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Sportwetten, Formel 1

Der Große Preis von Saudi-Arabien - Was spricht dafür, was dagegen?

25.02.2020 - 23:03:57

Die Formel 1 sucht schon immer nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten für deren Veranstaltungen, aber das jüngste Unterfangen könnte das bislang umstrittenste werden.

 
Quelle: Foto von Shen Liu auf Unsplash

Alles deutet darauf hin, dass einer der neuen Grand Prix in den kommenden Saisonen in Saudi-Arabien ausgetragen werden könnte. Das Königreich soll dem Veranstalter der Motorsport-Königsklasse 60 Millionen US-Dollar pro Jahr zur Verfügung kommen lassen.

Nach den Erfolgen ähnlicher Veranstaltungen in Bahrain und Abu Dhabi sind diese Nachrichten der jüngste Beweis für einen generellen Trend zu Austragungsorten im Nahen Osten. Aber dieser Schritt wird wahrscheinlich viel, zum Teil auch berechtigte Kritik, hervorrufen.

In diesem Artikel werden die wir auf die positiven und negativen Auswirkungen solcher sportpolitischen Entscheidungen eingehen.

Neue Erfahrungen für die Motorsportfans

Für die F1-Fans sind die Reisen in den Nahen Osten immer ein Abenteuer aber auch ein Genuss.

Die Rennstrecke, so verraten uns die ersten Pläne, wird von einem hochmodernen Stadion umgeben sein, in dem die Zuschauer unvergleichliche Ausblicke auf die bis zu sechs Kilometer lange Piste haben werden.

Der Streckenplaner und frühere Formel-1 Rennfahrer Alexander Wurz nennt die Arena ein "hochspannendes Erlebnis auf und neben der Rennstrecke" und weist auch auf die einzigartigen Höhenunterschiede hin, die die wunderschöne Naturlandschaft im Rennprofil voll ausnutzt.

Das Stadion wird einen großen Teil der hochmodernen Unterhaltungsanlage in Qiddiya sein und wird vor allem den zweiten Streckenteil, den so genannten "Stadtteil", aufnehmen. Weiter beherbergt diese "neue Stadt" eine atemberaubende Auswahl an Hotels, Geschäften und Restaurants.

Wenn das nicht schon genug wäre, so wird auch ein Open-Air-Themenpark (mit der größten und temporeichsten Achterbahn der Welt) die Fans entlang der Rennstrecke unterhalten und das alles vor einer majestätischen Bergkulisse.

Dies alles deutet auf eine komplett neue Erfahrung für die Motorsportfans hin, die sich auf etwas komplett Neues freuen werden können.

Die Formel-1 wird immer mehr zur Plutokratie

Dieses Sportevent wurde von dem reichsten Unternehmen der Welt, Aramco, aus der Taufe gehoben. Es gehört der saudischen Regierung und wird mit unglaublichen zwei Billionen US-Dollar bewertet.

Durch seinen weltweiten Sponsoring-Vertrag mit der Formel 1 plant das Unternehmen, enorme Summen in diesen Event und in diesen Sport zu pumpen. Alleine 60 Millionen US-Dollar ist den Saudis die Austragung dieses Rennen in ihrem Land wert.

Natürlich wird dies zu Folge haben, dass ein zunehmend plutokratisches System installiert wird, bei dem die reichen Eigentümer noch reicher werden und ein Großteil der Gewinne nur in den höheren Etagen des Sports verbleibt.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht sagt voraus, dass die Formel-1, die bereits jetzt eine der teuersten Sportarten der Welt ist, junge Fahrer mit normalem Hintergrund aus dem Markt verdrängt werden, wenn der gegenwärtige Trend der steigenden Kosten anhält. Mercedes-Chef Toto Wolff forderte bereits im Jahr 2018 eine radikale Kostensenkung, nachdem er feststellte, dass ein Nachwuchs F1-Fahrer bereits jetzt Investitionen in Millionenhöhe benötigt um überhaupt in einem der kleineren Teams eine Platz zu bekommen.

Der mehrfache Weltmeister Lewis Hamilton hat kürzlich die generelle Struktur des Sports als "falsch" eingestuft und die Entscheidung kritisiert, den Sohn eines Milliardärs als Fahrer einem hart arbeitenden Talent als Konkurrent und Fahrer vorzuziehen.

Wenn das Geld im Sport immer mehr an Gewicht bekommt, und sich dies auf die Fahrerbesetzungen auswirkt, so wird die Gesamtqualität des Rennfahrers zukünftig mit Sicherheit sinken. Daher müssen baldigst kluge Entscheidungen getroffen werden um diesen Trends entgegen treten zu können.

Wett-Problematik

Die strengen Gesetze Saudi-Arabiens sind uns allen recht gut bekannt. Horrorgeschichten wie das Abhacken von Händen im Falle eines Diebstahls und öffentliche Hinrichtungen haben in den letzten Jahren oftmals die Schlagzeilen über diesen Wüstenstaat dominiert.

