Olympia, Doping

Der Doping-Skandal um Russland soll Konsequenzen haben.

06.02.2018 - 13:52:05

Session in Pyeongchang - IOC will Anti-Doping-Recht reformieren - Russen klagen. Das IOC kündigt eine Reform des Anti-Doping-Rechts an. Weitere 32 russische Athleten reichen gegen ihre Olympia-Sperre Klage beim CAS ein.

Pyeongchang - Das Internationale Olympische Komitee will nach der bitteren Lehre aus dem russischen Doping-Skandal die Regeln und das Rechtssystem im Anti-Doping-Kampf umfassend reformieren.

«Die Herausforderung wird sein, wie wir die Integrität einer Organisation wie das IOC mit seinen 206 Mitgliedern managen und schützen können», sagte Präsident Thomas Bach bei der IOC-Session in Pyeongchang. Dazu gehöre auch, wie man der «wachsenden Macht individueller Rechte» begegnen könne.

Das Urteil des Internationalen Sportgerichtshof CAS in der Berufungsverhandlung von 39 Athleten aus Russland, die gegen ihren vom IOC als Folge des Doping-Skandals in ihrem Land verhängten lebenslangen Olympia-Bann klagten, hatte viel Kritik ausgelöst. In 28 Fällen hob das CAS die Sperre auf, in elf reduzierte es die IOC-Sanktionen.

Mitten in die IOC-Debatte über die Causa Russland platzte die Nachricht, dass weitere 32 russische Sportler auf dem juristischen Weg den Start bei den Winterspielen erreichen wollen. Die Athleten reichten Klage beim Schweizer Bundesgericht und beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen ihren Olympia-Ausschluss ein. Dies bestätigte das Ad-hoc-Gericht des CAS in Pyeongchang, das am Mittwoch das Urteil verkünden will. Neben Shorttrack-Star Viktor Ahn und Biathlet Anton Schipulin wehren sich die Top-Ski-Langläufer Sergej Ustjugow und Ruslan Sacharow sowie Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa gegen den Olympia-Bann.

Bisher sind 169 Athleten aus Russland zu den Spielen eingeladen worden. Aus dem Kreis der 28 Russen, deren Sperren vom CAS aufgehoben wurden, hatten 15 nachträglich die Teilnahme beantragt. Sie wurde vom IOC abgelehnt.

«Trotz der schwierigen Situation gibt es auch die schöne Seite des Lebens», sagte Bach. «Denn wir können daraus lernen und es kann der Beginn von Veränderungen werden in der Welt-Anti-Doping-Agentur, im CAS und auch im IOC. Wir haben die Diskussion darüber begonnen.»

Mit einer harten Kritik am Umgang mit der Causa Russland löste IOC-Mitglied Richard Pound eine ungewöhnlich scharfe Kontroverse unter seinen 100 Kollegen aus. «Ein großer Teil der Welt glaubt, dass das IOC versagt und die Athleten sauber gemacht hat», sagte der frühere WADA-Präsident. Bisher habe man im IOC mehr geredet als bewegt. «Unsere Zukunft hängt davon ab, was wir tun, aber nicht, was wir sagen», sagte Pound und nannte die Welt des IOC einen «komfortablen Kokon».

Noch vor Ende der 23. Winterspiele muss das IOC eine weitere große Entscheidung fällen. In Pyeongchang sind einzelne Sportler als «Olympische Athleten aus Russland» ohne Fahne und Hymne am Start. Das Nationale Olympische Komitee des Landes wurde vom IOC in Folge des Doping-Skandals suspendiert, aber mit der Möglichkeit, vor der Schlussfeier wieder als Mitglied aufgenommen zu werden.

Eine entsprechende Empfehlung für die Wiederaufnahme wird das Einladungskomitee unter der Leitung Nicole Hoevertsz an das IOC-Exekutivkomitee geben. Es wird während der Spiele beobachten, ob sich die russischen Athleten, aber auch die Fans oder die Medien entsprechend des olympischen Geistes verhalten.

«Es ist unmöglich, jeden einzelnen russischen Teilnehmer und jeden Vorfall zu beobachten», erklärte sie. «Wir schauen auf das generelle Verhalten.» Falls ein Athlet die russische Fahne irgendwo tragen sollte, hieße dies nicht, der Bann werde aufgehoben oder nicht. Hoevertsz betonte aber auch: «Es ist wie einem Fußballclub: Er ist auch für das Verhalten seiner Fans mitverantwortlich.» Jeder russische Starter musste einen umfassenden Verhaltenskodex akzeptieren und unterschreiben.

«Ich stimme zu, dass wir Russland zurück in die olympische Familie bringen müssen, aber zu unseren Bedingungen, nicht zu seinen Bedingungen der Leugnung und des Angriffs», mahnte Pound.

@ dpa.de

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