Radsport, Giro

Was für ein Giro-Debüt! Pascal Ackermann holt sich gleich bei der ersten Sprintankunft seinen ersten Etappensieg.

12.05.2019 - 17:40:06

Giro d'Italia - Ackermann krönt Giro-Debüt mit Etappensieg. Das Rosa Trikot des Gesamtersten trägt Primoz Roglic, der das Auftaktzeitfahren gewinnt. Dabei hat der frühere Skispringer seine namhaften Konkurrenten geradezu deklassiert.

Fucecchio - Pascal Ackermann hüpfte ausgelassen im Zielbereich über den Asphalt und schlug die Hände vor das Gesicht. Der deutsche Meister hat überraschend die zweite Etappe des 102. Giro d'Italia gewonnen und damit sein Debüt bei der ersten Sprintankunft gleich mit dem Sieg gekrönt.

Ackermann gewann nach 205 Kilometern von Bologna nach Fucecchio vor dem italienischen Meister Elia Viviani und dem Australier Caleb Ewan. «Das ist unglaublich. Ich habe mir gesagt: Alles oder nichts. Viviani war auch superstark, aber ich bin als erstes losgesprintet und es hat gereicht», sagte Ackermann nach seinem Coup. Von seinem Bora-hansgrohe-Team war er zuvor perfekt in Szene gesetzt worden.

Damit hat Ackermann gleich bei der ersten Sprintankunft sein großes Ziel Etappensieg erreicht. «Ich kann nicht behaupten, dass ich nicht gut in Form bin. Ich habe hart trainiert dafür», hatte Ackermann bereits vor dem Start selbstbewusst angekündigt und dies auch bestätigt. Der Pfälzer gilt als die deutsche Sprint-Hoffnung der Zukunft. Erst am Maifeiertag hatte Ackermann den schweren deutschen Klassiker Frankfurt-Eschborn gewonnen.

Der andere große Star des Auftaktwochenendes war der slowenische Ex-Skispringer Primoz Roglic, der das Einzelzeitfahren am Samstag über 8,2 Kilometer mit dem schweren Schlussanstieg zur Santuario di San Luca beherrschte und sein erstes Rosa Trikot holte.

Am Sonntag war für Roglic beim Massensprint das Rosa Trikot nicht in Gefahr. Der 29-Jährige liegt damit in der Gesamtwertung weiter 19 Sekunden vor dem britischen Vuelta-Champion Simon Yates. Altstar Vincenzo Nibali (Italien) ist 22 Sekunden zurück Dritter.

Ein gutes Polster für Roglic, das in der Deutlichkeit nicht zu erwarten war. So durfte nach seinem Auftakterfolg der Telemark auf dem großen Podium nicht fehlen. Es ist das Markenzeichen des 29-Jährigen und erinnert an seine erste und durchaus erfolgreiche Karriere als Skispringer. Längst fliegt der Slowene die Berge aber rauf statt runter, wie etwa am Samstag. «Diesen Tag werde ich niemals vergessen. Vor fünf Jahren war das unvorstellbar», sagte der Radprofi.

Vor fünf Jahren hatte Roglic gerade seine Radsportkarriere in Gang gesetzt, damals noch im drittklassigen Team Adria Mobil. Erst seit 2016 ist der 29-Jährige im Profigeschäft. Und seit 2016 bringt er die Experten mehr und mehr ins Staunen. In diesem Jahr gewann er schon drei Rundfahrten, stand 13 Mal auf dem Podium und holte acht Siege, was ihn automatisch zum Topfavoriten auf den Giro-Sieg macht.

Gelingt ihm womöglich das Kunststück, wie Gianni Bugno 1990 vom ersten bis zum letzten Tag das Rosa Trikot zu tragen? «Ich weiß es nicht. Aber das Wichtigste ist, es in Verona zu tragen», sagt der selbstbewusste Roglic. Verona ist am 2. Juni das Ende der 3578,8 Kilometer langen Reise durch Italien. Bis dahin sind noch viele Berge und rund 47 000 Höhenmeter zu bewältigen.

Doch die Abstände auf die Konkurrenten waren schon beträchtlich und haben selbst Roglic «überrascht». 19 Sekunden auf Yates sind es und Ex-Zeitfahr-Weltmeister Tom Dumoulin (Niederlande) verlor gar fast eine halbe Minute. Letzterer hatte Roglic 2016 bei dessen Giro-Debüt in Apeldoorn das Rosa Trikot im ersten Zeitfahren noch um 22 Hundertstelsekunden entrissen. Damals war der frühere Goldmedaillengewinner im Mannschafts-Skispringen der Junioren-WM noch ein völlig Unbekannter im Radsport.

Das sollte sich schnell ändern. Noch im gleichen Jahr gewann er das Giro-Zeitfahren in Chianti. 2017 gewann er bei der Tour de France die Alpenetappe in Serre-Chevalier und im vergangenen Jahr wurde er immerhin schon Gesamtvierter bei der Frankreich-Rundfahrt.

@ dpa.de