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Ringen, EM

Eigentlich war die EM in Rom für Frank Stäbler vor allem der Start in seine spektakuläre letzte Olympia-Mission.

13.02.2020 - 07:16:05

Wettkämpfe in Rom - Makellos: Frank Stäbler holt Gold bei Ringer-EM. Doch dann zeigte der Ausnahme-Ringer all seine Klasse und holte souverän Gold. Jetzt fangen die großen Strapazen für den Routinier aber erst an.

  • Finalkampf - Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

    Frank Stäbler (oben) hat seinen georgischen Gegner im Griff. Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

  • Sieger - Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

    Frank Stäbler feiert mit einer Deutschlandfahne seinen Sieg bei der EM. Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Finalkampf - Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpaSieger - Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Rom - Nach diesem Gold-Triumph hielt es Frank Stäbler nicht auf der Matte. Der neue Europameister stieg euphorisiert auf die Zuschauertribüne, küsste seine Frau Sandra und hob Töchterchen Alia stolz in die Höhe.

In der Gladiatorenstadt Rom war der Ausnahme-Kämpfer über sich hinausgewachsen und hat bei der letzten EM seiner Karriere noch einmal den Titel gewonnen. Der 30-Jährige setzte sich im Finale bis 72 Kilogramm im griechisch-römischen Stil gegen den Georgier Iuri Lomadze durch. «Der große Titel Nummer fünf ist da, unglaublich», sagte er.

Mit diesem Kraftakt nach einem zuvor makellosen Turnier holte sich der Baden-Württemberger viel Selbstvertrauen für seine letzte große Mission: eine Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio. «Das ist die beste Vorbereitung auf dem Weg zu Olympia», sagte er.

Nachdem der dreimalige Weltmeister am Vortag alle seine drei K.o.-Duelle vorzeitig durch Überlegenheit gewonnen hatte, ließ er sich auch im Titelkampf gegen Lomadze vor mehreren Dutzend Stäbler-Fans nicht aufhalten und gewann mit 6:2 Punkten. Dabei verlangte ihm der unorthodoxe Georgier alles ab. «Nach viereinhalb Minuten war ich stehend k.o.», räumte Stäbler ein. Vor der Reise nach Italien hatte er sich auf ein Medaillen-Foto «mit einem Lächeln vor dem Kolosseum» gefreut - dieser Programmpunkt steht am Donnerstag an.

Stäbler, der wegen eines skurrilen Hallenstreits in seinem Heimatort Musberg im ehemaligen Hühnerstall des väterlichen Bauernhofes trainieren muss, sicherte sich den zweiten Europameistertitel nach 2012 und insgesamt die achte internationale Medaille. Bei Weltmeisterschaften holte er 2015, 2017 und 2018 Gold sowie 2013 und 2019 Bronze. Dazu kommt noch ein EM-Bronzemedaille. Der nervenstarke Athlet hat noch nie ein großes Finale oder Halbfinale verloren.

Nur Edelmetall bei Olympia fehlt Stäbler nun noch. Und mit dieser EM-Goldmedaille kann er motiviert in den bevorstehenden Urlaub und danach in die körperlich extreme Vorbereitungs-Tortur gehen. Weil die 72-Kilogramm-Gewichtsklasse nicht olympisch ist, muss er - anders als in Rom - im August in Tokio in der Kategorie bis 67 Kilogramm antreten. Dabei wiegt Stäbler normalerweise 75 Kilogramm.

Bis zu seinem letzten großen Wettkampf in Japan heißt es deshalb, etliche Kilogramm abzunehmen. Das geschieht zunächst über eine ausgeklügelte Diät und in den letzten Tagen in Tokio durch einen fast komplettem Nahrungs- und Wasserentzug. «Wir haben einen Masterplan», berichtete Stäbler jüngst. Dennoch gebe es bei seinem Vorhaben «ganz, ganz viele Fragezeichen. Es wird spannend werden.»

Nach Stäbler gewann Hannes Wagner mit Bronze die nächste Medaille. Der 24-Jährige aus Lichtenfels setzte sich in der Klasse bis 82 Kilogramm gegen den Weißrussen Stanislaw Schafarenka durch. Die deutschen Griechisch-Römisch-Athleten sammelten damit drei Plaketten; auch Schwergewichtler Jello Krahmer war Dritter geworden. Am folgenden Tag haben gleich vier deutsche Frauen die Chance auf Bronze.

@ dpa.de