Radsport, Tour de France

In Marcel Kittels Team herrscht bei der Tour de France Chaos.

13.07.2018 - 19:18:06

105. Tour de France - Chaos im Kittel-Team - Groenewegen siegt. Wieder kein Sieg, nur Rang 118 für den vorjährigen Superstar der Frankreich-Rundfahrt. Der Nierländer Groenewegen gewinnt am Freitag in Chartres.

  • Tour de France - 7. Etappe - Foto: Christophe Ena/AP

    Die 7. Etappe der Tour de France führte von Fougeres nach Chartres. Foto: Christophe Ena/AP

  • Etappensieger - Foto: David Stockman/BELGA

    Dylan Groenewegen vom Team LottoNL-Jumbo feiert seinen Etappensieg. Foto: David Stockman/BELGA

Tour de France - 7. Etappe - Foto: Christophe Ena/APEtappensieger - Foto: David Stockman/BELGA

Chartres - Für Marcel Kittel wird die 105. Tour de France langsam zum Alptraum.

In den vierten Massensprint griff der Tour-Held von 2017 beim Sieg des Niederländers Dylan Groenewegen in Chartres überhaupt nicht mehr ein und ließ Rick Zabel zum Wohle des Katusha-Alpecin-Teams sprinten - auf Rang elf. Olympiasieger Greg Van Avermaet aus Belgien verteidigte sein Gelbes Trikot.

Der fünfmalige Etappensieger des Vorjahres trudelte nach 231 Kilometern der längsten Etappe als 118. über die Linie. «Es gab ein Missverständnis im Finale. Marcel war einfach nicht da. Ich erhielt einen Kilometer vor dem Ziel die Order, zu gehen», berichtete Zabel vom turbulenten Finale, während sein berühmter Vater Erik die Räder auf den Teamwagen hievte. Zabel junior vermutete: «Wahrscheinlich ist Marcel jemand vor die Karre gefahren.»

Drei deutsche Sprinter unter den ersten Elf, aber wieder kein Sieg: Das war die bittere Bilanz im Schatten der weltberühmten Kathedrale von Chartres. Die goldenen Jahre der deutschen Radprofis bei der Tour könnten sich dem Ende neigen. Seit 2011 hatten sie mindestens jeweils einen Etappensieg geholt, in den Jahren 2013, 2014 und 2015 und 2017 wurde die Frankreich-Rundfahrt durch ihre Erfolge fast zur «Tour d'Allemagne».

Groenewegen sicherte sich nach einem Erfolg im Vorjahr in Paris seinen insgesamt zweiten Etappensieg und konnte mit deutlichem Vorsprung schon vor der Ziellinie jubeln. Er ließ dem bisherigen Sprintkönig Fernando Gaviria auf Rang zwei und dem Träger des Grünen Trikots, Peter Sagan, keine Chance. John Degenkolb aus Oberursel wurde Sechster, Altmeister André Greipel Achter, Zabel Elfter.

Van Avermaet kommt seinem Wunsch immer näher, am Sonntag im Maillot Jaune Richtung Roubaix aufzubrechen. Davor bietet sich den Sprintern am Samstag in Amiens eine weitere Möglichkeit. «Wenn ich keinen Platten habe, sollte ich es eigentlich behalten, das wäre etwas sehr Spezielles», sagte Van Avermaet in einer Vorschau zur achten Etappe.

Für den sehr verhalten in die Tour gestarteten Groenewegen platzte am Freitag der Knoten. «Ich bin erleichtert. Ich wusste, dass es von Tag zu Tag besser wird. Es hat sich gelohnt. Ich freue mich für mich und die Mannschaft. Meine Beine sind gut, heute Abend feiern wir ein bisschen - und morgen vielleicht gleich wieder», erklärte er.

Degenkolb, der weiter seinem ersten Tour-Etappensieg hinterherfährt, war trotzdem irgendwie zufrieden. «Es war wieder ein total chaotischer Sprint. Ich kam von hinten und hatte einen guten Punch. Für mich war es ein ganz guter Tag», sagte der Trek-Segafredo-Profi.

Mitfavorit Tom Dumoulin war immer noch geknickt über die am Vortag von der Jury verhängte 20-Sekunden-Zeitstrafe wegen Windschatten-Fahrens. Nach seinem Defekt hatte sich der Sunweb- Kapitän zu lange hinter seinen Teamwagen geklemmt, um das rasende Feld mit allen Favoriten noch zu erreichen. Im Ziel auf der Mur-de-Bretagne musste sich der Niederländer 33 Sekunden Rückstand plus 20 Sekunden Strafe gutschreiben lassen.

Seine Kritik hielt sich aber in Grenzen, obwohl andere Fahrer ähnlich handelten und nicht bestraft wurden. «In den ersten Tourtagen hatte ich im Vergleich zu vielen Mitkonkurrenten viel Glück. Klar, dass dann mal eine kleine Pechsträhne fällig wird», sagte Dumoulin, der bei der Tour wie beim vorangegangenen Giro zum härtesten Herausforderer des Seriensiegers Chris Froome werden könnte.

@ dpa.de

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