er sich in einer Sporthalle aufhalten wollen. So lange er seinem Team nicht komplett zur VerfĂŒgung steht, verzichten die Nets auf ihn. Pro Heimspiel verpasst er US-Medien zufolge 380.000 US-Dollar.

Im Tennis bekamen die Erstrunden-Teilnehmer der US Open 75.000 Dollar - Ă€hnlich wird es bei den Australian Open sein. «Es wĂ€re großartig, wenn mehr Spieler geimpft sind», sagte kĂŒrzlich die einstige Nummer eins Andy Murray: «Es ist die Entscheidung der Spieler.»

© dpa-infocom, dpa:211027-99-751997/3

@ dpa.de

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