Tennis, Regierung

Darf Novak Djokovic in Australien bleiben und seinen Titel bei den Australian Open verteidigen? Kurz vor Turnierstart ist die Entscheidung im Fall des serbischen Tennisprofis noch nicht gefallen.

14.01.2022 - 07:28:09

Australian Open - «Absoluter Saustall»: Djokovic-Entscheidung steht weiter aus

Melbourne - Drei Tage vor dem Beginn der Australian Open wartet Novak Djokovic weiter auf eine Entscheidung zu seinem Visum für Australien und die Möglichkeit, seinen Titel zu verteidigen.

Auch am Freitagnachmittag Ortszeit in Melbourne gab es von Einwanderungsminister Alex Hawke noch kein Signal dazu, ob er sein persönliches Recht nutzt und das Visum des serbischen Tennisprofis ungültig macht, weil dieser nicht gegen das Coronavirus geimpft ist. Die Nummer eins der Weltrangliste trainierte unterdessen schon früh am Tag statt wie ursprünglich geplant erst am Nachmittag.

«Absoluter Saustall»

Aus der australischen Politik bekommt Hawke für das lange Zögern Druck. «Alex Hawke, wo sind sie? Verschollen?», fragte die Senatorin Jacqui Lambie nach Angaben der australischen Nachrichtenagentur AAP . «Wenn Sie keine Entscheidung zu Novak Djokovic treffen können, meine Güte, wie regiert ihr Leute denn das Land? Das ist ein absoluter Saustall.» Weiter sagte sie, Djokovic sollte packen geschickt werden, wenn er die Regeln gebrochen habe.

Die Entscheidung der australischen Behörden, ob Djokovic im Land bleiben und ab Montag beim Grand-Slam-Turnier in Melbourne antreten darf, wird mit Spannung erwartet. Vorige Woche war dem 34-Jährigen die Einreise ins Land verweigert worden, weil er nicht gegen das Coronavirus geimpft ist und den Behörden die Dokumentation seiner medizinischen Ausnahmegenehmigung nicht ausreichte. Weil die Grenzbeamten ihm aber nicht die vereinbarte Zeit zur Klärung zugestanden hatten, wurde die Entscheidung am Montag von einem Richter vorläufig gekippt.

Hawke schweigt weiter

Von Hawke gibt es weiterhin keinerlei Kommentar. Australische Journalisten berichten, aus seinem Umfeld sei zu hören, es gebe eine Tendenz dazu, das Visum Djokovics ungültig zu machen - doch mehr als Gerüchte waren das bis zum Nachmittag nicht.

Nach dem Fiasko für die Regierung im ersten Gerichtsverfahren, als Djokovic das Visum wegen eines Formfehlers wieder ausgehändigt werden musste, will der Minister offenbar dieses Mal eine Entscheidung treffen, die den ganz sicher zu erwartenden Einsprüchen der Djokovic-Anwälte für den Fall einer erneuten Ausweisung standhält.

Der Druck auf Hawke ist von vielen Seiten groß. Die Stimmung in Australien ist - mit Ausnahme der serbischen Gemeinde - klar gegen Djokovic. Viele Australier haben in den inzwischen fast zwei Jahren Pandemie viele Entbehrungen erlebt.

«Ich verstehe die Menschen hier definitiv. Sie haben wirklich über die letzten zwei Jahre eine toughe Zeit hinter sich», sagte die deutsche Nummer eins Angelique Kerber und äußerte sich zurückhaltend: «Regeln sind Regeln, die für alle gelten, egal ob man Nummer eins ist oder Qualifikant», sagte die 33 Jahre alte Kielerin: «Ich hoffe auch, dass es bald wieder schöne und positive Nachrichten über den Sport gibt.»

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