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SWR - S?dwestrundfunk

Mainz / Stuttgart - SWR Umfrage unter mehr als 700 Spitzensportlerinnen erstmals bundesweit / Frauen im Spitzensport noch immer benachteiligt / Gleichberechtigung oft Fehlanzeige Mainz / Stuttgart.

24.03.2021 - 08:07:34

Frauen im Spitzensport: Im Schatten der M?nner

Mainz/Stuttgart - SWR Umfrage unter mehr als 700 Spitzensportlerinnen erstmals bundesweit / Frauen im Spitzensport noch immer benachteiligt / Gleichberechtigung oft Fehlanzeige

Mainz/Stuttgart. Sie werden meist von M?nnern trainiert, m?ssen dem Gef?hl nach f?r gesellschaftliche Anerkennung mehr leisten und sehen sich beim Thema Familienplanung oft nicht unterst?tzt. Eine exklusive , nicht repr?sentative SWR Umfrage unter mehr als 700 Spitzensportlerinnen zeigt: Von Gleichberechtigung ist der Sport noch weit entfernt. Es ist die erste Umfrage (https://www.swr.de/sport/frauen-im-sport/exklusive-swr-umfrage-100.html) zu diesen Themen unter Spitzensportlerinnen in Deutschland.

In der anonymen SWR Onlineumfrage teilten 719 Spitzensportlerinnen ihre pers?nlichen Erfahrungen zu Themen wie Sexismus, Familienplanung oder Stalking im Netz mit. Im Zeitraum vom 21. Oktober bis 31. Dezember 2020 wurde die nicht repr?sentative Onlineumfrage unter Sportlerinnen durchgef?hrt, die mindestens auf nationaler Ebene in einer olympischen Disziplin an Wettk?mpfen teilnehmen. Dabei ?u?erte etwa jede dritte Spitzensportlerin das Gef?hl, Fans und Gesellschaft erwarteten von ihr ein anderes Verhalten als von m?nnlichen Kollegen, ebenso etwa jede Dritte gab an, f?r ihren Erfolg spiele auch ihr ?u?eres eine Rolle. Jede vierte Teilnehmerin wurde in ihrem Sport schon einmal sexuell bel?stigt.

Je attraktiver, desto mehr Follower und mehr Geld

Das ?u?ere Erscheinungsbild spiele nicht nur bei ?sthetischen Sportarten wie rhythmische Sportgymnastik eine Rolle, vielmehr gehe es um Social Media, Sponsoring und Werbung - und damit um Einnahmen, die ?ber die sportliche Existenz einer Spitzensportlerin entscheiden k?nnen. Fast jede ist in den sozialen Medien aktiv, und damit auch deren Schattenseiten ausgesetzt: 40 Prozent von ihnen hat dort schon Sexismus erlebt, fast ein F?nftel berichtet von Stalking, von Anfeindungen oder Beschimpfungen. Doch nicht nur die sozialen Medien, auch die klassischen Medien sind f?r Sportlerinnen ein wichtiges Mittel, um Bekanntheit zu erlangen. Aber im Gegensatz zu den M?nnern werden Frauen in ihrer Sportart weitaus weniger medial abgebildet. Prof. Ilse Hartmann-Tews von der Deutschen Sporthochschule K?ln belegt in ihren Studien, dass sich in der Presse nur zehn Prozent der tagesaktuellen Sportberichterstattung mit Sportlerinnen besch?ftigten: Der Sport in den Medien werde immer noch "als klassische M?nnerdom?ne dargestellt". In der Konsequenz bedeutet dies f?r die Frauen, dass sie weitaus weniger verdienen als die M?nner. Obwohl die meisten der Umfrageteilnehmerinnen auf internationalem Niveau unterwegs sind, gaben weniger als die H?lfte (43 Prozent) den Sport als Haupteinnahmequelle an, 41 Prozent der Befragten verdienen damit gar weniger als 10.000 Euro im Jahr.

Trainer ?berwiegend m?nnlich

Auch die beruflichen Chancen nach der aktiven Karriere innerhalb ihres Sports sehen der Umfrage zufolge mehr als die H?lfte (52 Prozent) aller Teilnehmerinnen im Vergleich zu den M?nnern als nicht gleich verteilt an. Dazu passt, dass 77 Prozent aller Teilnehmerinnen den Angaben zufolge ?berwiegend von M?nnern trainiert werden, jede Vierte sogar ausschlie?lich von M?nnern. Jede vierte Spitzensportlerin gab an, sie w?rde sich eine andere Zusammensetzung des Trainerstabs w?nschen. Die Vizepr?sidentin des DOSB, Dr. Petra Tzschoppe, zeigt sich selbstkritisch. Bislang w?rden vor allem Sportler schon w?hrend der aktiven Karriere auf eine m?gliche sp?tere Trainert?tigkeit angesprochen, Sportlerinnen hingegen scheinen f?r den Verband nur w?hrend ihrer aktiven Laufbahn - besonders bei Chancen auf Medaillen - von Interesse, danach nicht mehr. Tzschoppe pl?diert daf?r, die Sportlerinnen im System zu halten, man k?nne sich f?r die Zukunft nicht leisten, die Sportlerinnen mit all ihrer Erfahrung und Expertise "so einfach von dannen ziehen zu lassen".

