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Volleyball, Olympia

Raus aus der Badewanne - rein ins Finale! Nach einer Verschnaufpause soll Georg Grozer die deutschen Volleyballer zu Olympia schmettern.

08.01.2020 - 11:32:05

Olympia-Qualifikation - Sehnsuchtsziel Tokio rückt für Volleyballer näher. Noch zwei Siege fehlen der Mannschaft von Bundestrainer Andrea Giani. Vor dem Halbfinale in Berlin steigt der Nervenkitzel.

Berlin - Volle Kraft voraus! Nach einer Verschnaufpause wollen die gestärkten deutschen Volleyballer um Muskelmann Georg Grozer den vorletzten Schritt auf dem Weg zum Sehnsuchtsziel Tokio machen.

«Es geht ihm zum Glück besser und wir werden ihn am Donnerstag wieder in der Halle sehen. Dann werden wir das Ding rocken», kündigte Außenangreifer Christian Fromm voller Zuversicht vor dem Halbfinale in der Olympia-Qualifikation am Donnerstag (20.10 Uhr/Sport1) an. Ihren Halbfinalgegner kennen die Deutschen noch nicht. Aus Gruppe B können noch Frankreich, Serbien und Bulgarien weiterkommen.

Ein Ausrutscher wird nicht verziehen, nur der Gewinner des Berliner Turniers erfüllt sich den Traum von Olympia. «Jetzt brauchen wir jeden Einzelnen von uns in Topform», betonte Kapitän Lukas Kampa und bezifferte die Chancen von nun an auf «50/50».

Grozer ist allerdings der Mann, der die Chancenverhältnisse zu Gunsten seiner Mannschaft verschieben kann. Nach einer Wadenblessur wurde der Modellathlet im letzten knapp verlorenen Vorrundenspiel gegen Vize-Europameister Slowenien geschont. «Ich glaube, er hat das Spiel aus der Badewanne geguckt», meinte Kampa (33) schmunzelnd über Grozer (35), der spätestens nach Tokio seine Karriere in der Nationalmannschaft beenden wird. Der Diagonalangreifer habe «die Akkus voll» und werde in der Vorschlussrunde wieder voll da sein. «Er wird doppelt so stark zurückkommen», meinte Kampa sogar.

Der äußerlich tiefenentspannte Nationaltrainer Andrea Giani zweifelt ebenso wenig an einer Prachtleistung seines Top-Angreifers im Halbfinale. «Er wird bereit sein», kündigte der frühere Weltklasse-Athlet an, der als Spieler selbst fünfmal bei Olympia dabei war. Nach acht Jahren Pause sollen auch deutsche Volleyballer am schillerndsten Sportevent der Welt wieder teilnehmen. «Der Traum ist genau so groß wie 2012», beschrieb Kampa seine Sehnsucht nach den Sommerspielen.

Deutschland geht zuversichtlich in die K.o.-Runde. Nach zwei Pflichtsiegen gegen Tschechien und Belgien musste sich der EM-Zweite von 2017 den Slowenen zum Vorrundenende erst nach deutlich mehr als zwei Stunden mit 2:3 geschlagen geben. «Dass wir hier bis Mitternacht spielen, war vielleicht nicht Teil des Plans», meinte Kampa lachend. Giani rotierte kräftig, neben dem komplett fehlenden Grozer erhielten auch sein Kapitän und weitere unter Hochbelastung stehende Akteure wie Frommm willkommene Ruhepausen. «Wer weiß, in welchen Situationen wir die Leute noch brauchen», sagte Kampa.

Es gibt diese Szenarien im Volleyball häufig genug, in denen es einmal für eine Stammformation nicht läuft und der Trainer dann mit personellen Wechseln für Impulse sorgen will. Da ist Spielzeit für die zweite Garde ganz wichtig. Grozers Schattenmann Simon Hirsch etwa war gegen die Slowenen mit 18 Punkten bester deutscher Angreifer. Das Niveau eines Grozers hat der Italien-Legionär natürlich nicht, punktuell kann er aber in der K.o.-Runde noch wichtig werden. «So eine Mannschaft braucht natürlich den Georg, er hebt die Mannschaft auf ein anderes Niveau», räumte Hirsch uneitel nach seinem Einsatz ein: «Ich bin dahinter, ich bin bereit.»

Die individuelle Klasse der Franzosen zum Beispiel haben die Deutschen nicht. Mit einer positiven Einstellung auf dem Feld und Zusammenhalt in schwierigen Situationen können Kampas Männer aber einige Extra-Prozente Leistung aus sich herausholen. Grozer sagte schon vor dem Turnierstart: «Herz und Kopf müssen funktionieren.» Dann führt die Reise über einen Zwischenstopp in der Badewanne vielleicht sogar bis nach Tokio.

@ dpa.de