Skispringen, Weltcup

Der Japaner Ryoyu Kobayashi ist wieder der König der Vierschanzentournee.

06.01.2022 - 19:50:07

Skispringen - Vierschanzentournee: Kobayashi gewinnt ohne Vierfachcoup. Bei der Jubiläumsausgabe lässt der 25-Jährige alle hinter sich. Für die deutschen Springer reicht es nicht fürs Gesamtpodest.

  • Ryoyu Kobayashi - Foto: Daniel Karmann/dpa

    Ryoyu Kobayashi bei der Qualifikation auf der Paul-Au?erleitner-Schanze. Foto: Daniel Karmann/dpa

  • Karl Geiger - Foto: Daniel Karmann/dpa

    Der 28 Jahre alte Allg?uer setzte sich beim Springen in Bischofshofen nach dem ersten Durchgang an die Spitze. Foto: Daniel Karmann/dpa

Ryoyu Kobayashi - Foto: Daniel Karmann/dpaKarl Geiger - Foto: Daniel Karmann/dpa

Bischofshofen - Japans Gesamtsieger Ryoyu Kobayashi hat den so sehr ersehnten Vierfachsieg bei der Vierschanzentournee verpasst.

Der 25-Jährige sprang nach drei Siegen in Bischofshofen nur auf Rang fünf (133,5 und 133,5 Meter) und scheiterte damit am historischen zweiten Vierfachsieg, den vor ihm noch nie jemand geschafft hat. Stattdessen siegte zum Abschluss der 70. Ausgabe des Traditionsevents der Österreicher Daniel Huber vor Norwegens Halvor Egner Granerud und Deutschlands Karl Geiger, der seine Halbzeit-Führung nach 140,5 und 132 Metern noch abgab. Immerhin im ersten Sprung hatte er seine starke Form von vor Weihnachten unter Beweis gestellt.

Geiger in Tournee-Gesamtwertung Vierter

Die große Aufmerksamkeit gehörte aber Kobayashi, der am 20. Jahrestag von Sven Hannawalds historischem ersten Vierfachsieg keine Wiederholung aus dem Winter 2018/19 schaffte, als er seinerseits an allen vier Stationen siegte. Er bekommt nun 100.000 Schweizer Franken (etwa 96.000 Euro), das Sieger-Preisgeld war vor diesem Winter verfünffacht worden. In der Tournee-Gesamtwertung hängte der Japaner sowieso alle ab, dahinter wurde es tatsächlich noch spannend. Marius Lindvik belegte Rang zwei, Granerud wurde Dritter. Für Geiger reichte es nur zu Platz vier.

Wegen der windbedingten Absage in Innsbruck war es das zweite Bischofshofen-Springen innerhalb zweier Tage. Und es wurde eine spektakuläre Show mit ganz weiten Flügen. Der Deutsche Markus Eisenbichler (133 und 134 Meter) belegte nach einem starken Quali-Versuch den achten Rang und fiel damit im Gesamtranking hinter Geiger zurück. Er belegte Rang fünf.

Kobayashi: Freude über den goldenen Adler

Im dicht gedrängten Kalender, in dem sogar zwischen Qualifikation und Wettbewerb noch PCR-Tests für das kommende Weltcup-Wochenende in Bischofshofen nötig waren, erlaubte sich Kobayashi quasi keine Fehler. Wie vor drei Jahren hatte er in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen nur einen knappen Vorsprung, doch es reichte ihm zu drei Tagessiegen - und in der Gesamtwertung deutlich. Für eine «sportlich gesehen unglaublich grandiose Leistung» (Severin Freund) einer weiteren Vierfachserie war es aber nicht genug. «Ich habe wirklich angegriffen», sagte Kobayashi. «Ich freue mich, dass ich den goldenen Adler gewonnen habe.»

Für die Gegner kommt sein Lauf nicht überraschend. Es sei ein Stück weit erklärbar, weil Regeln wie Wind- und Anlaufpunkte für mehr Gerechtigkeit sorgen, erläuterte Freund. Kobayashi gab sich die komplette Tournee über wortkarg, antwortete kurz und nichtssagend. Auf die Frage, ob ihn das täglich ausführliche Interviewprozedere nerve, antwortete Kobayashi nur: «Es ist kalt.» Sportlich wurde der stoische Japaner zur unschaffbaren Herausforderung. «Er kann sich nur selbst schlagen», ordnete Eisenbichler ein. Am Donnerstag kam es anders.

Deutsche Adler müssen weiter warten

Geiger und Eisenbichler hatten die Spitzenleistungen und vor allem die Konstanz von vor Weihnachten vermissen lassen. «Das Ziel war eine andere Platzierung. Die ist durch», hatte ein schwer enttäuschter Geiger schon nach dem ersten Teil des Bischofshofen-Doppels eingestanden. «Eisei» konstatierte: «Aus kleinen Niederlagen lernt man viel mehr, als wenn man immer gewinnt.» Auch das Gelbe Trikot des Gesamtführenden gab Geiger an Kobayashi ab, der in dieser Form auch bei Olympia in China (4. bis 20. Februar) Topfavorit sein wird.

Die deutschen Adler müssen derweil mindestens ein 21. Jahr seit dem Hannawald-Triumph auf den goldenen Adler warten. Der Jubilar verbrachte den Dreikönigstag als ARD-Experte. «Die Erinnerungen sind so, als wäre es letzten Monat gewesen», merkte der 47-Jährige an. Die Feierlichkeiten zu 20 Jahren Vierfachsieg fielen coronabedingt allesamt aus. Hannawald stört sich daran nicht. «Das holen wir zum 25. Jubiläum nach», sagte er. Bis dahin haben Eisenbichler, Geiger & Co. einige weitere Chancen. «Nächstes Jahr ist wieder 'ne Tournee», sagte Eisenbichler.

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