Zyklus und Familienplanung beeinflussen Leistungssport

Mehr als die H?lfte der Umfrageteilnehmerinnen (55 Prozent) f?hlt sich unwohl dabei, mit ihren Trainern ?ber die eigene Periode zu sprechen. Dabei ist dieses Thema f?r viele Sportlerinnen sehr relevant: So gab die H?lfte aller Spitzensportlerinnen an, die Periode beeintr?chtige ihre Leistung. Prof. Petra Platen, Sportmedizinerin an der Ruhr-Universit?t in Bochum, besch?ftigt sich seit Jahren damit. Nach ersten Studienerkenntnissen beeinflusse der weibliche Zyklus' nicht nur die Leistungsf?higkeit, sondern auch die Verletzungsanf?lligkeit. 40 Prozent aller Befragten waren der Meinung, der Zyklus solle st?rker bei der Planung von Training und Wettk?mpfen ber?cksichtigt werden. Auch beim Thema Familienplanung herrscht den Ergebnissen der nicht repr?sentativen SWR Umfrage zufolge wom?glich noch Nachholbedarf: So f?hlt sich nur jede zehnte Teilnehmerin von ihrem Verein/Verband dabei unterst?tzt, ein Kind zu bekommen und weiter am sportlichen Wettbewerb teilzunehmen. Die H?lfte aller Spitzensportlerinnen gab an, die sportliche Karriere beeinflusse ihre Familienplanung. Marion Sulprizio leitet an der Deutschen Sporthochschule K?ln den interdisziplin?ren Arbeitskreis "Sport und Schwangerschaft". Ihrer Einsch?tzung zufolge sei es aktuell meist so, dass der Moment, in dem eine Sportlerin die Familienplanung angehe, f?r sie den Ausstieg aus dem Leistungssport bedeute.

Sexismus, Bel?stigung, Missbrauch

Jede dritte Teilnehmerin (36 Prozent) gab in der SWR Umfrage an, sie erlebe in ihrem Sport Sexismus. Jede vierte Sportlerin teilte zudem mit, in ihrem Sport schon einmal sexuell bel?stigt worden zu sein. Erfahrungen mit verbaler sexueller Bel?stigung machte demnach etwa jede f?nfte Teilnehmerin (21 Prozent), sieben Prozent der Teilnehmerinnen erkl?rten, schon k?rperlich bel?stigt worden zu sein. Sechs Teilnehmerinnen gaben an, in ihrem Sport schon einmal sexuell missbraucht worden zu sein. Die Frage, ob sie sexistische Erfahrungen an Trainer, Verein, Verband oder andere Vertrauenspersonen gemeldet h?tten, verneinte die H?lfte der Betroffenen (51 Prozent) Als Begr?ndung schrieben einige Sportlerinnen, dass sich eh nichts ?ndern oder auch dass es der Karriere nicht guttun w?rde. Hartmann-Tews von der Deutschen Sporthochschule K?ln sieht hier den organisierten Sport in der Verantwortung. Doch auch wenn der DOSB und seine Mitgliedsorganisationen mittlerweile eine Vielzahl von Ma?nahmen erarbeitet und umgesetzt h?tten, zeigten weitere Untersuchungen auch, dass Pr?vention in kleinen Vereinen oft noch nicht angekommen sei. Aus Hartmann-Tews Sicht sei es zum Bespiel wichtig, wie vom DOSB vorgesehen, in wirklich jedem Verein Pr?ventionsbeauftragte zu etablieren, zus?tzlich brauche es aber auch externe Hotlines oder Ansprechpartner.

"Sport ist noch nicht wirklich fair"

Der Spitzensport an sich sei ein ganz eigenes System, in dem f?r Trainer- und Athlet*innen Medaillen im Vordergrund st?nden und Grenz?berschreitungen t?glich passierten - und von beiden Seiten akzeptiert w?rden. Zwar habe der Sport, als traditionelle M?nnerdom?ne schon viele Unterst?tzungsstrukturen f?r Frauen entwickelt. Doch um dem gerecht zu werden, was die Gesellschaft sich w?nsche, n?mlich Gleichstellung, Gleichbehandlung und gleiche Chancen, bed?rfe es noch einiger Anstrengung. "In der Hinsicht kann man nicht sagen, dass Sport wirklich fair ist", so Hartmann-Tews.

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