Die Gesetze des Landes beinhalten aber auch auf das absolute Verbot von Alkohol, Glücksspiele und sogar Kinobesuche sind untersagt, was dazu führt, dass das Land als eines der restriktivsten Länder der Welt gilt.

Die F1 hat jedoch schon seit geraumer Zeit die Firma "188BET" als Hauptsponsor für den asiatischen Markt gewonnen; Ein Unternehmen, das buchstäblich von Menschen abhängt, die ihr Geld verspielen.

Durch die Platzierung des Logos dieses Glücksspielanbieters auf allen F1-Rennstrecken und auf allen Merchandisingprodukten trägt der Rennsport direkt dazu bei, Sportwetten und Online-Casinos, die beiden Hauptverkaufsargumente des Unternehmens, bekannt zu machen. Dies führt zu natürlich zu einem Interessenskonflikt vor allem in dieser absolutistischen Monarchie.

Werden Sponsoren, die mit Glücksspielen zu tun haben, für die Veranstaltung in Saudi-Arabien komplett gesperrt, wodurch dem Sport eine enorme Menge an Einnahmen verloren gehen wird? Oder gehen die Organisatoren das Risiko ein, die mehr als 30 Millionen Muslimen des Landes durch Glücksspielwerbung und den damit verbundenen Ideen, die eines der wichtigsten Tabus des Landes brechen würden, schwer zu beleidigen?

Eine einfache Antwort um dieses Dilemma zu umgehen, wäre zu sagen, dass die geschätzten Einnahmen von 60 Mio. USD pro Jahr den möglichen Einkommensverlust abfedern und die "188BET"-Werbungen nur in ausgewählten Märkten ausgestrahlt werden. Das würde dann gleichzeitig auch bedeuten, dass die Saudis die betreffenden Logos möglicherweise gar nicht zu Gesicht bekommen werden.

Die ganze Angelegenheit ist wie erwähnt sehr delikat und ein an und für sich äußerst heikles Thema, für die die F1-Chefs erhebliche Überlegungen und Anstrengungen vornehmen wird müssen.

Die Menschenrechtsbilanz

Die größte Sorge bei dem finanziellen und sportlichen das Abkommen liegt sicher in der erschreckenden Menschenrechtsbilanz Saudi-Arabiens.

Mit mehr als bereits 20 ausgetragenen Rennen in Bahrain und Abu Dhabi ist die F1 am Persischen Golf mit Sicherheit kein Neuland mehr. Und genau diese beiden Länder sind für ihre Peitschen- und Steinigungsmethoden bekannt. In der Tat nahmen die regierungsfeindlichen Proteste in Bahrain zu, als bekannt wurde, dass, das Formel-1-Rennen 2011 abgesagt wurde.

Das Königshaus Saudi-Arabiens stand kürzlich nach dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi Untersuchungen ausgesetzt. Dieser Mord wurde von der CIA als "staatlich angeordnet" bezeichnet.

Dies wird zusätzlich durch Berichte von Amnesty International untermauert, die die menschenverachtende Politik gegenüber LGBT, Enthauptungen und die ungleichen Rechte von Frauen anprangert. Zusätzlich belastet noch der anhaltende militärische Konflikt im Jemen den internationalen Ruf Saudi-Arabiens.

Die FIA, das Leitungsgremium der Formel-1, hat daraufhin erklärt, dass sie sich selbst als eine unpolitische Organisation sehen, was für sie bedeutet, dass der Sport sich nicht in die landesspezifischen Eigenheiten einzumischen hätte.

Das Veranstaltungsland  hat aber auf der anderen Seite auch Anstrengungen unternommen, sich in einem neuen und liberaleren Gewand zu präsentieren und ein neues Image zu verbreiten. So wurden unter andere neue Gesetze verabschiedet, die den Frauen das Autofahren gestatten und die ebenfalls die strengen Tourismusbestimmungen des Landes lockerten.

Aber die politischen Altlasten hängen jedoch immer noch schwer über dem Veranstalter und vor allem über dem Land, und es werden weiterhin kritische und berechtigte Fragen von Zuschauern, Regierungen und Menschenrechtsgruppen zu dem Zuständen im Land gestellt.

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Trotz der anhaltenden Diskussion ist es dennoch wahrscheinlich, dass das Rennen wie geplant bis spätestens 2023 stattfinden wird.

Es wird jedoch immer Kontroversen geben, solange die massive Geldströme auf die verheerende Menschenrechtsbilanz Saudi-Arabiens treffen.

Als solcher steht der Sport selbst vor großen Herausforderungen, wenn er seinen guten Ruf bewahren und nicht als geldsaugendes Ungetüm bezeichnet werden will.