Motorsport, Formel 1

Sogar Italiens Regierungschef jubelt.

27.03.2017 - 11:52:05

Hamiltons Jagdinstinkt geweckt - Sieg beim Formel-1-Auftakt: «Weckruf» von Vettel. Den Freudentaumel über Sebastian Vettels Ferrari-Sieg im ersten Formel-1-Saisonrennen nimmt Lewis Hamilton nun als Ansporn für einen knallharten WM-Zweikampf. Mercedes will jetzt «jeden Stein umdrehen».

Melbourne - Sebastian Vettels perfekter Auftakt-Coup hat den Jagdinstinkt von Lewis Hamilton geweckt. Im Jahr nach der schmerzhaften WM-Niederlage gegen Nico Rosberg stellt sich der Mercedes-Superstar auf ein noch härteres Duell mit dem nächsten Deutschen um den Formel-1-Titel ein.

«Dieses Jahr seht ihr die Besten gegen die Besten, mit den stärksten Fahrern an der Spitze», sagte Hamilton nach der Schlappe gegen Ferrari-Steuerkünstler Vettel beim Saisonstart in Melbourne. Der Unterton: Gegen Vettel und seine rote Rakete war der vergiftete Zweikampf mit Rosberg noch gar nichts.

Beschwipst vom Sieger-Champagner nahm Vettel in Australien die Herausforderung gern an. «Es sieht so aus, als wären unsere Maschinen gleichauf. Wenn es so ist, würde ich mich über ein enges Duell sehr freuen», sagte der Hesse. Erstmals nach 1625 Tagen führt wieder ein Ferrari-Pilot die WM an - für die Scuderia und ihre Tifosi eine quälende Ewigkeit. Sogar Regierungschef Paolo Gentiloni freute sich nun mit und twitterte: «Großartig #Ferrari. Italien kehrt zum Siegen zurück.» 

Euphorisch fielen auch die Reaktionen in der italienischen Presse aus. «Es ist eine Rückkehr in die Zukunft von «Made in Italy». Ein Ferrari, zuhause gebaut, in jener Via Emilia, so weit weg von Hollywood. Wiedergeburt und Wiederauferstehung», schrieb «La Repubblica». «Ferrari - es ist ein Traum», meinte «Il Messaggero». 

Für die seit drei Jahren dominierenden Silberpfeile wirkte Vettels fehlerfreies Glanzstück als «Weckruf», wie Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda feststellte. «Jetzt sind wir wach», sagte der Österreicher und sieht keinen Spielraum mehr für Fehler wie den Taktikpatzer im Albert Park, als ein zu früher Reifenwechsel Hamilton den Sieg kostete. Teamchef Toto Wolff will den Ärger über die erste Auftaktpleite seit vier Jahren in Vortrieb verwandeln. «Wir werden jeden Stein umdrehen, um wieder zu gewinnen», sagte Wolff.

Nie zuvor hat ein Weltmeister-Team nach einer so radikalen Regelreform, wie es sie vor dieser Saison gab, wieder den Titel gewonnen. «Das wird eine echte Schinderei in dieser Saison», sagte Hamilton. Doch der 32-Jährige genießt die Aussicht auf einen intensiven Schlagabtausch mit Vettel in den verbleibenden 19 Rennen. «Ich habe unglaublichen Respekt vor Sebastian und vor dem, was er in seiner Karriere erreicht hat. Es ist ein Privileg, in einer Ära mit ihm zu fahren, und jetzt können wir endlich echte Rennen miteinander haben», sagte Hamilton.

Vierfach-Champion Vettel waren all die Schmeicheleien irgendwann unheimlich. «Wir haben viel zu beweisen. Wir müssen jetzt weiter arbeiten, nicht so viel darüber reden», mahnte der 29-Jährige. Siege wie diesen betrachtet der Heppenheimer nur als Etappe auf dem Weg zum fünften Titel, auf den er seit 2013 wartet.

Im dritten Vertragsjahr bei Ferrari kennt Vettel die emotionalen Schwankungen beim Traditionsteam und fordert volle Konzentration auf den Entwicklungswettlauf mit Mercedes und den zunächst abgehängten Red Bull. «Wir müssen jeden Schritt einzeln nehmen. Es ist doch erst März», sagte Vettel jedem, der schon vom WM-Triumph sprach. Für eine ausgiebige Siegersause nahm er sich daher keine Zeit, schon wenige Stunden nach der Zieldurchfahrt saß er im Flieger gen Heimat.

So entgingen ihm auch die blumigen Schlagzeilen der australischen Montagsblätter. «Die strahlende Gina lässt die Puppen tanzen», titelte die «Herald Sun» in Anspielung auf Vettels Kosenamen für seinen neuen Dienstwagen. «Eine atemberaubende Vorführung von Tempo und Kontrolle», hatte «The Age» gesehen. Kein Wunder, dass Vettel vor der Abreise noch meinte: «Ich könnte für immer so weiterfahren.»

@ dpa.de

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